Koen Casteels wechselte im Sommer 2011 vom KRC Genk nach Hoffenheim © imago

Der Hoffenheim-Coach steht mit dem Rücken zur Wand. Gegen Hannover setzt er auf Nobody Koen Casteels. Der gibt sich nervös.

Von Reinhard Franke

München - Der Druck auf Markus Babbel vor dem Spiel in Hannover (ab 17.15 Uhr im LIVE-TICKER) ist immens.

Null Punkte und Platz 18 nach drei Spielen - gegen 96 braucht 1899 Hoffenheim dringend einen Sieg, sonst wird die Lage für den Trainer eng. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Das weiß der 40-Jährige selbst: "Ich bin der Letzte, der das Geschäft nicht kennt. Es ist klar, dass Resultate hermüssen", schätzt er seine Lage in der "Bild am Sonntag" ein:

"Wenn Vereins-Verantwortliche glauben, es geht gerade alles den Bach runter, greifen sie nach einem letzten Strohhalm."

Wiese fällt zwei Wochen aus

Ausgerechnet in dieser prekären Situation muss Babbel auf seinen Stammtorhüter Tim Wiese verzichten.

Der Ex-Bremer fällt mit einem Muskelfaserriss im Adduktorenbereich zwei Wochen aus.

Zwar war auch Wiese in den ersten Saisonspielen nicht fehlerfrei, dennoch beklagt Babbel den Verlust:

"Ich hätte Tim gerne im Tor gehabt. Wenn er wieder fit ist, spielt er auch wieder. Er ist schließlich unser Kapitän."

Statt Wiese steht gegen Hannover ein absoluter Nobody im Tor, der 20-jährige Belgier Koen Casteels.

Casteels hat Babbels Vertrauen

Ein Mann ohne jegliche Bundesliga-Erfahrung in einem derart wichtigen Spiel, das Risiko scheint groß.

Doch Babbel stärkt dem jungen Keeper den Rücken: "Koen genießt unser vollstes Vertrauen", sagt Babbel.

Für den Chefcoach ist Casteels ein "außergewöhnliches Talent und wird seinen Weg gehen".

[kaltura id="0_vu8wzjez" class="full_size" title="Babbel tritt als Sportdirektor ab"]

"Schon ein bisschen nervös"

Auch Casteels selbst geht die Sache mit der nötigen Gelassenheit an.

"Ich bin auf diese Situation vorbereitet. Letztlich kann es an jedem Spieltag passieren, dass ich auf einmal die Nummer eins bin", sagt Casteels im Gespräch mit SPORT1.

Er gibt aber auch zu: "Ich bin schon ein bisschen nervös, auch gespannt, aber ich denke, das ist normal."

Bislang stand Casteels erst 45 Minuten im Hoffenheimer Tor, beim Testspiel gegen Betis Sevilla.

Ansonsten spielte der U-21-Nationaltorwart, der vor einem Jahr für 780.000 Euro von KRC Genk zur TSG wechselte, nur in der Regionalliga-Mannschaft der Hoffenheimer.

Als Ersatztorhüter wird Jens Grahl auf der Bank sitzen. Auch er hat noch kein Bundesliga-Spiel bestritten.

Von Wiese lernen

Casteels' Ziel für sein Bundesliga-Debüt ist klar: "Ich hoffe, dass ich einen guten Tag erwische und der Mannschaft helfen kann, das Spiel zu gewinnen."

Ambitionen, Wiese aus dem Tor zu verdrängen, hat er (noch) nicht. Er nimmt die Rolle der Nummer zwei an:

"Ich kann noch einiges von ihm lernen, Tim hat so viel Erfahrung", sagt Casteels über das Verhältnis zu Wiese.

Bei seinen fußballerischen Vorbildern orientiert er sich allerdings international und nennt Edwin van der Saar und Iker Casillas.

Hoffen auf die Wende

Unbeschwert kann Casteels seine erste Bundesliga-Partie nicht angehen. Den von Babbel erwähnten Resultats-Druck spürt auch er:

"Wir wissen alle, dass der Start miserabel war und wir jetzt langsam was abliefern müssen."

Dennoch gibt er sich zuversichtlich: "Wir haben eine sehr gute Mannschaft und werden schon bald in die richtige Spur kommen, da bin ich sicher."

Spiel eins unter Müller

Beim Weg zurück in die Spur soll von nun an auch Manager Andreas Müller mithelfen.

Am Donnerstag wurde der 49-Jährige in Hoffenheim vorgestellt

Der Ex-Schalker soll Babbel entlasten, der zuvor den Trainer-Manager gab:

"Ich habe gemerkt, dass ich beiden Sachen nicht gerecht werden kann. Man verliert den Blick fürs Wesentliche, man nutzt sich stark ab, es war zuviel Stress."

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