Der Fürther Trainer Mike Büskens spielte von 1992 bis 2002 bei Schalke 04 © getty

Vor dem Spiel gegen seinen Herzensklub spricht Mike Büskens bei SPORT1 über den Liga-Start und das Wiedersehen mit Königsblau.

Von Reinhard Franke

München - Es sind die Fürther Festwochen. Erst der Aufstieg in die Bundesliga, dann kamen die Bayern zum ersten Heimspiel und nun schaut der FC Schalke im Ronhof vorbei (ab 18.15 Uhr im LIVE-TICKER) .

Für Fürth-Coach Mike Büskens gewiss kein normales Spiel. Das weiß der 44-Jährige, der 13 Jahre für die "Knappen" gespielt hat, sieben Jahre als Trainer im Verein tätig war und 1997 den UEFA-Pokal mit S04 holte.

Am Abend will der gelernte Koch seinen Schalkern die Suppe versalzen.

Wie seine Gefühlswelt vor dieser Partie aussieht, verrät Büskens im SPORT1-Interview.

SPORT1: Herr Büskens, zwei Spiele sind in der Bundesliga gespielt. Eine Niederlage gegen die Bayern und ein Sieg in Mainz stehen zu Buche. Ist Greuther Fürth im Oberhaus angekommen?

Mike Büskens: Wir sind immer noch in einer Phase, wo wir uns an die Liga anpassen werden. Das ist eine große Umstellung für uns, aber die Jungs lernen sehr schnell und ich bin sehr zuversichtlich, dass wir unser Ziel erreichen können, dass nur Klassenerhalt heißen kann.

SPORT1: Wie sehr spüren Sie eine Veränderung in der Wahrnehmung vom "Kleeblatt"?

Büskens: Das haben wir schon vor dem Start gegen die Bayern gemerkt. Der Fokus liegt logischerweise mehr auf uns und es ist ein deutlicher Unterschied zur Zweiten Liga in der öffentlichen Wahrnehmung. Aber wir wollten uns sportlich mit den Großen messen. Jetzt hat die die Spielvereinigung die Möglichkeit sich als Verein zu positionieren und richtig darzustellen. Das ist absolut positiv.

SPORT1: Und der erste Bundesliga-Sieg der Klub-Geschichte in Mainz fühlte sich sicher besonders gut an, oder?

Büskens: Na klar. Wir haben letztes Jahr im Pokal auch bei zwei Erstligisten gewonnen und sind damals mit viel Selbstbewusstsein in die Spiele gegangen aufgrund der positiven Erlebnisse in der Zweiten Liga. Jetzt war es so, dass es nach den Auftakt-Niederlagen gegen Bayern und im Pokal eminent wichtig war gleich am 2. Spieltag den ersten Dreier zu holen.

[kaltura id="0_i8dc5h4k" class="full_size" title="Video: Asamoah hat eine Affäre"]

SPORT1: Sie sind ein "positiv Bekloppter". Nehmen Sie für sich in Anspruch, dass Sie durch ihre Art eine neue Mentalität nach Fürth gebracht haben?

Büskens: Ich liebe und lebe diesen Sport und identifiziere mich zu 100 Prozent mit meiner Aufgabe. Ich fiebere mit und stehe meinen Spielern immer zur Seite. Das machen viele Trainer, aber jeder lebt das anders aus.

SPORT1: Ihnen nimmt man es aber zu 100 Prozent ab.

Büskens: Ich bin nicht da, um eine Rolle zu spielen, sondern ich möchte einfach ich selbst sein. Damit können einige Leute gut leben, andere empfinden meine Art als negativ, wenn ich nach einem Tor auf den Platz stürme und an der Linie hin- und herspringe. Ich muss mir selbst treu bleiben. Solange ich das bin, tangiert mich eine äußere Betrachtung weniger.

SPORT1: Mainz, Augsburg und Freiburg sind Teams, an denen Sie sich orientieren. Will man in Fürth genau in die Nische, wo der FCA letztes Jahr war?

Büskens: Und ob. Die Schere geht in der Bundesliga immer weiter auseinander, das sieht man bei den extrem teuren Transfers. Wir müssen uns mit Vereinen vergleichen, die einen ähnlichen Gang gegangen sind wie wir. Das sind nun mal beispielsweise diese drei Klubs. Das können Vorbilder sein, gerade wenn man sieht, wie sich der FCA entwickelt hat. Die haben einige Spiele gebraucht, bis sie in der Liga ankamen, sind ihrer Philosophie aber treu geblieben und waren von ihrem Weg überzeugt.

SPORT1: Am Samstag kommt Schalke 04 in den Ronhof. Bitte sagen Sie nicht, dass dies kein besonderes Spiel sei.

Büskens: Nein, das sage ich nicht. 2006 war das WM-Motto "Zu Gast bei Freunden" und so ist es auch, wenn meine Schalker zu uns kommen. Wir haben mit Asa (Gerald Asamoah, Anm. d. Red.), Edu, Christopher Nöthe und mir vier Personen mit einer königsblauen Vergangenheit und von daher freue ich mich sehr auf dieses Wiedersehen. Es wird aber keine Geschenke geben, dazu bin ich viel zu ehrgeizig. Wir wollen natürlich gewinnen, aber es wird wahnsinnig schwer gegen die Blauen zu punkten.

SPORT1: Der Ex-Schalker Edu kam neu nach Fürth. Was erwarten Sie von ihm?

Büskens: Wir haben ein junges Team und dieses Team braucht Eckpfeiler auf dem Platz, wo sich die Jungen daran orientieren können. Die haben wir mit Asa, Thomas Kleine, Milorad Pekovic und Edu. Es ist wichtig Leute mit Erfahrung in der Truppe zu haben. In Mainz hatten wir acht Spieler auf dem Feld, die erst ihr zweites Bundesliga-Spiel gemacht haben. Edu ist für uns ein ganz wichtiger Spieler, der uns stabilisieren kann.

SPORT1: Gegen Schalke hat sich US-Außenminister Henry Kissinger angekündigt, der gebürtiger Fürther ist.

Büskens: Ich habe schon viel von ihm gehört. Herr Dr. Kissinger war in der Vorbereitung schon mal da, aber da gab es kein Treffen, weil wir ein Testspiel hatten. Ich freue mich so eine bedeutende Persönlichkeit zu treffen. Er ist bekennender Weiß-Grüner und das ist doch wunderschön, wenn er seinen Verein in der Bundesliga erleben kann.

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