Thomas Tuchel beerbte im Sommer 2009 Jörn Andersen als Mainz-Coach © getty

Thomas Tuchel will seine Traumbilanz gegen Bayern ausbauen. Bei SPORT1 antwortet er auch auf den Ritterschlag des "Kaisers".

Von Matthias Becker

München - Thomas Tuchel ist der Bayern-Schreck unter den Trainern.

Als einziger aktueller Bundesliga-Coach hat er eine positive Bilanz gegen den Rekordmeister aufzuweisen: Der FSV Mainz 05 hat unter ihm drei von sechs Spielen gegen den Rekordmeister gewonnen (ein Remis, zwei Niederlagen).

Eine Bilanz, auf die sich Tuchel selbst nicht viel einbildet - die er am Samstag (ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) aber dennoch ausbauen möchte, wenn sein Team in der Allianz Arena zu Gast ist .

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Im SPORT1-Interview spricht er über die Marschroute, den misslungenen Saisonstart und Neuverpflichtung Ivan Klasnic - der in München wegen einer Zerrung noch nicht spielen kann.

Tuchel antwortet auch auf den Ritterschlag von Franz Beckenbauer, der ihn kürzlich als künftigen Bayern-Trainer ins Gespräch gebracht hat.

SPORT1: Der Saisonstart war mit einem Punkt aus zwei Spielen in Freiburg und gegen Fürth nicht ideal. Was hat Ihnen bei diesen Auftritten Ihrer Mannschaft gefehlt? (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Thomas Tuchel: Zur positiven Bewertung des Auftritts meiner Mannschaft in allererster Linie die Tore. Wir haben zwar zuletzt ein bisschen verkrampft gewirkt und die Selbstverständlichkeit hat gefehlt. Aber wir haben uns in beiden Partien viele teils hochkarätige Torchancen erarbeitet, ein klares Plus in den Zweikämpfen, den Offensivaktionen und den Torabschlüssen und folglich mehr vom Spiel gehabt als die Gegner. Trotzdem hat Fürth ein kurioses Tor gereicht um zu gewinnen. Das mussten wir leider so hinnehmen und wir sind natürlich enttäuscht über das Ergebnis. Aber grundsätzlich gab es auch viele positive Aspekte. Wenn wir ein oder zwei unserer vielen Torchancen reingemacht hätten, dann würde die Kritik an unserer Spielweise sicherlich viel besser ausfallen.

SPORT1: In der Länderspielpause waren die Möglichkeiten als Trainer limitiert, viele Spieler nicht da. Wie sind Sie damit umgegangen?

Tuchel: Klar ist es nicht prickelnd, mit nur acht Feldspielern zu trainieren, in allererster Linie für die Spieler selbst. Vor allem weil diese Länderspielpause mit eineinhalb Wochen auch recht lang war. Gerade nach der langen Sommerpause haben sich alle immens auf den Bundesligastart gefreut, dann geht es endlich los, um dann doch wieder nicht richtig loszugehen. Aber es ist müßig sich darüber zu beklagen, da es nun mal ist wie es ist. Wir machen das Beste draus.

[kaltura id="0_x1va1omf" class="full_size" title="Klasnic will mehr als eine Kiste Bier"]

SPORT1: Nach der Pause geht es direkt zu den Bayern. Die haben sich verstärkt und sind mit zwei klaren Siegen gestartet. Wie wollen Sie den Rekordmeister ärgern?

Tuchel: Sicherlich sind wir der klare Außenseiter in der Partie, der FC Bayern ist dazu aktuell in bestechender Form. Wir werden am Samstag auf allerhöchstem Niveau abgeprüft und haben den Anspruch in Teilbereichen des Spiels diese Prüfungen mit unseren Mitteln und auf unsere Art und Weise zu bestehen.

SPORT1: Das heißt?

Tuchel: Es kann nicht für uns der alleinige Anspruch gelten in München irgendwie zu punkten, denn dazu ist der Gegner individuell viel zu überlegen und das Spiel als solches zu komplex. Wir werden an unsere Leistungsgrenzen heran gehen müssen und zu 100 Prozent auf unsere Aufgaben fokussiert sein. Wer viel investiert, hat auch eine höhere Chance, für seinen Aufwand mal ein gutes Ergebnis zu bekommen. Das ist grundsätzlich auch für uns als Außenseiter beim FCB drin, ob es allerdings aktuell sehr wahrscheinlich ist, steht auf einem anderen Blatt.

SPORT1: Als einziger Bundesligatrainer haben Sie eine positive Bilanz gegen die Bayern. Gibt es dafür ein Geheimnis?

Tuchel: Diese Bilanz ist grundsätzlich die Bilanz der jeweiligen Teams mit denen wir angetreten sind, denn ich habe ich keinem Spiel auch nur einen Pass gespielt, keinen einzigen Zweikampf gewonnen und schon gar kein Tor geschossen. Also ist diese Bilanz vor allem aus dem Willen und der Bereitschaft meiner Mannschaft entstanden, ihre Grenzen in jedem Spiel unabhängig von der Stärke des Gegners zu überschreiten und echte Topleistung abzurufen, ohne die kleinste Garantie auf ein positives Ergebnis! Meine Mannschaft in diese Stimmung und Form zu bringen und darüber hinaus taktisch zu unterstützen, halte ich für meine Aufgabe als Trainer.

SPORT1: Ihr Neuzugang Ivan Klasnic fehlt in München noch. Was erwarten Sie sich aber grundsätzlich von ihm?

Tuchel: Mit Ivan Klasnic erweitern wir unseren Kader nicht nur um sein sportliches Talent, sondern auch um seine Persönlichkeit, seine Spielerfahrung, seine Schlitzohrigkeit und seine Gewinnermentalität. Wir freuen uns sehr, dass er da ist.

SPORT1: Von Franz Beckenbauer wurden Sie zuletzt sogar öffentlich als möglicher Nachfolger von Jupp Heynckes ins Gespräch gebracht. Beschäftigen Sie sich mit so etwas - oder nervt es eher?

Tuchel: Ich würde sagen, das kommt davon, wenn man den Kaiser "zwingt" live über Mainz 05 zu sprechen (lacht). Sicherlich ist es schmeichelhaft, wenn ein verdienter Fußballexperte wie Franz Beckenbauer einem zutraut, eine internationale Topmannschaft erfolgreich trainieren zu können. Ich habe erst vor kurzem meinen Vertrag bei Mainz 05 bis Juni 2015 verlängert und fühle mich hier offensichtlich sehr wohl. Ich denke mehr gibt es dazu aktuell nicht zu sagen.

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