Fortunas Nando Rafael (l.) traf in der Nachspielzeit nur die Querlatte © getty

Dank "Monster" Giefer im Tor hat Düsseldorf eine Abwehr aus Granit, doch der Sturm ist auch gegen Freiburg nur ein laues Lüftchen.

Düsseldorf - Norbert Meier ließ eine Fotografin in seine Lakritztüte greifen, dann schnorrte er bei seinem Pressesprecher "eine schnelle Zigarette".

Neben dem Platz also beherrscht Fortuna Düsseldorf sie noch, die Kunst des Gebens und Nehmens.

Aber auf dem Spielfeld sieht es anders aus:

Nullnummern gehen beim Aufsteiger in Serie - das 0:0 gegen den SC Freiburg war bereits das dritte nacheinander. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Sollte das Auswärtsspiel bei der SpVgg Greuther Fürth am Dienstag ebenfalls torlos enden, wäre die Fortuna alleiniger Bundesliga-Rekordhalter.

wäre

Die dreifache Doppelnull

Meier lachte herzlich, als er auf die "dreifache Doppelnull" angesprochen wurde.

"Die Null steht bei uns - und auf der anderen Seite auch immer", sagte der Trainer.

Damit hatte er die Stärke und das Problem seiner Mannschaft perfekt analysiert:

Hinten hui, vorne pfui

Eine Abwehr aus Granit lässt so gut wie nichts zu, ein Angriff, der zu selten seinen Namen verdient, erspielt sich kaum Chancen.

Die Null auf der falschen Seite will Meier rasch beseitigt sehen.

Und die Null auf der richtigen Seite der Anzeigetafel ist eine Tugend - eng verbunden mit dem Namen Fabian Giefer. 615118 (DIASHOW: Der 4. Spieltag)

Respekt vor "Monster" Giefer

"Wenn so ein Monster rauskommt, haben die Stürmer Respekt", sagte Mittelfeldspieler Oliver Fink über den 1,96 m großen Torhüter, der erneut riesig gehalten hatte.

Dabei hatte der 22-Jährige nach dem 0:0 beim VfB Stuttgart vergangene Woche noch beim Internetportal Facebook tief blicken lassen.

In seinen Kiefer, in dem eine erschreckende Wunde klaffte.

Aber, kein Problem: "Ich habe nur ein bisschen mehr Suppe gegessen als sonst", berichtete Giefer. "Ich war topfit."

Meier sagte breit grinsend, das sei schon okay, "solange er keine anderen Körperteile zeigt".

Hart im Nehmen

Fabian Giefer ist bekannt dafür, hart im Nehmen zu sein. Am 7. August 2011 hatte ihm eine schwere Gehirnerschütterung, erlitten beim 0:2 seines damaligen Klubs Bayer Leverkusen beim FSV Mainz 05, einen Knacks verpasst.

Giefer litt sogar unter Gedächtnisverlust, konnte lange nicht spielen. Erst bei der Fortuna kann er nun wirklich zeigen, was in ihm steckt.

Zu tun gibt es jedenfalls genug.

"Es wird keine Normalität einkehren. Wir sind immer der Underdog", sagte Giefer nach dem wahrlich unansehnlichen Spiel gegen Freiburg.

"Doch wenn wir hier den Lucky Punch setzen, gehen wir alle lächelnd vom Platz."

Rafael fehlen Zentimeter

Für den Knockout in letzter Sekunde hatten nur Zentimeter gefehlt: Nando Rafael spitzelte eine Flanke in der Nachspielzeit gegen die Querlatte.

"Ich bin der Matchwinner, wenn ich den mache", sagte Rafael enttäuscht, man müsse "das Ding nun mal reintun".

Doch das Tor scheint wie vernagelt, auch sein blauer Schuh, verziert mit dem Namen seiner Frau Laura, brachte kein Glück.

So ist die Fortuna ungeschlagen, aber ohne Schlagkraft.

Streich: "Gwonne hätt mer scho lieber"

Das hätte dem SC Freiburg auch gerade noch gefehlt.

"Dann verlieren wir, obwohl die nur ein halbes Mal aufs Tor geschossen haben", sagte Torhüter Oliver Baumann, danach korrigierte er sich flugs: "Okay, ein ganzes Mal."

Sein Trainer Christian Streich, ein Freund des Dialekts, fasste das Spiel in einem Satz zusammen: "Aber gwonne hätt mer scho lieber."

Da schloss sich Norbert Meier einfach nur noch an.

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