Rafael van Vaart bestritt zwischen 2005 und 2008 74 Spiele für den HSV © getty

Der HSV verliert gegen Bremen, doch Fink will nichts von Abstiegskampf wissen. Jansen und Westermann setzen auf van der Vaart.

Von Christian Stüwe

München/Bremen - Der Hoffnungsträger des Hamburger SV saß auf der Tribüne des Weserstadions, schrieb Autogramme, machte Fotos und strahlte mit Gattin Sylvie um die Wette.

13-Millionen-Mann Rafael van der Vaart war bei der 0:2-Pleite des HSV im Nordderby gegen Werder Bremen (Bericht) noch nicht spielberechtigt, dennoch drehte sich fast alles um ihn. 606960 (DIASHOW: Der 2. Spieltag)

"Rafael hätte die Bälle so gespielt, dass es den Bremern richtig wehgetan hätte", bemühte Marcell Jansen nach Abpfiff gar den Konjuktiv.(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Doch an der traurigen Realität des letzten verbliebenen Bundesliga-Gründungsmitgliedes konnte van der Vaart nichts ändern.

Auch das dritte Pflichtspiel ging verloren - und van der Vaarts Lächeln wurde angesichts der Leistungen seiner neuen Kollegen während der 90 Minuten immer gequälter.

Adler verhindert Schlimmeres

Vorne harmlos, hinten wackelig, mit Ausnahme des starken Torwarts Rene Adler präsentierte sich der HSV kaum bundesligareif.

Umso mehr richten sich nun alle Hoffnungen auf den 29 Jahre alten van der Vaart, der bei seinem letzten Gastspiel in Hamburg zum "kleinen Engel" avancierte.

"Er ist eine Persönlichkeit und ein guter Fußballer", sagte Kapitän Heiko Westermann: "Und damit kann er uns natürlich schon gut weiterhelfen."

Jiracek verschuldet Gegentor

Zumal das Debüt zweier anderer Neuzugänge ziemlich durchwachsen ausfiel.

Milan Badelj wurde nach einer durchwachsenen ersten Halbzeit mit muskulären Problemen ausgewechselt.

[kaltura id="0_l63psop3" class="full_size" title="Van der Vaart will ganz Hamburg mitrei en"]

Der aus Wolfsburg gekommene Petr Jiracek bemühte sich zwar nach Kräften und spielte trotz einer in der ersten Hälfte erlittenen Fußprellung durch, verschuldete mit einem Ballverlust allerdings auch das zweite Gegentor durch Bremens Nils Petersen (67.).

Der erste Gegentreffer ging wiederum auf die Kappe des früheren Nationalspielers Dennis Aogo, der im Strafraum den Ball amateurhaft verlor und dann einen Elfmeter verschuldete.

Aaron Hunt verwandelte eiskalt (52.), nachdem er zehn Minuten zuvor noch vom Punkt an Adler gescheitert war.

Fehler ärgern Fink

"Es darf uns nicht passieren, dass wir durch solche individuellen Fehler verlieren", schimpfte der Trainer in Richtung von Aogo und Jiracek:

"Gerade im Strafraum zu dribbeln, wenn man im Derby spielt - da muss man den Ball auch einfach mal wegknallen."

Dies seien die Dinge, die im Fußball entscheiden, ärgerte sich Fink weiter: "Wir können uns im Moment nicht selbst belohnen."

Vor der Saison war in Hamburg wieder einmal der Umbruch beschworen worden, nun könnte dem HSV ausgerechnet der Nordrivale Werder vormachen, wie ein gelungener Neustart aussieht.

Hunt zufrieden

"Wir sind eine ganz andere Mannschaft als im letzten Jahr", sagte Hunt, der von seinen Teamkollegen trotz des Patzers beim ersten Strafstoß zum zweiten Elfmeter förmlich gedrängt wurde.

"Der Druck war natürlich ein bisschen größer, deshalb habe ich härter geschossen", erklärte der nervenstarke Bremer, der mit Marko Arnautovic und Nils Petersen ein starkes Offensiv-Dreieck bildete, lapidar.

"Ich fand es bemerkenswert, dass die Mannschaft das selbst geregelt und Aaron noch einmal das Vertrauen gegeben hat", freute sich Trainer Thomas Schaaf.

Fink: Kein Abstiegskampf

Von einem solchem Teamgeist können die Hamburger derzeit nur träumen. Umso überraschender war die Einschätzung von Trainer Fink.

"Wir werden nicht im Abstiegskampf spielen, ganz einfach", verkündete er.

Einen Großteil seines Optimismus zieht Fink offenbar aus der Verpflichtung van der Vaarts.

"Rafael wird seine Tore machen, seine Integration wird schnell gehen. Ich rechne damit, dass wir durch ihn effektiver werden", sagte Fink und versuchte erst gar nicht, Druck von seinem neuen Star zu nehmen.

Welche Last auf seinen Schultern liegt, dürfte auch van der Vaart während der 90 Minuten bewusst geworden sein.

Nach Abpfiff lächelte der "kleine Engel" jedenfalls nicht mehr.

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