SPORT1-Reporter Reinhard Franke (r.) traf Markus Weinzierl in Augsburg zum Interview © getty

Augsburgs Trainer Markus Weinzierl spricht im SPORT1-Interview über den verpatzten Start und seine ersten Wochen beim FCA.

Von Reinhard Franke

München - Markus Weinzierl ist der große Unbekannte unter den 18 Bundesliga-Trainern.

Dabei stand der neue Coach des FC Augsburg früher beim FC Bayern unter Vertrag.

Doch die große Laufbahn als Profi hatte er nicht, Verletzungen beendeten früh seine Karriere.

Als Trainer geht es dagegen steil bergauf: Mit Jahn Regensburg stieg er in die Zweite Liga auf, nun soll er den FC Augsburg im zweiten Jahr in der Bundesliga halten. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Vor dem Duell mit dem VfL Wolfsburg (ab 20 Uhr im LIVE-TICKER) spricht Weinzierl im SPORT1-Interview über die "Wölfe", seine ersten Wochen beim FCA und hofft, dass Stürmer Aristide Bance bald trifft - und spricht.

SPORT1: Herr Weinzierl, zwei Niederlagen zum Start in der Liga für Sie als neuem Trainer. Das hätten Sie sich anders gewünscht, oder?

Markus Weinzierl: Natürlich. Aber generell bin ich sehr gut beim FC Augsburg aufgenommen worden. Die Vorbereitung war positiv und die Ergebnisse in den Testspielen haben gepasst. Was nicht gepasst hat, war der Start mit den zwei Punktspielen und da sieht man wieder, dass eine gute Vorbereitung nichts wert ist, wenn man die Pflichtspiele in den Sand setzt. Daher sind wir momentan sehr unzufrieden, arbeiten zielstrebig und hoffen natürlich schnell auf ein Erfolgserlebnis.

SPORT1: Waren Sie eigentlich nervös vor Ihrem ersten Heimspiel mit der großen Kulisse?

Weinzierl: Ein bisschen schon, aber das ist ja normal, dass eine gesunde Nervosität und Anspannung da ist. Ich habe die ganze Zeit drauf hin gefiebert.

SPORT1: Haben Sie den Sprung von der Dritten Liga in die Bundesliga dennoch gut hinbekommen?

Weinzierl: Klar ist es eine höhere Liga und eine andere Hausnummer. Wir arbeiten sehr gut mit der Mannschaft zusammen, was bisher gefehlt hat, waren nur ein paar Prozent, dass wir die Torchancen auch in Tore ummünzen und vor allem haben wir in der Defensive individuelle Fehler gemacht, die man nicht machen darf. Das müssen wir abstellen. Ansonsten habe ich mich gut eingelebt in der neuen Welt.

SPORT1: Also nicht unbewusst etwas härter geworden?

Weinzierl: Nein. Ich habe mich nicht verändert, bin der gleiche geblieben. Auch bei Jahn Regensburg habe ich versucht für den Erfolg alles zu tun und das mache ich auch beim FCA. Der Unterschied ist, dass die Spieler in Augsburg mehr Qualität haben und dass die Konkurrenz einfach viel größer ist. Jeder kleine Fehler wird bestraft, das haben wir in den ersten Spielen schmerzlich erfahren.

SPORT1: Warum sind erfahrene Spieler wie die Neuzugänge Aristide Bance oder Andreas Ottl noch nicht die erhofften Verstärkungen? (EXKLUSIV: Andreas Ottl im SPORT1-Interview)

Weinzierl: Beide haben in der vergangenen Saison nicht regelmäßig gespielt, vor allem Bance hat in den letzten Jahren der Bundesliga-Alltag gefehlt. Das ist nicht leicht. Die Zwei brauchen natürlich die Spielpraxis, zudem müssen wir als Mannschaft noch mehr zusammen wachsen. Wir brauchen ein Erfolgserlebnis, dann sind wir auf dem richtigen Weg.

SPORT1: Die Bance-Verpflichtung hat überrascht. Hatten Sie bei ihm keine Bauchschmerzen? Er ist kein pflegeleichter Typ.

Weinzierl: Wir haben ihn als positiven Teamplayer und Profi kennengelernt. Die ganzen kritischen Fragen von den vielen Zweiflern, die mir entgegen gebracht wurden, kann ich in keiner Weise bestätigen. Er ist sehr zielstrebig, sehr motiviert und gibt in jedem Training Gas. Ihm fehlen ein Tor und natürlich auch die hundertprozentige Fitness über 90 Minuten. Die kann er aber nicht haben, weil er im Ausland war, wo das Niveau gewiss niedriger war. Wir hoffen aber, dass er an seine Mainzer Zeit anknüpfen kann. Wir wollen ihn da wieder hin bringen. Von seiner Torgefahr hat er es auf jeden Fall drauf.

SPORT1: Finden Sie es gut, dass er sich selbst einen Maulkorb verpasst hat?

Weinzierl: Ich weiß nicht, was in der Vergangenheit vorgefallen ist, dass er zu so einer Maßnahme greift. Es war ganz alleine seine Entscheidung, es ging nicht vom Verein aus. Ich denke, dass es nicht so dramatisch ist, wenn er erst mal Tore erzielen und dann reden will. Wir hoffen aber, dass er bald trifft - und dann auch spricht.

SPORT1: Wie schwer wird es gegen die "Wölfe"?

Weinzierl: Sehr schwer. Gerade deren Niederlage gegen Hannover war nicht förderlich. Die werden hochmotiviert zu uns kommen. Dass sie ein gutes Material, einen großen Etat und Qualität haben, ist klar, aber wir wollen sie schlagen und müssen uns wehren gegen den negativen Start. Auch unsere Verletzten (Ja-Cheol Koo, Sebastian Langkamp, Simon Jentzsch, Jan-Ingwer Callsen-Bracker, Sascha Mölders, Anm. d. Red.) müssen wir als Team kompensieren. Wir müssen den Gegner bekämpfen, das Glück erzwingen und als Mannschaft über uns hinauswachsen.

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