Bayerns Thomas Müller (r.) absolvierte bislang 34 Länderspiele © getty

Die Rekonvaleszenten kehren zurück, das Hauen und Stechen nimmt zu. Strunz bewertet das positiv. Müller ist wieder der Alte.

Von Andreas Kloo

München - Nach der Länderspielpause wird sich der Trainingsplatz des FC Bayern richtig füllen.

Nicht nur die 13 Nationalspieler kehren dann wieder an die Säbener Straße zurück.

Auch ein Rekonvaleszenten-Quartett steht vor dem Comeback.

Rechtsverteidiger Rafinha hat sogar schon wieder sein erstes Spiel hinter sich. Nach seinem Bänderriss im Sprunggelenk stand er beim Geheimtest gegen den Katar (1:0) in der Startelf.(Geheimpremiere für Bayern-Traumpaar)

Diego Contento hat zumindest wieder mit dem Lauftraining begonnen. Der Deutsch-Italiener litt an einer Stressreaktion im Fuß.

Und David Alaba (Ermüdungsbruch) und Mario Gomez (Sprunggelenks-OP) machen auch Fortschritte, bei den beiden steht die Aufnahme des Lauftrainings kurz bevor.

Alaba und Gomez brennen auf Rückkehr

"Es fühlt sich jetzt viel besser an", berichtete Alaba am Mittwoch. Spätestens "in zwei, drei Wochen" wolle er wieder am Mannschaftstraining teilnehmen.

Gomez hat die Krücken ebenfalls in die Ecken gelegt. Vergangene Woche strampelte er täglich fleißig auf dem Fahrrad-Ergometer.

Vor allem Alaba und Gomez werden auf ihre Rückkehr brennen. Sie waren vor ihren Verletzungen Stammspieler und werden sich diese Position nun wieder zurückholen wollen.

Der 20-jährige Österreicher hatte sich in der letzten Saison einen Platz auf der linken Abwehrseite erobert, der Angreifer 26 Tore erzielt.

Strunz erwartet Überraschungsmomente

Ein Hauen und Stechen um die Startplätze bei den Bayern steht also bevor.

SPORT1-Experte Thomas Strunz sieht diesen Konkurrenzkampf positiv: "Der Kader ist so ausgeglichen besetzt, dass man gar nicht weiß, wie die Mannschaft am nächsten Spieltag spielt. Das kann zu Überraschungsmomenten führen, auch taktischer Art", sagte er im Volkswagen Doppelpass.

Trainer Jupp Heynckes müsse nun viel Fingerspitzengefühl beweisen: "Es ist die Aufgabe des Trainers, dafür zu sorgen, dass die Spieler zufrieden sind und er ihnen seine Arbeit erklärt."

Nach dem Rekordstart in die Saison sieht Strunz die Münchner auf einem guten Weg: "Auch ohne Martínez hat die Mannschaft begriffen, um was es geht."

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Müller "unglaublich gierig"

Wie recht der frühere Bayern-Spieler mit dieser Einschätzung hat, wird klar, wenn man Thomas Müller zuhört.

In der "Welt am Sonntag" bekennt er, dass die Mannschaft nach zwei titellosen Jahren wieder "unglaublich gierig" auf den Titel sei: "Wir können uns wieder freuen, Meister zu werden. Denn da gibt es in Dortmund einen Konkurrenten, der richtig stark ist."

Auch über seine eigene Leistung kann sich Müller wieder freuen. Die Talsohle der letzten Saison hat er offenbar durchschritten. Mit drei Treffern aus zwei Spielen führt er momentan die Bundesliga-Torschützenliste an.

Keine Abwanderungsgedanken

Er gibt zu, dass ihm sein kometenhafter Aufstieg mit der Torjägerkrone bei der WM 2010 auch zu schaffen machte.

"Dadurch lag die Messlatte hoch. Vor allem in der Öffentlichkeit, die nicht immer weiß, was in einem Spieler vorgeht."

Wegen seiner sportlichen Krise musste Müller in der Vorsaison in einigen wichtigen Partien, so in beiden Champions-League-Halbfinals und im Pokalfinale, zunächst auf der Ersatzbank schmoren. Aus seiner Unzufriedenheit machte er keinen Hehl und kokettierte mit Abwanderungsgedanken.

Davon will er nun nichts mehr wissen: "Der FC Bayern ist kein Verein, von dem man unbedingt weggehen muss. Jahr für Jahr sind große Ambitionen da, und die Erfolgsaussichten sind groß."

Nationalspieler alle erfolgreich

Groß ist auch das Selbstvertrauen der Bayern nach 9:1 Toren und 6 Punkten. Bei den Länderspielen am Freitag ist es weiter angewachsen.

Alle Nationalspieler feierten mit ihren Teams ausnahmslos Siege. Arjen Robben leistete mit der Niederlande beim 2:0-Erfolg gegen die Türkei Wiedergutmachung für das blamable EM-Aus.

Und Xherdan Shaqiri wurde nach dem 2:0-Erfolg der Schweiz in Slowenien gefeiert. Der Schweizer Boulevard rühmt das Zusammenspiel zwischen Shaqiri und Gladbachs Granit Xhaka bereits als "Shaqi-Xhaka", die Schweizer Form des spanischen Tiki-Takas.

Mario Mandzukic (mit Kroatien), Franck Ribery (mit Frankreich) und Daniel van Buyten (mit Belgien) fuhren ebenfalls Erfolge ein.

Die Gier nach weiteren Siegen - aber auch nach Startelfplätzen - dürfte bei den Spielern nicht kleiner geworden sein.

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