Thomas Berthold spielte unter anderem für den VfB Stuttgart und den FC Bayern
Thomas Berthold spielte von 1991 bis 1993 für den FC Bayern München © imago

Der Bayern-Boss greift erneut als Experten tätige Ex-Spieler an. SPORT1-Kolumnist Berthold kontert und fordert mehr Souveränität.

Vom FC Bayern berichten Matthias Becker und Andreas Kloo

München - Der FC Bayern hat in seinem Feldzug gegen als Experten tätige Ex-Spieler das nächste Gefecht eröffnet.

Nachdem der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge zuletzt schon Oliver Kahn und Mehmet Scholl kritisiert hatte, legte er nun nach.

Im Vorwort des Stadionhefts zum Heimspiel gegen den FSV Mainz 05 (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) echauffiert sich Rummenigge in süffisantem Ton über die Einschätzungen zum Rekordtransfer Javi Martinez und greift dabei unter anderem auch SPORT1-Kolumnist und LIGA total!-Experte Thomas Berthold an.

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"Bayern reagieren empfindlich auf Kritik"

Berthold "wusste am 27. August: 'Martinez ist zu teuer.' Fünf Tage später analysierte er seine Analyse und wusste plötzlich: 'Martinez ist Gold wert'", schreibt Rummenigge. (BERTHOLD-KOLUMNE: "Für Martinez zahlen die Bayern hundert Prozent Aufschlag")

Er bezeichnet den Weltmeister von 1990 spöttisch als "früheren Weltklassefußballer (...), der zu seiner Zeit bei Bayern München die Massen in Ekstase versetzte".

Ein Frontalangriff, den Berthold nicht auf sich sitzen lässt. "Auf dieses Niveau begebe ich mich nicht", sagt Berthold im Gespräch mit SPORT1: "Mir fällt auf, dass die Bayern derzeit allgemein sehr empfindlich auf Kritik reagieren."

Berthold: Rummenigge muss souveräner agieren

Dies zeige auch die Reaktion der Bayern-Bosse auf eine kritische E-Mail des ehemaligen Co-Trainers Andries Jonker. "Karl-Heinz Rummenigge müsste in seiner Position als Vorstandvorsitzender viel souveräner agieren", sagt Berthold.

Die Kritik an seinen Aussagen zu Martinez weist er zurück. "Karl-Heinz Rummenigge hat die Zusammenhänge nicht verstanden. Ein Spieler kann doch zu teuer sein, selbst wenn er Gold wert ist", erklärt Berthold:

"Wenn der Martkwert 20 Millionen Euro beträgt, und man gibt 40 Millionen Euro aus, ist das dann eine unternehmerische Glanzleistung?"

Selbst Bayern-Präsident Uli Hoeneß habe eingestanden, "dass 40 Millionen Euro auszugeben nicht alltäglich ist".

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Spott für Matthäus und Kahn

Nicht nur Berthold hatte sich allerdings Rummenigges Zorn zugezogen. Über Ex-Torhüter Oliver Kahn schreibt Rummenigge: "Mich würde auch interessieren, was das Fanorakel von den Thesen Oliver Kahns hält."

Schon in der aktuellen Ausgabe der "Sport-Bild" hatte Rummenigge Kahn gewarnt. "Wir haben da ja ein prominentes Beispiel in Lothar Matthäus. Der hat sich irgendwann um Kopf und Kragen geredet und sich die Tür beim FC Bayern am Ende selbst zugeschlagen", sagte er da.

Matthäus' Aussage zu Martinez, dieser müsse mit einer neuen Liga und einer neuen Sprache klarkommen, versucht er nun ironisch abzutun: "Wer kennt sich damit besser aus als Lothar?"

Bayern-Spieler mit Expertenvorvertrag?

Rummenigge, einst selbst als Co-Kommentator bei der ARD tätig, beklagt: Grundvoraussetzungen für einen Expertenjob sei es offenbar, einmal beim FC Bayern gespielt zu haben.

"Manchmal habe ich das Gefühl, viele Fußballer unterschreiben sofort bei ihrem Wechsel zum FC Bayern einen Vorvertrag als Experte", schreibt er.

Zudem sei von den früheren Profis im Zusammenhang mit den Bayern fast nie Lob zu hören.

Scholl darf nicht Experte bleiben

Die Wut der FCB-Verantwortlichen bekam auch Mehmet Scholl, Trainer der zweiten Mannschaft und ARD-Experte, zu spüren. Falls Scholl langfristig beim Rekordmeister arbeiten wolle, dürfe er seine TV- und Werbeverträge nicht verlängern, stellte Rummenigge klar.

"Man muss sich irgendwann entscheiden, welchen Weg man gehen will: den als Trainer oder den als Experten. Beides harmoniert nicht", sagte er.

Deutlich entspannter als die Vereinsführung reagieren die Spieler auf die Aussagen ihrer Vorgänger. "Das ist für mich kein Thema, das ist eben sein Job", sagt Thomas Müller zu Scholl, der den Bayern-Angreifer nach dem Sieg des DFB-Teams gegen Österreich kritisiert hatte.

Müller bleibt cool

Ohnehin sei dies nur ein Thema des Vereins, versichert Müller. Er höre sich Kritik und Anregungen früherer Profis nur an, wenn sie im Vier-Augen-Gespräch erfolge, "nicht über die Zeitung oder das Fernsehen."

Dass Scholl neben seinem Trainer-Job bei den Bayern auch als Experte arbeite sei zwar "eine ungewöhnliche Konstruktion", sagt Müller, aber der Vertrag bestehe eben schon länger:

"Das ist, wie wenn ein neuer Spieler mit einem Nike-Ausrüstervertrag zum FC Bayern kommt - da wäre Adidas sicher auch lieber gesehen."

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