Martin Bader (r.) holte Dieter Hecking im Dezember 2009 als Trainer nach Nürnberg © imago

Vor dem Spiel gegen Frankfurt spricht Nürnbergs Manager Martin Bader über den Höhenflug des FCN und das Verhältnis zum Trainer.

Von Reinhard Franke

München - Er wurde anfangs belächelt. Doch Martin Bader hat sich durchgesetzt in der Liga - wie sein Klub, der 1. FC Nürnberg.

Ausgerechnet der Bruder des erfolgreichsten deutschen Fußball-Managers Uli Hoeneß, nämlich Dieter Hoeneß verhalf Bader einst bei Hertha BSC Berlin zu seinem Karrierestart.

Seit acht Jahren ist Bader nun Sportchef in Nürnberg, seit Oktober 2010 ist der 44-Jährige einer der beiden Vorstände des Vereins.

Sein wohl größter Coup: die Verpflichtung von Trainer Dieter Hecking. Unter ihm läuft es rund. Am Abend kann der Club mit einem Sieg gegen Frankfurt (ab 20 Uhr im LIVE-TICKER) die Bayern gar als Tabellenführer ablösen.

Vor dem Duell mit der Eintracht spricht Bader bei SPORT1 über den Erfolg des FCN, die Philosophie im Verein und sein Verhältnis zu Hecking.

SPORT1: Herr Bader, sieben Punkte aus drei Spielen, davon zwei Auswärtssiege. Hätten Sie damit gerechnet?

Martin Bader: Es wäre vermessen zu sagen, dass wir mit so einem Start gerechnet hätten. Wir sind natürlich sehr zufrieden und freuen uns, dass sich viele Dinge aus der Vorbereitung jetzt im Ergebnis widerspiegeln. Es ist keine Bestätigung, aber eine schöne Momentaufnahme, die uns wenige zugetraut hätten und mit der wir auch selbst nicht gerechnet haben. Fußball ist nun mal nicht planbar und es ist schön, dass der 1. FC Nürnberg eine positive Überraschung ist.

SPORT1: Seit Trainer Dieter Hecking im Dezember 2009 kam, geht es stetig bergauf beim Club und das Thema ist nicht mehr nur Abstiegskampf. Warum macht man weiter in Understatement?

Bader: Ich glaube, dass wir schon immer authentisch waren und bleiben wollen. Authentizität ist bei uns geprägt von Kontinuität und Seriosität. Ich habe von Trainern nie verlangt, dass wir mit großen Sprüchen Dinge erreichen können, sondern nur mit täglicher Arbeit. Wir besetzen eine Nische und können nicht mit großen Transfers tätigen, sondern müssen im stillen Kämmerlein anders an diese Dinge rangehen. Warum also sollten wir unsere Arbeit mit Sprüchen belegen? Ich freue mich einfach, dass Dieter Hecking den Zuspruch bekommt, den er verdient. Er leistet seit Jahren tolle Arbeit beim Club und unsere Philosophie zahlt sich aus. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

SPORT1: Wie lautet diese Philosophie?

Bader: Unsere Philosophie ist, auf junge Spieler zu setzen, auf Jungs zu setzen, die bisher kaum jemand kannte. Das zeichnet uns in den letzten Jahren aus. Wir haben Spieler geholt, wo man nicht wusste, wie das ausgeht. Namen wie Wollscheid, Chandler oder jetzt auch Kiyotake belegen das. Das sind Dinge, die uns auszeichnen. Schlagzeilen haben noch nie Punkte gebracht. Wir wollen einfach stabil Bundesliga spielen und alles dafür tun, dass es auch so bleibt.

SPORT1: Sie sprechen von einer Nische. Welche besetzt der Club?

Bader: Wir sind schon in einer attraktiven Nische. Wir sind in einer Tabellenregion, in der viele Vereine wie Köln oder Hertha BSC gerne wären. Wir haben immer gesagt, dass wir uns nicht zwingend an eine Platzierung klammern wollen nach dem Motto Platz 12 schlechter Club, Platz neun guter Club. Der Club ist grundsätzlich ein guter Verein. Die Facetten dieses Vereins gilt es zu optimieren.

SPORT1: Welche Facetten?

Bader: Wir wollen noch mehr Junioren-Nationalspieler haben. Wir haben nach dem VfB Stuttgart die zweitmeisten von der U 15 bis zur U 21, wollen noch näher an den VfB rankommen. Wir wollen noch mehr Zuschauer im Stadion begrüßen, noch mehr Fanklubs und mehr Mitglieder haben, unsere Infrastruktur weiter verbessern. Wir wollen zudem, dass sich weiter Spieler bei uns entwickeln, die große Fußstapfen hinterlassen. Diese kleinen Schritte werden am Ende eine gute Platzierung ausmachen. Wenn nicht, reicht es dennoch in der Bundesliga seine Daseinsberechtigung zu haben, damit alle Fans weiter stolz sind auf den Club.

SPORT1: Und wenn der Club mit einem Sieg Erster wird, hängen Sie sich die Tabelle auf?

Bader: Das würden wir nicht tun. Wir waren 2006 nach dem dritten Spieltag schon mal Erster. Wir schneiden die Tabelle auch nicht aus, wenn wir Letzter sind. Die Fans können träumen, aber wir handelnden Personen müssen damit vernünftig umgehen. Wir freuen uns auch über einen Punkt gegen Frankfurt. Kaiserslautern würde gerne mit uns tauschen, die wurden vor zwei Jahren Siebter. Haben die sich die Tabelle ausgeschnitten? Nein.

SPORT1: Ist Dieter Hecking der perfekte Trainer für den Club?

Bader: Ich bin über acht Jahre in der Verantwortung und habe fünf Trainer erlebt. Aktuell ist Dieter Hecking der perfekte Trainer, weil er das verkörpert, was den Verein ausmacht. Er bedient sich der perfekten Ressourcen des Vereins, angefangen beim Trainerteam. Wir haben eine Wellenlänge, wir kriegen uns aber auch richtig in die Wolle. Diese Reibung ist auf einer freundschaftlichen Basis. Und das muss auch so sein. Das Zusammenspiel bei uns passt. Ich war schon immer von ihm überzeugt.

SPORT1: Sind Sie Freunde?

Bader: (lacht) Wenn man sich schon lange auch privat kennt, ist das schon so. Ich fahre nicht mit ihm in Urlaub. Wobei das auch funktionieren würde.

SPORT1: Gegen die Eintracht geht es um Platz eins. Das hätte keiner vor der Saison von dieser Partie gedacht.

Bader: Es ist ein tolles Traditions-Duell. Es ist eine schöne Sache, dass Nürnberg gegen Frankfurt auch mal ein Spitzenspiel ist. Das haben beide Vereine und die Fans nach harten Zeiten verdient. Geschenkt wird sich nichts, beide sind gut drauf und es entscheiden Nuancen. Es wird ein schöner Abend. Alle Club-Fans sollen stolz nach Hause gehen, auch, wenn wir erst in der 89. Minute den Ausgleich machen. Aber ich vertraue unserer Mannschaft, dass wir den tollen Lauf fortsetzen und als Sieger vom Platz gehen.

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