Rafael van der Vaart spielte in Frankfurt erstmals seit vier Jahren wieder in der Bundesliga © getty

Rafael van der Vaarts Debüt verläuft ernüchternd. Der Niederländer sieht noch viel Arbeit, Torhüter Adler platzt der Kragen.

Von Andreas Kloo und Sven-Arne Görn

München/Hamburg - Die nackten Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Drei Spiele, null Punkte, Platz 17 stehen für den HSV zu Buche.

Doch die Einschätzungen der Hamburger nach der 2:3-Pleite in Frankfurt gingen weit auseinander. (BERICHT: Nur van der Vaart macht Hofnung)

Sportdirektor Frank Arnesen war der Meinung: "Wir sind drei Schritte weiter." Rückkehrer Rafael van der Vaart gestand ein: "Wir haben noch einen weiten Weg."

Und Torhüter Rene Adler sah - was die Abwehrleistung angeht - überhaupt keine Fortschritte.

Adler moniert Abwehrfehler

"Das zieht sich wie ein roter Faden bei uns durch", klagte der frühere Nationalkeeper. "Irgendwann müssen wir mal lernen, am Mann zu bleiben und die Bälle wegzuhauen."

Beim 0:1 köpfte Jeffrey Bruma unfreiwillig Heung-Min Son an, so dass der Ball Torschütze Takashi Inui direkt in den Lauf prallte.

Noch mehr ärgerte Adler aber das zweite Gegentor durch Oliver Occean in der 18.Minute. Seine Vorderleute sahen dabei tatenlos zu, wie der Ball in den Fünfmeterraum rauschte.

Frankfurts Angreifer musste nur noch den Fuß hinhalten. Auf ähnliche Weise war der Gegentreffer beim 0:1 gegen Nürnberg gefallen.

Seeler sorgt sich

"Standard-Gegentore sind tödlich, irgendwann müssen wir es lernen", legte Adler deshalb den Finger in die Wunde. 613387 (DIASHOW: Die Tops und Flops des 3. Spieltags)

Und fügte eine alte Fußball-Weisheit hinzu: "Schließlich ist ja bekannt, dass die Spiele in der Abwehr gewonnen werden, nicht im Angriff."

Auch HSV-Legende Uwe Seeler blieben die Defensivprobleme nicht verborgen: "Da ist noch Holland in Not. Das ist noch keine intakte Mansnchaft. Man kann nicht vier, fünf Meter vom Mann wegstehen", kritisiert der DFB-Ehrenspielführer bei SPORT1 das Team.

Seeler macht sich Sorgen um seinen HSV: "Es wird immer kritischer. Wenn man immer verliert, dann verliert die Mannschaft an Sicherheit."

Trugschluss Van der Vaart

Auch mit van der Vaart werden die Hamburger Sorgen nicht kleiner.

"Zu glauben, dass mit Rafael van der Vaart alles gut wird, ist ein großer Trugschluss. Er nimmt sicher etwas Druck von den Kollegen, aber er braucht auch die entsprechenden Mitspieler", hält SPORT1-Kolumnist Thomas Berthold fest.

Nächster Gegner Dortmund

Ob sich die Lage bei den Norddeutschen schnell bessern wird, bezweifelt nicht nur van der Vaart.

Am Samstag kommt der Deutsche Meister Borussia Dortmund in die Hansestadt. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Dem Niederländer schwant bereits Böses: "Wenn wir gegen Dortmund so wie am Anfang spielen, kriegen wir mindestens drei Tore."

Fink muss umbauen

Nicht von Vorteil ist es dabei, dass Fink gegen den BVB seine Defensivabteilung erneut umbauen muss.

Neuzugang Petr Jiracek ist nach seiner Roten Karte gesperrt, fehlt also im defensiven zentralen Mittelfeld. Gut möglich, dass auch Innenverteidiger Michael Mancienne am Samstag auf der Bank Platz nehmen muss.

In Frankfurt hatte Fink den Engländer nach seiner desolaten Vorstellung nach 37 Minuten vom Feld genommen.

Historischer Fehlstart droht

Bei einer erneuten Niederlage wäre der schlechteste HSV-Saisonstart seit 40 Jahren amtlich. Zuletzt verloren die Hamburger 1972 die ersten vier Spiele der Saison.

Und nach dem Spiel gegen den BVB warten mit den Europacup-Teilnehmern Mönchengladbach und Hannover auch keine leichten Gegner.

Bei weiteren Niederlagen droht vor allem Fink Ungemach.

Der Druck auf den Coach ist ohnehin schon gestiegen. Wegen der 23 Millionen Euro teuren Nachverpflichtungen gebe es nun keine Alibis mehr, verlautete zuletzt aus der Klubspitze.

Fink sieht andere Elf

Fink bemüht sich dennoch, Optimismus zu verbreiten.

"Warum sollen wir nicht schon gegen Dortmund überraschen?", fragt er. Er sieht die Wende zum Positiven bereits eingeläutet: "Es ist eine andere Elf als vor ein paar Wochen."

Die Moral ist bei den Hamburgern tatsächlich intakt. Trotz Unterzahl gab sich der HSV auch nach dem 1:3 nicht auf.

Kampfgeist werden die Hanseaten auch in den nächsten Wochen brauchen, um den von van der Vaart genannten weiten Weg zu gehen.

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