Emanuel Pogatetz wechselte im Sommer von Hannover 96 zum VfL Wolfsburg © imago

Wolfsburgs Verteidiger reagiert mit Unverständnis auf die Beleidigungen der Hannover-Fans. 96-Boss Kind fordert neue Maßnahmen.

Wien - Emanuel Pogatetz hat mit Unverständnis auf die üblen Beleidigungen durch Fans seines früheren Vereins Hannover 96 reagiert.

"Das gibt es leider überall, dass manche Anhänger immer depperter werden. Die wissen überhaupt nicht, warum ich den Klub gewechselt habe", sagte er im Trainingslager der österreichischen Nationalmannschaft.

Eine Gruppe von 96-Fans hatte den Verteidiger des VfL Wolfsburg, der Hannover vor Saisonbeginn in Richtung des Nachbarn verlassen hatte, am vergangenen Sonntag am Rande des Niedersachsenderbys (Nachbericht) als "Sohn einer Hure" verunglimpft.

Lob für Kind

"Ich habe für Hannover zwei Jahre lang mein Herzblut gegeben. Dass ich dann so behandelt werde, finde ich nicht in Ordnung. Es ist schade, dass so etwas passiert ist, mit so etwas hätte ich nicht gerechnet", sagte Pogatetz.

Hannovers Präsident Martin Kind hatte die Pöbler von Wolfsburg als "Arschlöcher" bezeichnet und sich bei Pogatetz persönlich für die Angriffe entschuldigt.

"Herr Kind ist ein großartiger Präsident, er hat wirklich große Klasse", sagte Pogatetz über seinen früheren Chef. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Neue Maßnahmen

Kind wünscht sich derweil eine andere Handhabe gegen Täter, die sich in der Masse verstecken. 606960 (DIASHOW: Der 2. Spieltag)

"Da müssen gesetzliche Normen geändert werden. In Wolfsburg haben 100, 150, vielleicht auch 200 Leute den Spruch minutenlang gesungen. An wen wollen sie da rangehen?", sagte Kind und regte an:

"Da müssen wir prüfen, inwiefern wir Strafen und Stadionverbote aussprechen können, ohne dass man es im Einzelfall zu einhundert Prozent beweisen kann."

"Andere Qualität" der Anfeindungen

Schmähungen wie die in Wolfsburg gingen "sehr weit", sagte Kind:

"Sie lassen befürchten, dass das erst der Beginn einer Entwicklung ist, dass die Grenzen sich verschieben und wir nicht wissen, wo das endet."

Kind sieht keinen übergreifenden Trend zur Eskalation, aber "eine andere Qualität" der Anfeindungen.

"Androhung zu körperlicher Gewalt, das ist eine Grenze, die nicht überschritten werden darf", sagte Kind mit Blick auf den von Köln-Fans bedrohten Kevin Pezzoni.

Wortwahl bewusst gewählt

Der Unternehmer verteidigte seine barsche Wortwahl gegenüber den 96-Fans.

"Ich habe die harten Worte ganz bewusst gewählt. Eine sehr plakative Aussprache verstehen die besser als eine diplomatische Sprache. Ich sage: Wehret den Anfängen, das ist eine bedrohliche Entwicklung."

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