Mainz' Ivan Klasnic spielte zuletzt bei den Bolton Wanderers © getty

In Mainz wagt der Stürmer einen Neuanfang - nicht den ersten seiner von zwei Nieren-Transplantationen gezeichneten Karriere.

Mainz - Die ersten Versuche wirkten noch etwas unbeholfen.

Nur zwei-, dreimal gelang es Ivan Klasnic, den Ball zu jonglieren, als er mit modischer Lederjacke und lässigem "Moin" auf den Lippen seine ersten Schritte zurück in die Bundesliga machte.

"Ich bin jetzt kein Superstar, der nach Mainz gekommen ist", sagte der 32-Jährige bei seiner offiziellen Vorstellung beim FSV Mainz 05.

Nicht zu große Erwartungen schüren - der einstige Topstürmer von Werder Bremen will nicht der Heilsbringer sein, nicht der spektakuläre Last-Minute-Transfer. "Man kann mich noch nicht fit nennen", sagt Klasnic: "Aber das ist klar, wenn man die Vorbereitung nicht mitgemacht hat und jetzt komischerweise krank wurde."

Lebensmittelvergiftung stoppt Klasnic

Eine Lebensmittelvergiftung hatte vergangene Woche noch sein Comeback auf dem Rasen verhindert. (VEREINSEITE: Alles zum FSV Mainz 05)

"Ich nehme alles positiv auf, will einfach Spaß haben und Tore schießen", sagt er zu seinem Wechsel an den Rhein, der ihn "mehr gereizt" habe als andere Angebote.

Wochenlang hielt sich Klasnic, dessen Vertrag beim Premier-League-Absteiger Bolton Wanderers im Sommer ausgelaufen war, "mit Freunden" fit. Irgendwo in der Hamburger Oberliga.

Vertrag in der Oberliga egal

"Sie haben mir auch einen Vertrag angeboten - aber eine Kiste Bier war mir dann doch zu wenig", sagt Klasnic mit einem Augenzwinkern. Selbst wenn er dann noch näher an seiner Familie gewesen wäre.

"Auch wegen meiner Tochter", berichtet der in Hamburg geborene Kroate, sei er nach Deutschland zurückgekehrt: "Ich will sie natürlich so oft wie möglich sehen und mit ihr an ihrem Leben Spaß haben."

[kaltura id="0_x1va1omf" class="full_size" title="Klasnic will mehr als eine Kiste Bier"]

Während seiner Zeit in Bremen, die 2008 jäh endete, und zuvor beim FC St. Pauli in der Zweiten Bundesliga war das einfach.

Seit 2008 im Ausland

Aber es zog Klasnic weg. Nach Frankreich zum FC Nantes, zu neuen Herausforderungen - auch weil er in Deutschland einen schweren Schicksalsschlag hatte verkraften müssen.

Ein Jahr nach dem sensationellen Double mit Werder wurden bei Klasnic fast beiläufig erhebliche Nierenprobleme diagnostiziert - eine Blinddarm-OP brachte 2005 die traurige Gewissheit.

Es folgte eine Krankengeschichte, die im deutschen Fußball noch heute ihresgleichen sucht.

Zwei Nieren-Transplantationen

2007 wurde die Transplantation einer fremden Niere unumgänglich, doch Klasnics Körper stieß das von seiner Mutter Sima gespendete Organ ab.

Erst die zweite Operation, anderthalb Monate später, brachte die Rettung. Diesmal war sein Vater Ivan der Spender.

Eine Schlammschlacht mit Bremens Vereinsärzten überschattete den Abgang des kongenialen Partners des Brasilianers Ailton. Klasnics Vorwurf, die Nierenerkrankung medizinisch falsch eingeordnet zu haben, endete in einer Klage.

Medizin-Zoff mit Werder

Das alles hinterließ Spuren. Wirklich glücklich wurde Klasnic im Westen Frankreichs nie, auch wenn er sagt, noch heute die Erinnerungen an die Spaziergänge durch die Stadt zu genießen.

Nach einem Jahr ging es weiter zu den Bolton Wanderers. "In England war es erfolgreicher", sagt er.

Und ergänzt: "Ich habe mich drei Jahre wohlgefühlt und auch meine Leistung gebracht. Auch wenn wir am Ende abgestiegen sind, war es eine schöne Zeit."

"Kein typischer Tuchel-Transfer"

Jetzt also Mainz, wo er nur einen Jahresvertrag haben wollte. "Damit man sieht, dass ich's noch kann", sagt Klasnic. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Es sei "kein typischer Thomas-Tuchel-Transfer", meint Manager Christian Heidel. Trainer Tuchel wird trotzdem früher oder später auf seinen Neuzugang setzen. In Adam Szalai steht außer Klasnic nur ein gelernter Stürmer im Kader.

Am Samstag spielt Mainz beim Rekordmeister Bayern München. "Ich werde bestimmt nicht von Anfang an spielen", sagte Klasnic. Noch nicht.

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