Rafael van der Vaart begann seine Profi-Karriere 2000 bei Ajax Amsterdam © imago

Die Hoffnungen der HSV-Fans ruhen vor dem Duell gegen Frankurt auf Rafael van der Vaart. Der Niederländer dämpft die Erwartungen.

München/Hamburg - Der Spätsommer ist die Zeit für große Gefühle - zumindest bei den sonst so kühlen Norddeutschen.

Seit der Rückkehr von Rafael van der Vaart ist beim Hamburger SV nichts mehr normal.

Jeden Tag drängeln sich zahlreiche Anhänger am Trainingsplatz des Bundesligisten, Kinder kämpfen um ein Foto des 100-maligen Nationalspielers, die Fanshops machen den ganz großen Reibach.

Dem kleinen Niederländer und seiner Familie fliegen die Herzen der Fans förmlich zu.

"Wir lieben die Stadt, und die Leute lieben uns", sagte van der Vaart vor seinem ersten Auftritt am Sonntag bei Eintracht Frankfurt (ab 17.15 Uhr im LIVE-TICKER).

Fink: Druck belastet ihn nicht

Dann zählen keine Sympathien mehr, nur noch harte Fakten. Der HSV ist Tabellen-15. - und braucht dringend Punkte (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"Rafael kann natürlich nicht alles alleine entscheiden. Es macht auch im Training nicht den Anschein, als wenn ihn der Druck belastet. Er macht einen hervorragenden Eindruck", sagte Trainer Thorsten Fink.

Ganz klar, auf den schmalen Schultern im Trikot mit der Nummer 23 lasten in Frankfurt alle Hoffnungen. Die des Trainers, die der Mitspieler, und vor allem die der Fans.

"Ich bin kein Erlöser"

Doch van der Vaart will nicht als alleiniger Heilsbringer angesehen werden.

"Ich bin kein Erlöser! Ich weiß, dass viele Wunder von mir erwarten, aber ich kann nicht über das Wasser laufen", sagte der niederländische Nationalspieler der "Bild am Sonntag".

Er sei in Hamburg, "um gut Fußball zu spielen und die Qualität der Mannschaft zu verbessern". Der HSV solle wieder ein Top-Verein werden.

Als Vorbild nannte er Borussia Dortmund. "Dortmund hat es vorgemacht. Der BVB war vor vier Jahren weit weg von der Spitze. Und jetzt? Zweimal Meister!", sagte der 29-Jährige.

Neues Domizil gefunden

Seine nicht weniger berühmte Frau Sylvie hat alles dafür getan, dass sich der Rückkehrer, der für 13 Millionen Euro Ablöse von Tottenham Hotspur an die Elbe zurückgekehrt war, voll auf seine Mission fokussieren kann.

Im feinen Stadtteil Eppendorf hat die Fernseh-Moderatorin ein 400 Quadratmeter großes Domizil für die Kleinfamilie gefunden, auch der siebenjährige Sohn Damian fühlt sich offenbar schon wieder wie zuhause.

[kaltura id="0_3rnj7hkh" class="full_size" title="Mit dem Messias aus der Krise"]

"Wie eine normale Familie"

Am Rande des Stadions bolzte er dieser Tage mit seinem Vater nach dem Training und offenbarte viel Talent - wenn auch anders als beim Papa im rechten Fuß.

"Wir wollen es gemütlich haben, wie eine normale Familie", sagte Sylvie van der Vaart.

HSV mit Stotterstart

Beschaulich war es rund um den Klub zuletzt allerdings selten. In der vergangenen Saison drohte dem Bundesliga-Dino lange der Abstieg, die Vorbereitung lief alles andere als geräuschlos ab.

Und der Saisonstart ging mit der Pleite in der ersten Runde des DFB-Pokals beim Drittligisten Karlsruher SC und mit zwei Auftakt-Niederlagen in der Bundesliga gehörig in die Hose.

Genügt ein Punkt zum Stimmungswandel?

Ein starker Auftritt van der Vaarts und zumindest ein erster Punktgewinn des HSV beim starken Aufsteiger aus Frankfurt könnte den schon initiierten Stimmungswandel perfekt machen (Mehr zur Bundesliga in Bundesliga Aktuell Mo. - Fr. ab 18.30 Uhr LIVE im TV auf SPORT1).

"Das Einzige, was ich machen kann, ist versuchen gut zu spielen und der Mannschaft zu helfen", sagte van der Vaart: "Mal gucken, ob das am Ende reicht."

HSV noch ohne Torerfolg

Mit ausgiebigen Videoschulungen hat Fink seinem Star das System eingetrichtert, er erhofft sich deutlich mehr Torgefahr von seiner Elf. Denn bisher steht der Hamburger SV als einzige Bundesliga-Mannschaft noch ohne Treffer da.

Vielleicht hilft ja der eine oder andere Gedanke an das bisher letzte Bundesliga-Spiel von Rafael van der Vaart im HSV-Trikot.

Im Mai 2008 traf der Niederländer beim 7:0 gegen den Karlsruher SC, der HSV qualifizierte sich für die Europa League. Sphären von denen die euphorisierten Fans wieder träumen - seit der Rückkehr von Rafael van der Vaart.

Kritik von Bruchhagen

Eintracht-Boss Heribert Bruchhagenhat die Finanzpolitik des Hamburger SV derweil bei "Sky" kritisiert. "Der HSV hat keinen guten Start gehabt. Was passiert? Es werden für 23 Millionen Euro drei zusätzliche Spieler verpflichtet, um das alte sportliche Ranking wiederherzustellen."

Bruchhagen weiter: "Es ist für uns enttäuschend, dass Vereine am Ende sportlich vor uns stehen, die auf ein negatives Eigenkapital noch Kredite packen. Wir planen bei Eintracht Frankfurt mit einem ausgeglichenen Finanzetat und bleiben sportlich auf der Strecke. Wir sind bei Eintracht nicht bereit, auch nur einen Pfennig Schulden zu machen."

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