Pirmin Schwegler (r.) absolvierte in seiner Karriere bislang 106 Bundesliga-Spiele © getty

Der beste Saisonstart seit Jahrzehnten sorgt in Frankfurt für Euphorie. Die offensive Spielweise begeistert, birgt aber Risiken.

Aus Frankfurt berichtet Christian Stüwe

Frankfurt - Trainer Armin Veh hatte in den vergangenen Monaten immer wieder betont, dass die Eintracht eine eigene, neue Identität brauche.

Jung, frech und offensiv waren die Attribute, die dem Frankfurter Coach vorschwebten, wenn er über das erhoffte Auftreten des Aufsteigers in der Bundesliga sprach.

Nun sind die ersten drei Spieltagen gespielt und es ist noch zu früh für ein Zwischenfazit, doch Vehs Plan scheint aufgegangen zu sein (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Bester Saisonstart seit 1966

Alle drei Partien wurden gewonnen, durch das 3:2 gegen den Hamburger SV am Sonntag (NACHBERICHT: Frankfurt - HSV 3:2) sicherten sich die Hessen den besten Saisonstart seit der Spielzeit 1966/67 und begeisterten die Fans mit Angriffsfußball von der ersten bis zur letzten Minute.

"Wir werden weiter offensiven Fußball spielen", sagte Manager Bruno Hübner im Gespräch mit SPORT1:

"Eine Führung zu verteidigen oder zu mauern, das ist nicht unser Spiel."

"Vielleicht sind wir manchmal zu leichtsinnig"

Gegen Hamburg rettete der überragende Torwart Kevin Trapp allerdings in der Schlussphase mehrfach in höchster Not, da die Eintracht trotz Führung weiter offensiv spielte und die Gäste zu Kontern einlud.

"Vielleicht sind wir manchmal zu leichtsinnig oder zu gutgläubig", erklärte Hübner: "Aber das ist unsere Spielweise und die legen wir nicht ab."

Begeisterung bei den Fans

In Frankfurt kommt die neue Eintracht jedenfalls an. Die Fans feiern die Mannschaft und träumen bereits vom Europapokal.

Vehs Reaktion auf die Begeisterung ist für Frankfurter Verhältnisse ebenfalls neu.

"Warum soll ich etwas bremsen? Wir müssen das auskosten", sagte der 51 Jahre alte Coach, dessen Vorgänger immer darum bemüht waren, das Umfeld auf dem Teppich zu halten.

[kaltura id="0_46xv5xkf" class="full_size" title="Eintracht ist Bayern J ger Nummer 1"]

Neuzugänge schlagen ein

Besonders freuen dürfte Veh, dass die Neuzugänge großen Anteil am momentanen Erfolg haben.

Stefan Aigner und Martin Lanig erzielten je zwei Treffer, Takashi Inui und Olivier Occean steuerten jeweils ein Tor zu den neun Saisontreffern der Eintracht bei.

Linksverteidiger Bastian Oczipka wurde auf Anhieb zum Leistungsträger, genau wie Keeper Trapp.

Alle Spieler waren verhältnismäßig günstig, sind technisch versiert, mit Ausnahme von Occean jung und passen somit zu dem von Veh und Hübner erdachten Anforderungsprofil.

Die Juwelen aus der Zweiten Liga

"Wir haben uns die Juwelen aus der Zweiten Liga ausgesucht, ich habe diese Spielklasse ja ein Jahr lang richtig gut kennengelernt", erklärte Veh.

"Man hat eine Idee im Kopf und hofft, dass das ein Stück weit greift", sagte Hübner: "Und im Moment ist es eben so."

Gipfel der Überraschungsteams

Schon am Freitag reist die Eintracht zum Duell der Überraschungsmannschaften nach Nürnberg, dem Sieger winkt zumindest über Nacht die Tabellenspitze.

"Wir werden nicht übermütig", versprach Mittelfeldspieler Sebastian Rode trotz dieser Aussichten.

Denn dazu hat die Eintracht trotz des beeindruckenden Starts keinen Grund. Die Schattenseiten des Offensiv-Spektakels wurden nicht nur bei den Gegentoren durch den HSV deutlich.

Kaum vier Wochen ist es her, als die Eintracht in der ersten Runde des DFB-Pokals bei Zweitligist Aue ausschied.

"Wir werden auch mal 3:4 verlieren", erklärte Veh.

Eine Portion kalkulierter Leichtsinn gehört also offenbar auch zur neuen Identität der Hessen.

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