Thomas Berthold glaubt, dass die Meisterschaft wieder zu einem Zweikampf wird. Bei drei Teams drohen Trainer-Diskussionen.

Hallo Fußball-Freunde,

auch wenn Dortmund und der FC Bayern am Samstag gezeigt haben, warum das Titelrennen auch in diesem Jahr ein Zweikampf werden wird - die beeindruckendste Partie hat in Hannover stattgefunden.

Was für ein Nordderby: 2:0, 2:2, Bremen am Drücker und dann dieses Traumtor. Absoluter Wahnsinn!

Ärgerlich nur, dass Szabolcs Huszti dann für seine Freude bestraft wird und diesen unsinnigen Platzverweis kassiert. Diese Regel muss dringend überarbeitet werden, da geht es doch nur um positive Emotionen.

96 zeigt, dass es auf jeden Fall eine Rolle einnehmen kann, wie sie Gladbach vergangene Saison inne hatte. Die Mannschaft ist peu a peu verstärkt worden, zudem ist der Klub sehr gut aufgestellt, hat zwei Unternehmer in den Gesellschafterkreis aufgenommen. Hannover ist gerüstet, die muss man im Blick behalten.

In den Zweikampf um die Schale wird aber auch das Team von Mirko Slomka nicht eingreifen können. Ich sehe keine Mannschaft, die Dortmund und Bayern aufs ganze Jahr gesehen in Gefahr bringen kann, dafür sind die zu stark.

Richtig enttäuscht war ich von BVB-Gegner Leverkusen. Bayer hat große Ambitionen, aber das war ja gar nix! Kein Biss, kein Zweikampfverhalten, keine Gegenwehr - wenn die Leverkusener nicht aufpassen, wird es da schon bald wieder eine Trainerdiskussion geben.

Die droht, wenn es so weitergeht, auch in Hoffenheim und Hamburg.

Erschreckend bei Hoffenheim ist, was für eklatante Fehler Tim Wiese macht! Das ist sehr auffällig für einen Torhüter, der bis vor kurzem Deutschlands Nummer zwei war. Fast in jedem Spiel hat er ein, zwei Böcke drin. Der ganzen Mannschaft fehlt die Stabilität, in vier Pflichtspielen 15 Gegentore zu bekommen, ist der Wahnsinn.

Da fehlt es anscheinend völlig an Selbstvertrauen. Wenn die ein Treffer kassieren, brechen sie immer wieder ein. In Freiburg hat die Moral wenigstens gestimmt, aber fünf Gegentore sind einfach zu viel.

Wenn man sich den Hamburger Kader anschaut sieht man, dass es in jedem Mannschaftsteil noch große Baustellen gibt. Da fehlt auch die Klasse und die Qualität. Zu glauben, dass mit Rafael van der Vaart alles gut wird, ist ein großer Trugschluss. Er nimmt sicher etwas Druck von den Kollegen, aber er braucht auch die entsprechenden Mitspieler.

Jetzt geht es zuhause gegen Dortmund, dann nach Gladbach und gegen Hannover - das kann ja heiter werden. Im schlechtesten Fall steht der HSV bei der 125-Jahre-Feier Ende des Monats nach sechs Spieltagen mit null Punkten da.

Da wird das Gespräch dann auch irgendwann auf Thorsten Fink kommen.

Bis nächste WocheEuer Thomas Berthold

Thomas Berthold nahm als Spieler an drei Weltmeisterschaften teil und krönte seine Karriere mit dem WM-Titel 1990 in Italien. In der Bundesliga war er für Eintracht Frankfurt, den FC Bayern München und den VfB Stuttgart aktiv. Zudem lief er in der Serie A für Hellas Verona und AS Rom auf. Der ehemalige Manager von Fortuna Düsseldorf ist regelmäßig als LIGA total!-Experte im Einsatz und schreibt wöchentlich die Bundesliga-Kolumne für SPORT1.

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