Mirko Slomka (r., hier mit Bayerns Jupp Heynckes) ist seit 19. Januar 2010 Trainer bei 96 © imago

Bayerns Trainer-Debatte hält an: Beckenbauer stärkt indirekt Heynckes. Ein 96er kokettiert, Berthold winkt bei Guardiola ab.

Von Christian Paschwitz

München - Eine neuerliche Einlassung von Franz Beckenbauer, weiter angeheizte Gerüchte um Mirko Slomka - und dazu offenbar Stillstand in der Personalie Pep Guardiola:

In die Trainer-Debatte beim FC Bayern will einfach keine Ruhe kommen.

Während Hannover-96-Coach Slomka von seinem Berater für die Nachfolge von Jupp Heynckes in Stellung gebracht wird, spricht der "Kaiser" sich indirekt dafür aus, doch am bisherigen FCB-Trainer festzuhalten.

"Sammer macht Heynckes stärker"

"Sammer macht Jupp Heynckes stärker, hält dem Trainer den Rücken frei", sagte Beckenbauer in einem Interview mit der "Bild". "Sammer ist das Faustpfand des FC Bayern."

Woraus sich auch schlussfolgern ließe: Nach einer titellosen Saison kann Bayerns Coach dank Matthias Sammers Inthronisierung zum neuen Sportchef die hochgesteckten Ziele nun wieder verwirklichen.

Weshalb es jedenfalls für Beckenbauer auch keinen Anlass geben mag, nach der Saison jemand anderen als Heynckes auf die Bank des Rekordmeisters zu setzen.

Berthold: Dynamik unterschätzt

Sofern Heynckes selbst denn tatsächlich über den kommenden Sommer hinaus weitermachen möchte - und darf.

Der 67-Jährige hatte kürzlich in der "Süddeutschen Zeitung" sein Karriereende für 2013 verkündet, war danach aber wieder zurückgerudert. (VEREINSSEITE: FC Bayern)

"Wahrscheinlich hat er unterschätzt, welche Dynamik in dieses Thema reinkommt", kommentiert SPORT1-Kolumnist und Ex-Bayern-Profi Thomas Berthold die Kehrtwende.

Sammer lässt alles offen

Dass Heynckes womöglich doch bleibt, hatte unlängst auch Sammer zu unterstreichen gesucht. (News zum FC Bayern auch ab 18.30 Uhr bei "Bundesliga Aktuell" auf SPORT1 im TV)

[kaltura id="0_pggrq0ku" class="full_size" title="Stammplatzgerangel bei den Bayern"]

"Warum sollten wir uns jetzt darauf festlegen, dass kommende Saison Schluss ist? Ich rede mit ihm auch über Dinge nach 2013, nach 2014", so der Ex-DFB-Sportdirektor.

Und weiter: Man würde sich bei den Bayern limitieren, wenn schon alles beschlossen wäre, "der Tag der Entscheidung kommt. Und es ist Jupp Heynckes' Entscheidung."

Slomka-Berater tiefenentspannt

Dem zuwider laufen indes die anhaltenden Spekulationen um Slomka, die dessen Berater naturgemäß allerdings nicht wirklich stören.

Im Gegenteil: "Es gibt Schlimmeres, als in München gehandelt zu werden - ich kann es nicht ändern ? die handelnden Personen sind entspannt", erklärte Harun Arslan süffisant im "kicker".

Noch immer darf bezweifelt werden, dass Slomka seinen auslaufenden Vertrag in Hannover problemlos verlängert, was bereits im vorigen Winter und Frühjahr gescheitert war.

"Ich habe keine Einschätzung"

"Ich habe keine Einschätzung, will auch keine haben", so Arslan über den Verhandlungsstand seines Klienten, der auch immer wieder als kommender Nachfolger von Bundestrainer Joachim Löw gehandelt wird, den Arslan übrigens ebenso vertritt.

Slomka selbst wiederum gibt sich hinsichtlich der Gerüchte betont professionell:

"Ich nehme solche Spekulationen natürlich wahr, aber ich konzentriere mich voll auf Hannover", so der 44-Jährige kürzlich bei "Sky".

Dreijahresvertrag im Gespräch

Bis zur nächsten Länderspielpause Mitte Oktober soll der Poker beendet sein und der 96-Coach den ihm offenbar angebotenen Dreijahresvertrag angenommen haben.

Im Fokus der Bayern stünde Slomka, dem Anfang 2011 schon einmal ein Wechsel verweigert worden war (zum VfL Wolfsburg), aber aktuell.

Und: Der "Sport Bild" zufolge ist nicht zuletzt Präsident Uli Hoeneß angetan von der Arbeit des ehemaligen Schalke-Trainers, der Hannover zum zweiten Mal ins internationale Geschäft führte.

Guardiolas Manko: Kein deutsch

Auch Berthold, der ohnehin glaubt, "dass es Heynckes' letztes Jahr sein wird bei den Bayern, spricht sich bei SPORT1 für einen deutschen Coach aus.

"Bei der Suche nach dem Nachfolger spielt vor allem die Sprache eine große Rolle", so der Ex-Nationalspieler. "Die Kommunikation mit dem Team und unter vier Augen mit den Spielern ist elementar."

Arsenals des Deutschem mächtigen Arsene Wenger hält Berthold "für nicht realistisch. Und Leute mit internationalem Format wie Rafa Benitez und Pep Guardiola sprechen kein Deutsch."

Allerdings hätte Guardiola in seinem derzeitigen Sabbatjahr genügend Zeit für einen Deutschkurs.

Martinez? "Schon sehr gute Ansätze"

Guardiolas spanischer Landsmann und Bayerns neuer Sechser Javi Martinez paukt schon jetzt fleißig Vokabeln - und überzeugt auch sonst: (Geheimpremiere für Bayern-Traumpaar)

"Ich habe bei Martinez' Kurzeinsatz gegen Stuttgart schon sehr gute Ansätze gesehen", sagt Beckenbauer über den 40-Millionen-Transfer aus Bilbao. "Heynckes genießt nun den Luxus, auf vielen Positionen starke Alternativen zu haben."

Dass die Investition sehr teuer war, bekümmert den "Kaiser" kaum: "Wir sind ein Fußballverein, der in die Mannschaft investiert und keine Hochhäuser baut. Und aufs Festgeld gibt's ja eh kaum noch Zinsen."

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