Felix Klaus (l.) besitzt in Fürth einen Vertrag bis Juni 2014 © getty

Nach dem historischen ersten Bundesliga-Erfolg ist die SpVgg überglücklich. Mainz hadert dagegen mit seiner Chancenverwertung.

Mainz - Völlig entkräftet und überwältigt sanken die Fürther Sieger auf den Rasen, die mitgereisten Fans schwenkten eine riesige Kleeblatt-Fahne und feierten ihre Mannschaft mit euphorischen Gesängen (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Im Kabinengang empfing Präsdent Helmut Hack die Sieger mit einer ewig langen Umarmung.

"Sporthistorische Geschichte geschrieben" hatte die SpVgg Greuther Fürth, wie Trainer Mike Büskens später etwas gefasster - wenngleich sprachlich doppelt gemoppelt - erklären sollte.

"Es war ein Kampf auf Biegen und Brechen, mit dem glücklicheren Ende für uns", resümierte er bei LIGA total!.

Historisches Tor durch Klaus

Wirklich begriffen hatte die historische Komponente anfangs noch keiner, nicht mal der Mann der Tages.

"Ich habe nur gedacht: Geh' rein, scheiß Ball!", sagte Felix Klaus, der nach 67 Minuten den ersten Fürther Bundesliga-Treffer der Klub-Geschichte erzielte und damit das historische 1:0 (0:0) beim FSV Mainz 05 perfekt gemacht hatte:

"Das war mir noch gar nicht bewusst, dass es das erste Tor war. Das ist für einen jungen Spieler wie mich natürlich unglaublich." 606960 (DIASHOW: Die Bilder des 2. Spieltags) .

Anhänger aus dem Häuschen

Eine Szene hatte der 19-Jährige dann doch genau in Erinnerung:

"Ja, das hätte Rot für den Ilir geben müssen", sagte er augenzwinkernd zu dem "Foul" des eingewechselten Vorlagengebers Ilir Azemi, der Klaus nach dessen Treffer vor lauter Freude zu Boden geworfen hatte.

Die Anhänger der Kleeblätter gerieten bereits nach der bis dahin sehr glücklichen Führung des Aufsteigers völlig aus dem Häuschen.

"Wollten den Sieg unbedingt"

"Es ist natürlich schön für Felix, dass er immer mit diesem historischen Moment in Verbindung gebracht werden wird", sagte Büskens:

"Wir wollten den Sieg unbedingt, haben mit der Einstellung gespielt, unbedingt etwas mitnehmen zu wollen."

Nach der Auftaktniederlage gegen Bayern München (0:3) seien "Untergangsszenarien" heraufbeschworen worden, "da wurden mir Fragen gestellt, da ist mir schwindelig geworden", sagte Büskens.

Büskens stellt um

In Mainz stellte der 44-Jährige sein Team um, brachte mit dem ehemaligen Mainzer Publikumsliebling Milorad Pekovic einen Abräumer und "Krieger" (Büskens) und lies neben Neuzugang Djiby Fall in Sercan Sararer einen zweiten Stürmer spielen.

"Das hat uns stark gemacht", sagte Büskens, versuchte die Euphorie aber gleich wieder zu bremsen:

In der Liga zu bleiben "ist wie den Mount Everest zu besteigen - bis zur Spitze ist es noch ein weiter Weg", sagte er.

Rettig gratuliert

Diesen hätte Präsident Hack in der historischen Nacht wohl zweimal auf einem Bein bestritten.

Den trefflichsten Glückwunsch, erzählte er überglücklich, überbrachte Andreas Rettig, der als Manager des FC Augsburg an gleicher Stelle den ersten Bundesligasieg gefeiert hatte:

"Das erste Mal ist immer am schönsten", las Hack aus seinem Handy vor. Jetzt könne er bei der Heimfahrt endlich auch mal hinten sitzen, sagte Hack, "bei Niederlagen fahre ich immer selbst. Da bin ich noch aggressiv".

Pfeifkonzert der Mainzer

Das waren auch lange nach dem Schlusspfiff noch die Hausherren. Mit einem gellenden Pfeifkonzert hatte der Mainzer Anhang die Niederlage quittiert, Mittelfeldspieler Andreas Ivanschitz schlug vor lauter Frust fast ein Loch in die Wand des Kabinengangs.

Verdient gehabt - das ging bei aller Historie unter - hätte das Team von Trainer Thomas Tuchel mindestens einen Punkt allemal.

"Wir wurden bitter bestraft", sagte Tuchel: "Das müssen wir akzeptieren. " Wie beim Auftakt in Freiburg (1:1) dominierte Mainz das Spiel, hatte eine Vielzahl an Chancen, wieder reichte es nicht zum ersten Sieg.

"Es ist müßig, das Lied jedesmal zu singen, aber uns fehlt das letzte Vertrauen in unsere Abläufe", stellte der Coach bei LIGA total! fest.

"Unsere eigene Schuld"

"Es ist unsere eigene Schuld", sagte Eric Maxim Choupo-Moting:

"Wir hatten drei Hundertprozentige, und Fürth macht aus anderthalb Möglichkeiten das Tor."

Hätten sie gewonnen, "stünde jetzt vieles in einem positiven Licht", sagte Tuchel, der so aber "total unzufrieden" mit der Tabelle war.

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