Kobiashvili absolvierte in seiner Karriere 336 Bundesligaspiele (31 Tore) © imago

Dem Hertha-Profi droht nach dem Relegations-Skandalspiel die Rekordsperre von einem Jahr. Wie die Kollegen legt er Einspruch ein.

Berlin - Für Otto Rehhagel ist er der "fairste Spieler seit dem Zweiten Weltkrieg", doch jetzt drohen Levan Kobiashvili eine Rekordstrafe und das unfreiwillige Karriereende:

Der Profi von Bundesliga-Absteiger Hertha BSC wird für ein Jahr gesperrt, wenn dem Strafantrag des DFB-Kontrollausschusses wegen der Tumulte rund um das Relegations-Skandalspiel bei Fortuna Düsseldorf (2:2) stattgegeben wird (Bericht).

Nachdem Kobiaschwili und seine drei mitangeklagten Teamkollegen am Donnerstag wie erwartet Einspruch eingelegt haben, wird nun der Einzelrichter des DFB-Sportgerichts spätestens bis Anfang nächster Woche über das Strafmaß entscheiden.

"Kobiashvili schwört Stein und Bein"

Zwölf Monate ohne Fußball - so lange wurde in der Bundesliga-Geschichte noch nie ein Spieler wegen einer Tätlichkeit aus dem Verkehr gezogen. Doch Hertha kämpft für seinen Leistungsträger, denn der beteuert seine Unschuld.

"Levan Kobiashvili schwört Stein und Bein, dass er nicht geschlagen hat", sagte Herthas wiedergewählter Präsident Werner Gegenbauer zu den 3400 anwesenden Fans auf der Mitgliederversammlung am Dienstagabend.

Diese hatten zuvor mit Pfiffen und Buhrufen reagiert, als Kobiashvili von Manager Michael Preetz als eine wichtige Stütze für die kommende Zweitligasaison genannt wurde.

Hertha protestiert

Zwar müssen auch die Berliner Christian Lell (sechs Spiele Sperre beantragt), Thomas Kraft (fünf), Andre Mijatovic (vier) mit saftigen Strafen rechnen, doch Kobiaschwili könnte es besonders hart treffen.

Sollte die Einjahressperre (16. Mai 2012 bis 16. Mai 2013) nicht abgemildert werden, droht dem 34-Jährigen das unwürdige und erzwungene Ende seiner Profi-Karriere.

[kaltura id="0_tzy6limi" class="full_size" title="Gegenbauer bleibt Hertha Pr sident"]

Stark: "Bin am Hinterkopf getroffen worden"

Der Vorwurf an Kobiashvili wiegt schwer. Der Defensivspieler soll Schiedsrichter Wolfgang Stark (Ergolding) beim Spiel in Düsseldorf am 15. Mai nach Spielschluss auf dem Treppenabgang des Spielertunnels tätlich angegriffen haben.

"Der Spieler Levan Kobiashvili hat mit ausgestreckter Faust in meine Richtung geschlagen. Ich habe mich weggeduckt, bin dann am Hinterkopf getroffen worden. Einzig das Treppengeländer verhinderte einen Sturz, und das wären fünf bis sechs Meter gewesen", hatte Stark bei der Verhandlung vor dem DFB-Sportgericht gesagt.

Der Unparteiische hat noch in der Kabine Strafanzeige wegen Körperverletzung gestellt.

Kobiashvilis Ruf bröckelt

Starks Version können seine Schiedsrichter-Assistenten bestätigen.

Wie Kobiaschwili mit Hilfe der Hertha-Verantwortlichen seine Unschuld beweisen will, ist noch unklar. Fest steht aber schon jetzt: Das Imgage des "Rekord-Ausländers" der Bundesliga (336 Spiele, gemeinsam mit Ze Roberto) hat gelitten.

Bislang galt der georgische Rekordnationalspieler als zurückhaltender Musterprofi, der bei fast jedem seiner Trainer für seine Qualitäten auf und neben dem Platz geschätzt wurde.

"Ein Super-Profi" mit Aussetzern

Auch Rehhagel schwärmte über den Linksfuß, den er nach Mijatovic' Verletzung zum Kapitän ernannt hatte: "Er ist ein super Profi, er hat alle Dinge schon einmal erlebt. Und das prädestiniert ihn dazu, als Leader aufzutreten".

Allerdings hatte sich Kobiashvili schon vor dem Relegations-Rückspiel einige Aussetzer geleistet. Beim 0:1 gegen den 1. FC Köln sah er nach einer Rudelbildung mit Lukas Podolski die Gelb-Rote Karte, beim 3:3 bei Bayer Leverkusen verursachte Kobiashvili einen Foulelfmeter und flog mit Rot zum zweiten Mal in der abgelaufenen Saison vorzeitig vom Platz.

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