Frank Arnesen (r.) ist seit Juli 2011 Sportdirektor beim Hamburger SV © getty

Van der Vaarts Verpflichtung und andere Transfers treiben den HSV tief in die roten Zahlen. Der Klub geht auf Abenteuerreise.

Von Martin Volkmar

München/Hamburg - Endlich war die Euphorie in Hamburg zurück.

3.000 Zuschauer wollten am Freitagabend das erste "Heimspiel" von Rafael van der Vaart für den HSV beim Oberligisten Niendorf sehen.

Sie wurden nicht enttäuscht: 11:2 gewann der Bundesligist, der Hoffnungsträger erzielte einen Treffer und auch sonst war Thorsten Fink vollauf zufrieden.

"Man hat eine ganz andere Mannschaft gesehen als noch vor ein paar Wochen. Wir gehen mit Spaß und Spielfreude aufs Feld", meinte der Trainer.

"Van der Vaart der Chef im Ring"

"Und jeder hat gesehen, dass van der Vaart der Chef im Ring ist."

Doch schon am Wochenende kamen die Negativschlagzeilen zurück - auch wegen van der Vaart.

Denn die rund 24 Millionen Euro Ablösegelder, darunter allein 13 Millionen für den Niederländer, erhöhen die finanziellen Probleme des angeschlagenen Klubs weiter (KOLUMNE: van der Vaart kein Allheilmittel).

Jarchow belasten die Schulden

"Das belastet mich, damit tue ich mich auch nicht leicht", musste HSV-Boss Carl-Eduard Jarchow dem "NDR" gestehen.

Die Kosten der späten Transfers treiben den Verein noch tiefer in die roten Zahlen, so Jarchow: "Das fürchte ich, ja. In der Tat."

Entsprechend abenteuerlich sind teilweise die Versuche, neue Geldquellen aufzutun. Schon in der Vorbereitung ging es nach Südkorea, nun droht eine noch strapaziösere Reise.

[kaltura id="0_3qmbub7p" class="full_size" title="Van der Vaarts Premiere"]

Im Dezember für zwei Tage nach Brasilien

Am 8. Dezember wird der Verein beim zweimaligen brasilianischen Meister Gremio Porto Alegre das neue Stadion einweihen und dafür rund 800.000 Euro Antrittsgage einstreichen.

Dafür allerdings fliegt der HSV unmittelbar nach dem Abendspiel gegen 1899 Hoffenheim am 7. Dezember nach Südamerika und reist schon in der Nacht nach dem Spiel in Porto Alegre wieder zurück.

Schon fünf Tage später geht es zum Bundesligaspiel in Leverkusen (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"Trotz des straffen Terminplans freuen wir uns sehr, diese besondere Einladung anzunehmen und uns im Land der nächsten Fußball-WM zu präsentieren", erklärte Sportchef Frank Arnesen.

Kritik an Arnesen immer lauter

Doch immer mehr Kritiker werfen dem Dänen vor, dass seine missglückte Kaderplanung und die sportliche Talfahrt der Hauptgrund für solche Abenteuerreisen sind, die dem Erfolg in der Liga eher hinderlich sein dürften.

"Frank Arnesen hat in seiner Zeit beim HSV sicherlich nicht gezeigt, dass er in der Lage ist, den Verein sportlich zu führen", sagte SPORT1-Experte Thomas Strunz im Volkswagen Doppelpass:

"Für mich ist es ganz dramatisch: Dieses Jahr hatte man eine lange Sommerpause, wie es sie so noch nicht gab. Und der HSV nimmt drei Tage vor Transferschluss 20 Millionen in die Hand für Neuverpflichtungen. Da stelle ich mir die Frage, wo denn da eine langfristige konzeptionelle Planung innerhalb des Vereins und eine Absprache untereinander ist."

Rückendeckung vom Aufsichtsrat

Zuletzt war Arnesen unter anderem vorgeworfen worden, dass er eine überhöhte Ablöse für Milan Badelj von Dinamo Zagreb (angeblich 3,5 Millionen Euro) gezahlt haben soll.

Der Aufsichtsrat hatte sich daraufhin hinter den Sportchef gestellt, allerdings erst nach neunstündiger Debatte.

Auch Jarchow stützte seinen Vorstandskollegen und bestritt die ihm zuletzt zugeschriebenen Unmutsäußerungen in dessen Richtung:

"Die Kritik an der Transferpolitik betrifft den gesamten Vorstand. Insofern habe ich mich auch selbst gemeint. Ich habe bestimmt nicht Kritik an Frank Arnesen üben wollen, das ist eine reine Interpretation."

Weiterlesen