Der Fall Huszti zeigt einmal mehr, wie unnötig starr das Regelwerk ist. Den Schiedsrichtern gebührt mehr Ermessensspielraum.

Das Regelwerk des deutschen Fußball-Bunds (DFB) kennt nun einmal kein Pardon bei solchen Dingen. Ein Spieler wird unter anderem mit einer Gelben Karte verwarnt, wenn er

a) sich seines Trikots entledigt oder es sich über den Kopf stülpt und

b) wenn er einen Stadionzaun erklimmt, um mit den Fans auf Tuchfühlung zu gehen.

Insofern gäbe es rein formal zunächst einmal überhaupt nichts daran zu kritteln, dass Schiedsrichter Deniz Aytekin genau diese beiden sportlichen Verfehlungen von Szabolcs Huszti separat geahndet hat, den Ungarn mit der Ampelkarte vom Platz stellte.

Wenn Husztis Vergehen denn nicht wie eine zusammenhängende und für sich stehende Einzelaktion daherkämen.

Dieses Gelb-Rot jedoch ist Beleg dafür, welch kleingeistigen Inhalts die DFB-Regel ist - weil sie nämlich null Spielraum für Ausnahmen zulässt:

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Wenn einer mit einem Traumtor zum Derby-Helden gerät (und dass noch in der Nachspielzeit), der gehört doch bitteschön nicht zweimal bestraft, wenn er in dieser Situation seinen Gefühlen freien Lauf lässt.

Warum also mag es nicht Ermessenssache sein, ob in einem speziellen Fall wie dem aktuellen der Referee es bei einer Gelben Karte belässt, anstatt jeweils eine Verwarnung auszuprechen (eine fürs Trikotausziehen, eine fürs Jubeln auf dem Zaun).

Wo die Fußball-Granden und Regelmacher sich hierzulande doch sonst immer so gern rühmen ob der Emotionen, die das Produkt Bundesliga allwöchentlich bei Profis, Fans und Medien auslöst.

In der jetzigen Starrheit in Form einer Doppel-Bestrafung gehört diese kleinkarierte Regel jedenfalls abgeschafft. Selbst Aytekin schien es am Ende irgendwie peinlich, als er Huszti die Gründe für Gelb-Rot erklärte.

Das heißt: Als er ihm die Gründe überhaupt erst mal erklären musste.

Genau daran richtet sich aber auch ein Vorwurf an den Spieler: Von einem Profi muss erwartet werden dürfen, dass er weiß, mit welchen Aktionen er sich und damit letztlich auch seinem Klub und Arbeitgeber schadet.

Gerade die leidige Unsitte Trikot-Ausziehen sollte jedem Akteur bestens bekannt sein.

Und auch die Vereine möchte man in diesem Zusammenhang in die Pflicht nehmen: weil sie es offenbar nach wie vor nicht hinbekommen, ihre Angestellten zur Zurückhaltung zu erziehen.

Noch mehr Aufklärung auf der einen Seite, die Möglichkeit zur Milde und Fingerspitzengefühl durch den Schiedsrichter anstelle eine Doppelbestrafung auf der anderen: Nur so kann ein weiterer Fall "Huszti" vermieden werden.

Im Nord-Derby Hannover gegen Bremen hätte dafür ein Exempel statuiert werden können. "Geh Deinen Weg", lautete das Motto des gleichzeitigen Integrationstages der Liga.

Ein Irrweg ist indes die gegenwärtige Auslegung der Gelb-Regel.

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