Eintracht Frankfurt über alles: Ausgelassene Freude nach dem Sieg beim Club © getty

Mit schnörkellosem Offensivfußball stürmt Frankfurt die Spitze. Club-Coach Hecking verteidigt seinen Ausraster.

Nürnberg - Bruno Hübner grinste breit, als er über seine unangenehme Begegnung mit Dieter Hecking sprach.

Dass der Trainer des 1. FC Nürnberg den Manager von Eintracht Frankfurt nur Minuten zuvor angebrüllt und vor die Brust gestoßen hatte, war Hübner nicht anzumerken.

"Ein Lächeln ist erlaubt", sagte Hübner - und meinte gar nicht die in der Tat komische Aktion von Hecking, sondern die Lage der SGE.

Vier Spiele, vier Siege, Platz eins: So gut war Frankfurt, so gut war noch nie ein Aufsteiger in eine Bundesliga-Saison gestartet. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Da konnte Hübner auch den Zwischenfall unmittelbar nach dem 2:1-Sieg in Franken (Bericht) buchstäblich verschmerzen. "Wir trinken noch einen, dann ist das vergessen", sagte er über Hecking. 615118 (DIASHOW: Der 4. Spieltag)

Dieser hatte sich über manche Entscheidung des Schiedsrichters echauffiert - und war darüber mit Hübner aneinandergeraten.

"Das ist ein Männersport, wir spielen ja kein Basketball", sagte er. Später, in der Kabine, entschuldigte sich Hecking bei Hübner.

"Eigendynamik des Erfolgs"

Ein Bier war zur Versöhnung gar nicht nötig, das gönnte sich der Frankfurter Vorstandsboss Heribert Bruchhagen im VIP-Bereich.

Noch vor zwei Jahren habe der Klub "eine Eigendynamik des Misserfolgs erleben müssen", sagte er über den Abstieg unter Christoph Daum, der an diesem Abend eine Ewigkeit weit weg schien.

"Jetzt haben wir eine Eigendynamik des Erfolgs. Das ist völlig unerwartet und besonders." Aber kein Zufall, das war in Nürnberg erneut zu sehen.

Schnörkelloser, direkter Stil

Die Mannschaft von Trainer Armin Veh pflegt einen schnörkellosen, direkten Stil, den man altertümlich nennen könnte, der allerdings zu diesem Team passt - und es erfolgreich macht.

"Es hat sich eine Mannschaft herausgebildet, die den Mut hat, nach vorne zu spielen", sagte Bruchhagen.

Diese Mannschaft ließ Veh zum vierten Mal unverändert beginnen. In ihr stehen sieben Neuzugänge, die sich alle gut eingepasst haben, wie Bruchhagen stolz feststellte.

Dienstag kommt der Meister

Am Dienstag, wenn Meister Borussia Dortmund nach Frankfurt kommt, muss Veh aber wohl umstellen. Kapitän Pirmin Schwegler zog sich bei einem Zusammenprall mit Hanno Balitsch eine Platzwunde an der Stirn zu, die im Krankenhaus genäht werden musste.

Stürmer Olivier Occean erlitt eine Zerrung im rechten Oberschenkel. "Sie werden beide nicht dabei sein", sagte Bruchhagen. Trotzdem: "Entspannter kann man nicht in ein Bundesliga-Spiel gehen."

Gelassenheit durch sehr gute Bank

Diese Gelassenheit hängt auch mit der Gewissheit zusammen, dass Frankfurt eine sehr gute Bank hat. In Nürnberg kam Martin Lanig für Schwegler - und spielte gut. Occean wurde von Erwin Hoffer ersetzt, der das 1:0 erzielte (25.).

"Wir haben einen großen, sehr breiten Kader. Jeder kann jeden ersetzen. Jeder ist 100 Prozent da - ob er von der Bank kommt oder von Beginn an spielt. Das macht uns stark", sagte Hoffer.

Das 2:0 vor 45.033 Zuschauern erzielte der erneut gut aufgelegte Takashi Inui (60.); die schlampig konternde Eintracht konnte sich sogar das Gegentor von Sebastian Polter (76.) leisten.

Veh würde den Hut ziehen

"Wenn ich einen Hut auf hätte, würde ich ihn ziehen", sagte Veh über seine Mannschaft, "aber wenn's läuft, dann läuft's, nä?" Hübner meinte, Frankfurt genieße die sonnige Lage und die "Spitzenreiter"- oder "Europacup"-Sprechchöre der Fans.

"Aber wir wissen genau, wo wir hingehören und wofür die Punkte sind." Für den Kampf gegen den Abstieg nämlich. Auch Bruchhagen mahnte, die Dinge "mit Augenmaß" zu bewerten.

Die SGE habe auch wieder ein bisschen Glück gehabt.

"Darüber habe ich mich das ganze Spiel aufgeregt"

Damit kam er auf jene Szenen zu sprechen, die Hecking auf die Palme gebracht hatten. Frankfurts Verteidiger Carlos Zambrano etwa hätte Gelb-Rot sehen müssen. "Darüber habe ich mich das ganze Spiel aufgeregt", schimpfte Hecking.

Außerdem wäre ein Handelfmeter bei einem Rettungsversuch von Inui vertretbar gewesen. "Aber wir dürfen nicht alles am Schiedsrichter aufhängen", betonte Hanno Balitsch.

Denn Nürnberg offenbarte Schwächen, verlor letztlich verdient. "Der letzte genaue Pass hat gefehlt, wir müssen fußballerisch noch zulegen, nicht nur defensiv sauber arbeiten", monierte Hecking.

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