MATTHIAS GINTER (ab 90.): Kommt für seinen verletzten Dortmunder Teamkollegen noch zu einem Kurzeinsatz. Ohne Bewertung
Markus Babbel trainierte bisher den VfB Stuttgart und Hertha BSC Berlin © getty

Hoffenheims Coach Markus Babbel spricht im SPORT1-Interview über den Fehlstart, die aufkommende Kritik und gesteht Fehler ein.

Von Reinhard Franke

München - Er weiß, wie sich Siege anfühlen.

In seinen insgesamt 17 Jahren beim FC Bayern wurde ihm das Sieger-Gen eingeimpft.

Markus Babbel kennt also das Gefühl, ganz oben zu stehen. Als Trainer von 1899 Hoffenheim ist dem 39-Jährigen dieses Gen aber offenbar abhandengekommen.

Nur vier Siege in 16 Spielen unter seiner Regie. Mit den Kraichgauern wollte Babbel in dieser Saison hoch hinaus, das internationale Geschäft war das Ziel, doch er legte einen katastrophalen Fehlstart hin.

Zwei Pleiten in der Liga, zuletzt das beschämende 0:4 zu Hause gegen Frankfurt (Nachbericht), und das Aus im DFB-Pokal belegen, dass es noch nicht nach Plan läuft trotz eines attraktiven Kaders mit Hochkarätern wie Keeper Tim Wiese. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Im SPORT1-Interview spricht Babbel über den Fehlstart, die aufkommende Kritik, sein Naturell - und gesteht Fehler ein.

SPORT1: Herr Babbel, drei Niederlagen am Stück. Macht Sie dieser Horror-Start ratlos?

Markus Babbel: Nein. Wenn ich ratlos wäre, dann würde ich sagen: Das war's für mich. Ich bin keiner, der aufgibt. Wir zeigen nicht, was wir können und dementsprechend ist die Ausbeute sehr mager.

SPORT1: Nach dem Fehlstart suchten Sie nach Erklärungen. Sind Sie fündig geworden?

Babbel: Natürlich war ich nach der Pokalniederlage in Berlin ratlos. Aber wir arbeiten mit den gewonnenen Erkenntnissen hochkonzentriert weiter, um uns an den entscheidenden Stellen zu verbessern. Eine wichtige Lehre aus den drei Pleiten ist, dass wir dazu bereit sein müssen, taktische Vorgaben zu einhundert Prozent umzusetzen. Wenn uns das gelingt, ist es schwer uns zu schlagen, wenn nicht, kriegen wir Probleme.

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SPORT1: Warum werden Ihre Vorgaben noch nicht umgesetzt?

Babbel: Wir haben einen größeren Umbruch, die neuen Spieler müssen sich an einen neuen Trainer und möglicherweise unbekannte taktische Aufgaben gewöhnen. Dazu müssen die Spieler auf dem Platz zu einer Einheit wachsen, müssen zusammen funktionieren. Da wollen, da müssen wir hin. Aber das braucht ein wenig Zeit. Wir stehen mit null Punkten da und das ist enttäuschend und zu wenig. Ich bin ganz froh, dass jetzt die Länderspielpause ist. Die tut uns gut, jetzt können wir uns sammeln und in Ruhe auf die nächsten Aufgaben vorbereiten

SPORT1: Was haben Sie falsch gemacht?

Babbel: Es kann gut sein, dass ich mir zu sicher war, weil die Trainingseinheiten und die Testspiele in der Vorbereitung zufriedenstellend waren. Ich bin davon ausgegangen, dass wir Berlin im Pokal schlagen werden. Ich hätte da vielleicht früher reagieren müssen. Aber es wird keine Schuldzuweisungen geben, wir sitzen alle in einem Boot, kriegen jetzt Gegenwind, sind aber in der Lage, das auszuhalten.

SPORT1: Sie waren in Ihrem Leben immer ein Kämpfer, besiegten privat sogar eine Nervenkrankheit. Wie viel Kraft kostet Sie die aktuelle Situation?

Babbel: Mein ganzes Leben hat sich so abgespielt, dass es Höhen und Tiefen gab. Jetzt haben wir ein paar Nackenschläge bekommen. Ich bin aber der Letzte, der von Bord springt. Ich bin das beste Beispiel, dass es sich lohnt zu kämpfen. Und das werden wir machen. Wenn einer nicht mitzieht, bekommt er ein Problem mit mir. Wir kriegen zu Recht Kritik, aber wir lassen uns dadurch nicht vom Glauben an ein besseres, ein erfolgreicheres Auftreten abbringen.

SPORT1: Sie hatten in Ihrem Trainer-Leben immer dann Erfolg, wenn man Sie in Ruhe arbeiten ließ. Spüren Sie diese Ruhe noch?

Babbel: Vom Verein ja. Hier herrscht Ruhe. Wir sind nicht zufrieden mit der Situation, akzeptieren die Kritik und ziehen die richtigen Schlüsse daraus. Ich spüre die absolute Rückendeckung vom Klub. Klar ist aber auch: Wir müssen langsam Resultate abliefern.

SPORT1: Sie loben die Trainingsbedingungen in Hoffenheim, kritisieren aber andererseits auch die Gefahr der Bequemlichkeit in so einem Umfeld. Wie passt das zusammen?

Babbel: Das ist ein zweischneidiges Schwert. Es ist eine große Möglichkeit dadurch zwei, drei Punkte mehr herauszuholen. Aber es besteht die Gefahr, dass es eine gewisse Selbstverständlichkeit wird. Aber das hier ist nicht selbstverständlich. Ich war bei mehreren Vereinen und weiß es zu schätzen, wie es in Hoffenheim ist. Es gibt optimale Bedingungen und eine Riesenchance, sich von dem einen oder anderen Konkurrenten abzuheben. Man muss nur aufpassen, dass niemand zu bequem wird.

SPORT1: Was lässt Sie hoffen, dass es kein Abstiegsfrust wird, sondern doch noch die Lust auf Europa?

Babbel: Wir sollten nach Etappenzielen suchen, müssen endlich punkten, um weiter in Ruhe arbeiten zu können. Die zunehmende Kritik von außen geht auch an den Spielern nicht spurlos vorbei. Ich glaube nach wie vor, dass das Ziel Europa nicht zu hoch gegriffen ist.

SPORT1: Was werden Sie konkret anders machen?

Babbel: Wir haben einen Plan und an dem halten wir fest. Ich versuche die Jungs so zu schulen, dass sie noch besser verstehen, was ich will. Ich halte nichts von Straftraining, nur damit ich in der Öffentlichkeit besser dastehe. Es ist jetzt schwierig, aber die Jungs sollen merken, dass ich mich nicht von meinem Weg abbringen lasse. Mein Plan ist weiter der richtige.

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