Tim Wiese wechselte vor der Saison von Werder Bremen zu Hoffenheim © getty

Hoffenheims Keeper leitet mit seinen Fehlern die Pleite in Freiburg ein. Coach Babbel stört die Naivität seines Teams.

Von Barnabas Szoecs

Freiburg - Tim Wiese traf seine wohl beste Entscheidung des Wochenendes nach dem Abpfiff.

Wortlos und relativ zügig verzog sich Hoffenheims Keeper nach der 3:5-Pleite (Spielbericht) beim SC Freiburg in die Katakomben, jeder Kommentar seinerseits wäre wohl kaum sendefähig gewesen.

Der frühere Nationaltorhüter war bedient: von der desolaten Leistung seiner Abwehr, und von seinen eigenen Patzer. Zweimal patzte der Neuzugang in seiner Rolle als Führungsspieler entscheidend, unterlief Bälle und verschuldete so die Treffer von Fallou Diagne zum 3:2 und Cedric Makiadi zum 4:3 für Freiburg 612163 (DIASHOW: Der 3. Spieltag) .

Fast vier Gegentore pro Spiel

TSG-Trainer Markus Babbel nahm seinen Kapitän teilweise in Schutz, prangerte das Stellungsspiel der gesamten Abwehr an: "Kritik üben wir intern. Aber selbst wenn der Torwart mal nicht hinkommt, dürfen die Stürmer nicht so freistehen."

Doch genau das passiert beim einstigen Europa-League-Aspiranten mittlerweile permanent. In den bisherigen vier Pflichtspielen in DFB-Pokal und Bundesliga kassierten Wiese und Co. insgesamt 15 Gegentore, also stolze 3,75 Treffer pro Spiel (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"Fünf Gegentore sind definitiv zu viel. Sechs Tore auswärts zu schießen, ist nicht so einfach", sagte Babbel mit einer gehörigen Portion Ironie: "Wir machen zu viele einfache Fehler." Dennoch habe seine Mannschaft "gekämpft", fügte Babbel noch an, "und trotzdem wären wir fast wieder abgeschossen worden. Da müssen wir die Naivität abstellen, sonst wird es ganz schwierig."

Zu viele Fehler in der Defensive

Um seinen Job macht sich der 40-Jährige trotz der Krisensituation und der fehlenden Sicherheit innerhalb der Mannschaft aber keine Sorgen.

Gekämpft, aber nichts geholt. Eine Erkenntnis, die nicht nur auf Hoffenheim zutrifft, sondern auch auf Tim Wiese. Der 30-Jährige glänzte im Breisgau mit mehreren guten Paraden und bewahrte sein Team vor weiteren Toren. Pech nur, dass aufgrund seiner Fehler diese Glanztaten untergehen, denn am Ende zählt nur das Ergebnis - und wie es zustande kam.

So sah es auch 1899-Verteidiger Marvin Compper, der gegen Freiburg alles andere als souverän agierte: "Wir haben es Freiburg zu leicht gemacht, kriegen zu viele Gegentore und agieren im Zweikampf zu sorglos. Die Einstellung hat zwar gestimmt, doch wir machen es uns immer wieder durch unsere Fehler kaputt."

Babbel über Standards verärgert

Das Ergebnis dieser langen Fehlerkette ist Tabellenplatz 18 und die Erkenntnis, dass die Abwehr um den routinierten Matthieu Delpierre die größte Baustelle Babbels ist.

"Insbesondere bei Standardsituationen haben wir zweimal nicht gut ausgesehen", sagte der gefrustete Babbel: "Das sind Gegentore, die mich maßlos ärgern, weil wir klare Zuteilungen haben. Nach dem 5:3 darf man nicht mehr so aufmachen. Da hatten wir Glück, dass wir nicht noch mehr Tore kassiert haben."

Freiburg die Glücklicheren

Mit solchen Problemen müssen sich die Freiburger nach dem 1. Saisonsieg nicht auseinandersetzen. Platz 8 in der Tabelle und viel Moral im Team unterstreichen die Stärken des SC.

Dennoch deutete Trainer Christian Streich nach der Partie an, dass es auch anders hätte ausgehen können: "Wir waren am Ende die Glücklicheren. Die Mannschaft hat mutig gespielt. Das Ergebnis ist schön, aber auch wenn wir es 3:4 verloren hätten, hätte das nur ganz wenig verändert."

Williams mit heftiger Wortwahl

Bei 1899 kann von Schönrederei derweil spätestens nach dem schlimmen Freiburg-Trip keine Rede mehr sein, wie die Wortwahl von Daniel Williams verdeutlicht: "Wenn wir so weiter spielen, dann brauchen wir gar nicht weiter über Europa League reden oder sonst einen Sch?. Wir müssen jetzt ganz schnell den Schalter umlegen, sonst sieht es bitter aus."

Seinen Kapitän im TSG-Kasten verteidigte Delpierre, dem der frühe Führungstreffer in der 2. Minute gelang, vehement: Es sei "quatsch", dass Wiese mit der Verantwortung nicht umgehen könne: "Tim alleine kann nichts machen, auch die anderen können alleine nichts machen. Es geht nur zusammen".

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