Thomas Müller (r.) führt mit vier Treffern die Torjägerliste an © getty

Die Münchner siegen auf Schalke und verbessern einen Rekord. Heynckes stellt sich eine neue Aufgabe. Schalke ist ernüchtert.

Von Mathias Frohnapfel und Thorsten Langenbahn

München/Gelsenkirchen - Freundschaftlich ging es zu in den Katakomben der Schalker Arena:

Böse Worte gab es nach dem 2:0-Sieg des FC Bayern (Bericht) genauso wenig wie auf dem Oktoberfest Massenbestellungen von stillem Wasser (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Bayerns Neu-Star Javier Martinez plauderte mit dem Spanier Sergio Escudero von S04, FCB-Sportdirektor Matthias Sammer steckte mit Schalkes Ersatzmann Christoph Metzelder die Köpfe zusammen.

Mit dem BVB eroberten die beiden den Titel, 2002 coachte Sammer Schwarzgelb zur Schale.

Eine Ewigkeit ist das her - fast genauso lang wie Schalker Gegenwehr gegen den FCB.

Historischer Start

"Wir hatten einen guten Start, aber entscheidend ist, wie man damit umgeht", kommentierte Sammer bei LIGA total! möglichst kühl den Traumstart der Roten.

Dem hängt angesichts von 14:2-Toren sogar das Prädikat "historisch" an 615118 (DIASHOW: Der 4. Spieltag) .

Sieben Siege in den ersten sieben Pflichtspielen sind Vereinsrekord.

Sammer scherte das und die Tabellenführung so wenig wie das am Samstag in München gestartete Oktoberfest.

Und dass Dauerrivale Dortmund 2:3 beim HSV verloren hatte - ja mei.

Sammer mahnt

"Am Dienstag kommt Wolfsburg. Und für das Münchner Umfeld ist das Thema wahrscheinlich schon erledigt, weil Wolfsburg nicht so gut gestartet ist. Davon dürfen wir uns nicht leiten lassen", warnte Sammer.

Die Analyse des Erfolgs im Spitzenspiel fiel auch beim Rest des FCB-Clans kurz aus.

Denn was vorab als Liga-Kracher postuliert worden war, entpuppte sich nach 60 Minuten als Schaukampf.

Bayern lag dank der Tore von Toni Kroos und Thomas Müller klar vorn, die "Knappen" steckten auf, die müden Beine nach dem Champions-League-Sieg in Piräus taten ein übriges.

Kroos genießt Glücksträhne

"Ich komme im Moment in die Abschlussaktionen, es läuft ganz gut", sagte Kroos im Gespräch mit SPORT1.

Gegen Stuttgart, gegen Valencia und jetzt auf Schalke traf der Nationalspieler, der wie der Rest des Teams besonders angestachelt wirkt.

"Die Mannschaft ist gierig und will etwas zeigen, zwei Jahre ohne Titel sind kein gutes Gefühl", sagte Teamkollege Robben.

Als einziger Bayer bekam er den Schalker Frust ab, Christian Fuchs und Jefferson Farfan stiegen hart gegen den Niederländer ein und sahen Gelb.

Neuer lässt Pfiffe abprallen

Robben verschmerzt das ebenso wie der Ex-Schalker Manuel Keeper abgebrüht mit den heftigen Pfiffen gegen ihn umging.

"Ich habe es registriert, aber ich musste ja trotzdem meinen Job erledigen", sagte er knapp.

Und im Bauch der Arena - weitab vom wütenden Teil der Schalker Fans - gab es eh schon wieder einige Hände, die Neuer zu schütteln hatte.

FCB-Rotation mit Feinheiten

Bei den Bayern läuft es im Moment einfach - die Rotation wirkt dabei wie eine zusätzliche Antriebsfeder.

"Du stehst immer unter Zugzwang, das ist eher motivierend als belastend", sagte Müller, gab aber auch zu:

"Es ist nicht immer leicht damit umzugehen, das ist für uns Spieler eine Situation, an die man sich gewöhnen muss."

Trainer Jupp Heynckes hatte Luiz Gustavo statt Martinez spielen lassen und klärte scherzend auf: "Der Substanzverlust in einer Saison ist groß. Und es kommt auch noch die Wiesn dazu."

Ernst fügte er dann an: "Jeder muss sein Ego zurückstellen und auch mal auf die Bank. Ich werde das so moderieren, damit es funktioniert."

"Waren zu passiv"

Die Schalker ärgerten sich derweil über sich selbst.

"Wir waren in der zweiten Halbzeit zu passiv", klagte Fuchs, der vor dem Spiel noch bei SPORT1 gefordert hatte: "Wir dürfen nicht in Ehrfurcht erstarren."

Doch das Gegenteil war über weite Strecken der Fall, was auch die Fans gewaltig nervte.

"Vielleicht waren wir nach dem ersten Gegentor zu schockiert, danach haben wir aufgehört Fußball zu spielen", gestand der Verteidiger selbstkritisch ein.

Huntelaar fordert mehr Kampfkraft

"In den Topspielen müssen wir verbessern, dass wir mehr Zugriff bekommen", analysierte Torjäger Klaas-Jan Huntelaar. "Dann können wir auch besser nach vorne spielen."

Er selbst blieb wie viele Teamkollegen blass, gegen Mainz soll das am Dienstag ganz anders werden.

"Nach dem 0:1 haben wir die Köpfe hängen gelassen - das darf nicht passieren!", schimpfte daher Trainer Huub Stevens, ergänzte aber:

"Die Bayern sind uns noch Jahre voraus."

Weiterlesen