Matthias Sammer trat in diesem Sommer den Job als Sportdirektor beim FC Bayern an © imago

Bayerns Sportdirektor wehrt sich bei SPORT1 gegen die Vorwürfe des Ex-Torwarts. Er spricht auch über Schweinsteiger und Pezzoni.

München - Am Mittwoch feierte Matthias Sammer seinen 45. Geburtstag.

Doch auch der Ehrentag hinderte den Sportdirektor des FC Bayern München nicht daran, sich zur öffentlichen Kritik von Oliver Kahn an seiner Person zu äußern. (VEREINSSEITE: FC Bayern)

Der langjährige Bayern- und Nationaltorwart hatte Sammer vorgeworfen, dass er durch seine Präsenz und seinen Kommentare zu Taktik und Personal wie ein zweiter Trainer erscheine und sich so in den Aufgabenbereich von Trainer Jupp Heynckes einmische.

"Das war für mich eine Enttäuschung, überhaupt keine Frage", sagt Sammer nun im SPORT1-Interview.

"Ich will ihm ja nichts vorschreiben, aber die Experten müssen eine Rolle einnehmen, die Dinge inhaltlich zu bewerten", erklärte Sammer.

"Und von einem, der neu im Verein ist, irgendwelche Botschaften abzuleiten, die da vielleicht mal erkennbar scheinen, wenn die Spiele laufen, und die Wirkung mit einem möglichen Trainer zu vergleichen, halte ich für fahrlässig", führte Sammer weiter aus.

Böse ist der Europameister von 1996 Kahn aber nicht. Das Tischtuch zwischen den beiden sei nicht zerschnitten.

"Das ist viel zu wenig, weil wir viel zu viele Gespräche geführt haben und er auch zu wichtig für den deutschen Fußball ist", erklärte der FCB-Sportdirektor: "Aber nicht in Zukunft für das, was er aktuell tut, sondern irgendwann in verantwortlicher Position."

Im SPORT1-Interview äußerte sich Sammer außerdem über Bastian Schweinsteiger, Javier Martinez und den Fall Kevin Pezzoni.

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Matthias Sammer über...

Kevin Pezzoni:

"Mich beschäftigt das Thema sehr, weil ich Kevin natürlich ganz gut kenne. Es haben sich jetzt relative viele zu Wort gemeldet. Ich erwarte aber auch, dass sich die entscheidenden Leute die entsprechenden Gedanken machen, um Themen, die sicherlich schwierig zu bearbeiten sind, auch konkret zu benennen: Die Liga, der DFB ? da müssen die Spezialisten ran, um auch für sich in Anspruch zu nehmen, wie wir die Problematik lösen können. Es ist beängstigend."

"Eine Nation reagiert immer erst dann, wenn es ganz problematisch ist, aber ich glaube, dass viele Dinge schon im Ansatz erkennbar sind."

"Ich bin der Meinung, dass die Faktoren des Fußballs und die, die ihn auch verantworten, das Heft in der Hand behalten müssen ? speziell und auch übergeordnet. Die erzieherischen Faktoren müssen in der Hand der Liga, des DFB oder der Vereine bleiben."

Schweinsteiger, Lahm und Neuer:

"Es gibt keine Patentlösung, was Führungsaufgaben und den Umgang mit der Führung betrifft. Bastian, Philipp und Manuel sind für mich erst einmal diese drei Spieler, die das Prädikat Führungsspieler beim FC Bayern verkörpern müssen. Sie müssen es leben und lernen, miteinander ein Bündnis einzugehen."

"Sie müssen noch mehr aufeinander achten und in gewissen Situationen die Sensibilität haben, einen starken Kern zu bilden. Von der Denkweise sind Bastian und auch Philipp selber in der Lage, das zu erkennen.

"Sie müssen sich nur weiter stärken. Manchmal standen sie vielleicht noch ein bisschen alleine für sich und dementsprechend müssen sie sich da immer wieder gegenseitig unterstützen."

Robbens Führungsansprüche:

"Er ist vom Typus her eigentlich ein Individualist - wenn man mal diese drei Kategorien Führungsspieler, Teamplayer und Individualist zu Grunde legt. Von der Art und Weise ist er sicherlich ein Spieler, der ein gewisser Freigeist und aufgrund seiner Denkweise in der Lage ist, für unsere Mannschaft Außergewöhnliches zu leisten."

"Er hat ein gutes Gefühl für Situationen und ein gutes Gespür, wann er sich auch mal verbal zu Wort melden muss. Dementsprechend ist er ein guter Bestandteil. Nur ist der Kern des FC Bayern sicherlich erst mal durch diese drei Spieler geprägt."

"Diese drei Spieler werden aber immer wieder nicht nur für sich auf irgendeiner einsamen Insel agieren, sondern wichtige Spieler dann auch mit einbeziehen."

den Führungsspieler Bastian Schweinsteiger:

"So wie ich ihn kennen gelernt habe, ist Bastian grundsätzlich jemand, der sich um den Fußball sehr viele Gedanken macht und der sehr tiefgründig und feinfühlig ist. Nach den Gesprächen und den Denkweisen, die ich da rausgehört habe, kann ich nur sagen, dass er sehr wohl ein Führungsspieler ist.

"Er ist nicht vergleichbar mit Spielern in verschiedenen Generationen, das muss man unterscheiden. Er ist ein Spieler, der einen starken Tiefgang hat und er ist in meinen Augen eine bemerkenswerte Persönlichkeit."

Javi Martinez:

"Javi ist ein Spieler, der von seinem ganzen Wesen eine unglaublich gute Ausstrahlung hat. Er bringt Voraussetzungen mit: Einerseits natürlich von seiner körperlichen Konstitution, andererseits von seiner Ausstrahlung. Er war schon immer sehr erfolgreich und kann mit Druck sehr gut umgehen."

"Dementsprechend wird er von der Ausstrahlung relativ schnell eine starke Wirkung haben. Das andere ist natürlich dann, die deutsche Sprache zu lernen. Aber er scheint mir ein kleines Sprachgenie zu sein. Deshalb gehe ich davon aus, dass das relativ schnell geht."

die Philosophie des FC Bayern:

"Es geht auf Dauer um diesen Geist bei Bayern München - dieses Gefühl, miteinander umzugehen. Ich glaube ein ganz wichtiger Bestandteil für die Zukunft des FC Bayern wird sein, wie wir zum Beispiel mit Ersatztorwart Tom Starke umgehen. Wie gehen wir damit um, dass er unter normalen Umständen nicht dran kommt?"

"Oder Daniel van Buyten, Rafinha und Anatoli Timoschtschuk. Das sind Spieler, die momentan wenig Erwähnung finden. Die ganz große Stärke des FC Bayern wird auch in Zukunft darin liegen, dass durch einen vergrößerten Kader, der notwendig war, auch die Anerkennung für alle gegeben sein muss."

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