Mats Hummels (l.) spielt seit 2008, Marcel Schmelzer seit 2005 für den BVB © imago

Schmelzers Durchhänger in Österreich erinnert an die letzten Auftritte des BVB in der Champions League. Auch Hummels schwächelt.

Von Christoph Lother

München - Da war es wieder, dieses andere Gesicht.

Jenes Gesicht, das die Spieler von Borussia Dortmund in den zurückliegenden zwei Jahren so oft gezeigt hatten, wenn sie von der nationalen auf die internationale Bühne gewechselt waren.

Ein Gesicht, das weniger selbstbewusste als nervöse, ja teils sogar ängstliche Züge trägt.

Diesmal zeigte es Marcel Schmelzer.

Löw erhöht den Druck: "International top sein"

Der linke Außenverteidiger des BVB wirkte beim glücklichen 2:1-Sieg der deutschen Nationalelf in der WM-Qualifikation gegen Österreich über weite Strecken überfordert, leistete sich zahlreiche Unsicherheiten und schien mit zunehmender Spielzeit immer mehr an Selbstvertrauen zu verlieren.

"Mir fehlt diese Selbstsicherheit aus dem Verein, und dann ist es schwierig im Eins gegen Eins zu bestehen", erklärte der Dortmunder anschließend.

Zwar wolle er auch "weiter mit Marcel Schmelzer arbeiten und hoffen, dass er sich auf diesem internationalen Niveau weiterentwickelt", nahm Joachim Löw den 24-Jährigen nach dem Spiel in Schutz.

Zugleich schickte der Bundestrainer aber auch eine kleine Warnung hinterher: "Durchschnittlich zu spielen, reicht nicht, weil wir den Anspruch haben, international top zu sein."

Dortmund erwartet harte Brocken

Den Anspruch, international top zu sein, hat man in Dortmund nur ein Jahr nach der Rückkehr in die Champions League wohl noch nicht.

Dass es in der Königsklasse zumindest einer klaren Leistungssteigerung bedarf, dürfte beim BVB angesichts des blamablen Ausscheidens als Gruppenletzter in der Vorsaison und der bevorstehenden Hammer-Gegner Real Madrid, Manchester City und Ajax Amsterdam aber jedem klar sein.

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Auch Hummels in Österreich unsicher

Umso ärgerlicher dürfte für Dortmunds Trainer Jürgen Klopp mit Blick auf das Heimspiel gegen Ajax am kommenden Dienstag die Tatsache sein, dass neben Schmelzer auch der sonst so souveräne Mats Hummels beim Auftritt des DFB-Teams im Wiener Ernst-Happel-Stadion ein ums andere Mal patzte.

Gleich zu Beginn der Partie hatte sich Hummels einen haarsträubenden Fehlpass im Spielaufbau geleistet, und auch im weiteren Verlauf der Begegnung wirkte das Zusammenspiel des Innenverteidigers mit dem Münchner Holger Badstuber nicht sonderlich harmonisch.

"Wir hatten in der ersten Halbzeit einige Fehlpässe gehabt, die nicht passieren dürfen", räumte Hummels ein. Und Löw erklärte daraufhin: "Deshalb haben wir einige lange Bälle geschlagen, was unserem Spiel aber nicht entspricht."

Gegnerisches Pressing macht BVB Probleme

Dem Spiel der Dortmunder entspricht dieser Stil aber sehr wohl.

Hier fällt Hummels regelmäßig durch seine übersichtliche Spieleröffnung auf und auch der laufstarke Schmelzer ist durchaus dafür bekannt, den Ball auf schnellstem Wege in die Offensive zu tragen.

Die Unterschiede hinsichtlich der Spielphilosophie können aber allenfalls als Grund für das nicht immer sattelfeste Auftreten der Dortmunder im Nationalteam herhalten.

Ein energisches Pressing des jeweiligen Gegners hingegen scheint ein generelles Problem für die schwarz-gelben Abwehrrecken darzustellen.

So demonstrierten nicht nur die letztjährigen Gegner in der Champions League, sondern auch die Stürmer des 1. FC Nürnberg und die der österreichischen Nationalmannschaft zuletzt eindrucksvoll, wie man die Defensivspezialisten aus Dortmund unter Druck setzen kann.

Lediglich Reus sammelt Pluspunkte

Naheliegend ist jedenfalls, dass mit Ausnahme von Marco Reus keiner der Dortmunder A-Nationalspieler mit gestärktem Selbstvertrauen aus Wien zurückkehren dürfte.

Und selbst Reus konnte trotz seines Treffers zum zwischenzeitlichen 1:0 für Deutschland nicht wirklich überzeugen, zog sich zudem eine Prellung des Mittelfußes zu (News). Diese setzt ihn für das kommende Heimspiel des Doublesiegers gegen Bayer Leverkusen am Samstag (ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) zwar nicht außer Gefecht, könnte ihn aber schwächen.

Auch Mario Götze, der gegen die Färöer wenige Tage zuvor noch getroffen hatte, gab bei seiner Einwechslung in Österreich kein weiteres Bewerbungsschreiben für die Startelf des BVB ab.

Perisic und Blaszczykowski drängen sich auf

In der könnten sich stattdessen auch gegen Leverkusen die Flügelflitzer Ivan Perisic und Jakub Blaszczykowski wiederfinden.

Perisic erzielte den einzigen Treffer Kroatiens beim 1:1 in Belgien, der Pole Blaszczykowski war nach seinem Tor beim 2:2 am vergangenen Freitag in Montenegro auch beim 2:0 gegen Moldawien erfolgreich.

Tore, die dem zuletzt ohnehin schon überzeugenden Duo im Kampf um die beiden offensiven Außenbahnplätze bei der Borussia durchaus in die Karten spielen dürften.

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