Javier Martinez (l.) bestritt bisher acht Länderspiele für Spanien © getty

Bayern fegt über Stuttgart hinweg, Neuzugang Martinez freut es. Gustavo nimmt die Konkurrenz an. Schweinsteiger mit Optimismus.

Vom FC Bayern berichtet Mathias Frohnapfel

München - Es war sein 24. Geburtstag und sein erstes Pflichtspiel für den FC Bayern.

Doch es dauerte bis zur 77. Minute, ehe auf der Anzeigetafel in der Allianz Arena die Nummer acht aufleuchtete. Jene Nummer, die beim FCB einst Leitwolf Paul Breitner getragen hat, und die jetzt Javier Martinez gehört.

6:1 stand es da bereits für die Münchner gegen den VfB Stuttgart (SPIELBERICHT). (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Die Kollegen zerlegten die Schwaben nach Herzenslust, als ob sie dem neuen "Companero" ("Kollegen") zeigen wollten: "Bienvenido, wir können auch Fußball spielen."

"Ich bin sehr glücklich"

Denn so enthusiastisch hatten die Bayern-Bosse zuletzt von den Qualitäten des 40-Millionen-Euro schweren Neuzugangs aus Bilbao geschwärmt, dass sie fast die Fähigkeiten des eigenen Kaders vergessen hätten.

Martinez lächelte, als er von SPORT1 auf die Show des neuen Teams angesprochen wurde.

"Ich bin sehr glücklich hier zu sein mit diesen Mitspielern. Das ist eine der größten Mannschaften der Welt", sagte der Spanier.

Er selbst hatte ja nur ein paar gewonnene Zweikämpfe beitragen können und in manchen Situationen gezeigt, dass er wie auf einem Radar vorhersehen kann, wie sich eine Spielsituation entwickelt.

Lob für Martinez' Ausstrahlung

Das gefiel auch Karl-Heinz Rummenigge.

Der Bayern-Vorstandsboss bescheinigte Martinez gute Ansätze und berichtete vom ersten Mittagessen mit dem Spanier am Freitag.

Als "sehr netten Burschen" und "sehr höflich" schilderte er den Mittelfeldabräumer mit einem "recht guten Englisch".

Dann schaute Rummenigge auf die Uhr, er wollte schnell nach Hause, den sonntäglichen "Tatort" nicht verpassen.

Das Spiel war sowieso eine bayerische Machtdemonstration, die der Münchner Oberboss nicht lange erläutern musste.

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Dank für warmherzigen Empfang

Martinez war das Staunen über die neue Mia-san-Mia-Welt anzumerken, vor 71.000 Fans hatten sich die Münchner zwischenzeitlich an ihrem eigenen Können berauscht - eingeladen allerdings von schlafmützigen Schwaben.

"Ich bin für den Moment wunschlos glücklich", sagte der Ex-Spieler von Athletic Bilbao angesichts dieses Starts und bedankte sich bei allen, die ihn "mit offenen Armen" empfangen hatten. 606960 (DIASHOW: Der 2. Spieltag)

Bisher hat er noch keine Wohnung gefunden, so schnell ging am Ende alles mit dem in Last-Minute-Manier fixierten Rekordtransfer der Bundesliga.

Bayerns neue Kraft im Zentrum

Mit Bruder Alvaro wollte Martinez dann noch ein wenig seinen Geburtstag feiern.

Und mit Sicherheit haben die beiden dabei auch über das Bayern-Mittelfeld gesprochen, das gegen den VfB glänzte wie seit langem nicht.

Das Besondere: Nicht auf den Flügeln wie sonst, sondern im Zentrum zermürbte der FCB den Gegner.

Der Führungstreffer der Schwaben von Martin Harnik war so der Reizpunkt für hungrige Bayern.

Gustavo nimmt Konkurrenz an

Thomas Müller legte los, Toni Kroos machte 120 Sekunden später das 2:1. Und Luiz Gustavo donnerte den Ball vor dem Pausenpfiff zum 3:1 ins Tor - aus 30 Metern.

Kroos könnte im Zweifelsfall auf Martinez' Position im defensiven Mittelfeld spielen, Gustavo ist ein direkter Konkurrent.

"Ich will der Mannschaft immer helfen und dieses Tor hat der Mannschaft geholfen", erklärte der Brasilianer.

"Ich glaube, ich kann alles machen, wenn ich das Vertrauen haben", kündigte Gustavo an.

Sich selbst will er nicht verrückt machen lassen von all den Lobeshymnen auf Martinez. "Ich bleibe ruhig und will so weitermachen." Die Konkurrenzsituation, glaubt er, mache alle stärker.

"Ich freue mich für Basti"

In der Vorsaison hielt Gustavo in wichtigen Partien in der Champions League Bastian Schweinsteiger den Rücken frei und gratulierte auch deshalb dem Vizekapitän besonders zum gelungenen Comeback in der Startelf.

Da Arjen Robben mit einer Erkältung fehlte, war Schweinsteiger von Anfang an dabei und traf per Kopf zum 6:1.

"Er ist ein super Spieler und Mensch, ich freue mich sehr für ihn", meinte Gustavo auf SPORT1-Nachfrage.

"Ich bin seit der Woche einen Tick glücklicher, weil ich endlich wieder beschwerdefrei bin und keine Probleme mehr am Fuß habe", sagte Schweinsteiger bei LIGA total!.

"Das ist das erste Mal wieder seit Februar, dass der Körper ganz gesund ist und dann macht es auch Spaß."

Schweinsteiger erkennt neue Motivation

Dass der FCB nach zwei Siegen und 9:1-Toren nach zwei Spieltagen souveräner Tabellenführer ist, tat der Oberbayer mit einem langgezogenen "ach" ab.

Soll heißen, ist doch noch nichts passiert. Schweinsteiger gestand aber auch: "Ich sehe einen gewissen Hunger".

Mit dem, so hoffen die Bayern, ist vor allem der künftige Schweinsteiger-Zuarbeiter Martinez ausgestattet.

"Er hat schon angedeutet, dass er kicken kann. Er ist genau der Spieler, den wir brauchen", sagte Heynckes bei "sky".

Stuttgarter völlig neben sich

Die Stuttgarter schlichen in der "Mixed Zone" derweil mit gesenkten Köpfen an der plaudernden und scherzenden Bayern-Familie vorbei.

Null Punkte und Tabellenplatz 18 - was für ein grausames Bild für die Schwaben.

"Wir müssen das aufarbeiten. Das werden wir machen", stöhnte Torhüter Sven Ulreich.

Und Torschütze Harnik bekannte mit einiger Verzweiflung: "Wir haben uns die Dinger selbst reingelegt. Wir sind in der ersten Halbzeit richtig gut angefangen, dann aber total eingebrochen."

Die "total vielen Ballverluste in der eigenen Hälfte" seien letztlich wie ein Präsent für Bayern gewesen. Die nahmen dankend an, es war ja Martinez' Geburtstag.

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