Jürgen Klopp (M.) ist seit 2008 Cheftrainer von Borussia Dortmund © getty

Dortmunds Coach reagiert nach der überraschenden Pleite beim Hamburger SV angefressen. Auch Hummels ärgert sich bei SPORT1.

Von Eric Böhm und Jürgen Blöhs

München/Hamburg - Während die Hamburger auf dem Platz ausgelassen jubelten, schlichen die Dortmunder mit hängenden Köpfen vom Platz.

Besonders an Mats Hummels schien das ungewohnte Gefühl der Niederlage die Laune zu verhageln.

"Das ist ärgerlich, die Fehler vorm 0:1 und 1:3, das darf einfach nicht passieren", sagte der Nationalspieler zu SPORT1:

"Und vorn haben wir zu viele Chancen ausgelassen. Gefühlt hatten wir 14:3 Torchancen. Das Spiel hätten wir auch trotz der drei Gegentore gewinnen müssen."

Am Ende hieß es aber 3:2 für den HSV (Spielbericht), in einer für neutrale Zuschauer extrem attraktiven Partie endete die 31 Spiele andauernde BVB-Serie ohne Niederlage in der Bundesliga.

Anfangsphase ärgert Coach

Trainer Jürgen Klopp wollte ob der groben Abwehrpatzer und fahrlässig vergebenen Großchancen nicht zur Tagesordnung übergehen 615118 (DIASHOW: Der 4. Spieltag) .

"Anfangs war es richtig scheiße. Wenn man so lange so erfolgreich war wie wir, kann ich mich nicht hinstellen und die Dinge so kritisieren, wie man sie eigentlich kritisieren müsste", echauffierte sich der Trainer.

Dabei störte den geladenen Coach nicht so sehr die erste Niederlage seit einer gefühlten Ewigkeit an sich, sondern vielmehr die Art und Weise.

"Wir waren heute weit neben dem, was wir können. Das erste Gegentor passte zur Anfangsphase. Wir haben trotzdem über 90 Minuten das Spiel bestimmt, aber über 90 Minuten auch nie gut verteidigt", analysierte der 45-Jährige gegenüber LIGA total!.

Folgen der Champions League?

Nach dem kräfteraubenden Anrennen in der Champions League gegen Ajax Amsterdam schien seinem Team von Beginn die mentale und körperliche Frische zu fehlen.

Die bis dato letzte Niederlage gab es im Übrigen fast auf den Tag genau vor einem Jahr in Hannover - auch damals war es das erste Spiel nach dem Auftakt der "Königsklasse".

"Die Champions League darf keine Ausrede sein", sagte Sebastian Kehl zu SPORT1: "Schon gar nicht so früh in der Saison."

Doch unerklärliche Aussetzer der Innenverteidiger Hummels und Neven Subotic wechselten sich mit reihenweise versemmelten Tormöglichkeiten ab.

BVB hadert mit der schwachen Chancenverwertung

"Wenn wir unsere Chancen genutzt hätten, hätten wir 5:3 gewonnen. Ich glaube, wir hatten 26 Torschüsse, davon waren gefühlte 20 hundertprozentige Möglichkeiten", haderte Klopp.

Die tapfer kämpfenden Hamburger lieferten zwar ihre beste Saisonleistung ab, für den Ausgang waren aber fast ausschließlich die Unzulänglichkeiten des BVB verantwortlich.

"Wir haben für unsere Verhältnisse zu viele Fehler gemacht", ärgerte sich Kehl.

Da half am Ende auch Klopps glückliches Händchen mit Doppel-Torschütze Ivan Perisic nicht.

HSV bleibt Bundesliga-Rekordhalter

Der Rückstand auf den großen Rivalen Bayern München wuchs auf fünf Zähler an, und der Bundesliga-Rekord für Partien ohne Niederlage bleibt mit 36 Spielen beim HSV (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"Das wir höchstpersönlich dafür sorgen, dass die Serie im Haus bleibt, passt zu diesem Tag", freute sich deren überragender Keeper Rene Adler.

Dass der langersehnte erste Saisonsieg reichlich glücklich zustande kam, störte beim zuletzt arg wackelnden Liga-Dino niemanden.

"Mein erstes Heimspiel, eine ganz schwierige Situation und dann so zu gewinnen - das ist ein traumhaftes Gefühl", sagte HSV-Star Rafael van der Vaart.:

"Wir wollten zeigen, dass wir eine Mannschaft sind. Wir haben Leidenschaft gezeigt - für unser Gefühl haben wir die Punkte verdient."

Fink atmet auf

Nach seiner Vorarbeit zum 1:0 trat der Niederländer jedoch etwas in den Hintergrund.

Die Teamkollegen um den überragenden zweimaligen Torschützen Heung Min Son steigerten sich an seiner Seite.

Mit ihrem Überraschungssieg vermieden die Gastgeber auch den historischen Negativstart von vier Pleiten hintereinander.

"In diesem Spiel hatten wir nichts zu verlieren. Wir haben Dortmund am Anfang auf dem falschen Fuß erwischt. Wir haben effektiv gespielt und sind froh, dass wir jetzt erst einmal Ruhe haben", atmete HSV-Trainer Thorsten Fink durch.

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