Sebastian Kehl ist Kapitän von Borussia Dortmund
Dortmunds Sebastian Kehl (l.) trifft auf den HSV und Rafael van der Vaart © getty

Bei SPORT1 spricht Dortmunds Sebastian Kehl über das Spiel gegen den HSV, dessen Hoffnungsbringer und eine Rekord-Jagd.

Von Thorsten Langenbahn

Dortmund - Bayer Leverkusen geputzt, Champions-League-Fluch besiegt (Bericht) - für den Double-Sieger Borussia Dortmund läuft's rund.

Am vierten Bundesliga-Spieltag will der Tabellenfünfte nun beim Vorletzten Hamburger SV (ab 15.30 Uhr im LIVE-TICKER) seine Serie fortsetzen und den Uralt-Rekord des HSV brechen.

36 Spiele war der Bundesliga-Dino Anfang der achtziger Jahre ungeschlagen.

Dem BVB fehlen noch fünf Spiele ohne Niederlage, um diese Bestmarke im Revierderby gegen Schalke am 20. Oktober vor eigenem Publikum einzustellen.

Kehl heiß auf Uralt-Rekord

"Die Möglichkeit besteht - und wir wollen sie natürlich nutzen", sagt BVB-Kapitän Sebastian Kehl über die Rekordjagd.

Allerdings: Gegen Hamburg dürfe sich sein Team nicht allein auf Rafael van der Vaart konzentrieren, fordert der defensive Mittelfeld- und ehemalige Nationalspieler.

Im SPORT1-Interview spricht der 32-Jährige außerdem über den gelungenen Champions-League-Start, das Duo Götze/Reus und Jürgen Klopp als möglichen Bundestrainer.

Ajax-Sieg ohne Aussagekraft

SPORT1: Herr Kehl, welche Bedeutung hat es für den BVB, einen weiteren Rekord zu brechen und die Serie des HSV von 36 ungeschlagenen Spielen zu überflügeln?

Sebastian Kehl: Wir haben in der letzten Saison etliche Rekorde geknackt. Es wäre schön, wenn wir noch weitere fünf Spiele nicht verlieren würden, am liebsten sogar gewinnen, um die Serie des HSV aus uralten Zeiten auch noch zu brechen.

SPORT1: Welchen Stellenwert hat das 1:0 gegen Ajax Amsterdam Anfang dieser Woche zum Auftakt in der Champions League? ( 614083 DIASHOW: Die Bilder des Spiels )

Kehl: Wir haben lange darauf hingearbeitet, in der letzten Saison viel Kritik einstecken müssen und deswegen waren wir alle erleichtert, dass wir endlich mal einen Dreier holen konnten und einen guten Starten hingelegt haben. Für die Bundesliga hat das keine hohe Aussagekraft.

[kaltura id="0_euq64i59" class="full_size" title="BVB-Reaktionen: Ajax immer gefährlich"]

SPORT1: Wie schwierig ist das Umschalten von Champions League auf Bundesliga?

Kehl: Das ist gar nicht schwierig und ist uns auch in der letzten Saison nicht schwergefallen. Mit sieben Punkten sind wir in der Bundesliga ganz gut dabei, aber wir wissen, dass es ein wahnsinnig schweres Spiel wird am Wochenende. Der HSV steht mit dem Rücken zur Wand, hat enorme Probleme. Sie werden versuchen, zu Hause endlich den Bock umzustoßen - mit Rafael van der Vaart und vielleicht auch einigen Umstellungen. Wir sind gewarnt.

SPORT1: Ist van der Vaart die erhoffte Führungsfigur, die der HSV auf dem Platz gebraucht hat? (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Kehl: Er ist schon jetzt die Symbolfigur, die für einen Aufschwung beim HSV steht. Aus meiner Erfahrung weiß ich aber auch, dass ein Spieler von heute auf morgen nicht alles zum Besseren verändern kann. Er wird eine große Qualität ins HSV-Spiel bringen, aber ihm jetzt alle Last aufzuladen, wäre der falsche Ansatz. Natürlich passen wir auf van der Vaart auf, wissen aber auch, dass der HSV noch andere gute Spieler hat.

SPORT1: Van der Vaart spielt in einer Region des Spielfeldes, in der auch Sie unterwegs sind. Es ist auch nicht Ihr erstes Duell mit dem Niederländer. Was zeichnet Ihn aus?

Kehl: Er ist ein unglaublich technisch begabter Spieler, den man unter Druck setzen und stören muss. Aber wie gesagt: Wir fokussieren uns nicht auf Rafael van der Vaart. Wir wissen, dass der HSV gerade in der jetzigen Situation gefährlich ist. Aber wir sind gewappnet und haben das Potenzial, ihn zu schlagen.

SPORT1: Gegen Ajax standen Mario Götze und Marco Reus erstmals gemeinsam in der Startelf. Wie hat es aus Ihrer Sicht funktioniert und erwarten Sie die beiden wieder von Beginn an?

Kehl: Ich weiß nicht, was der Trainer vorhat und welche taktische Formation er wählt. Grundsätzlich sind beide schon sehr offensiv ausgerichtet. Aber gegen Ajax hat das sehr gut funktioniert. Wir hatten viel Tempo und Qualität nach vorne, das hat uns sehr gut getan. Ob das von der Position immer so sein wird, dass Mario in der Mitte spielt oder vielleicht auch Marco mal in der Mitte und Mario mehr über außen, das wird man abwarten müssen. Insgesamt haben wir in der Offensive so viel Qualität - auch mit den Leuten, die auf der Bank sitzen -, dass mir nicht bange ist.

SPORT1: Spielt es für Sie auf der Sechserposition eine Rolle, ob Sie mit Ilkay Gündogan oder an der Seite von Sven Bender spielen?

Kehl: Auch da haben wir eine enorme Qualität. Wir haben viele Spiele in den nächsten Monaten, da wird der Trainer immer mal wieder rotieren. Das ist auch okay und gehört dazu. Frische ist im Fußball absolut notwendig.

SPORT1: Apropos Trainer: Jürgen Klopp hat gesagt, er könnte sich irgendwann einmal vorstellen, den Job als Bundestrainer zu übernehmen. Realistisch?

Kehl: Natürlich kann ich mir vorstellen, dass unser Trainer irgendwann einmal den Posten des Bundestrainers übernimmt. Trotz alledem glaube ich, dass Jogi Löw das sehr gut macht und die Personalie jetzt im Moment überhaupt nicht zur Diskussion steht. Ich glaube auch, dass Jürgen Klopp sich in Dortmund sehr wohl fühlt und wir hier hoffentlich noch ein paar Jahre erfolgreich arbeiten können.

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