Uli Hoeneß ist seit November 2009 Präsident des FC Bayern © getty

Bayerns Präsident verspricht weitere Neuzugänge. Am Champions-League-Drama knabbert er noch, für Heynckes fordert er mehr Respekt.

München - Auch zwei Wochen nach dem verlorenen Champions-League-Finale gegen den FC Chelsea ist die Enttäuschung bei Uli Hoeneß noch nicht ganz verflogen.

"Manchmal wache ich nachts auf und denke dran. Diese Niederlage ist nicht so schnell aus den Kleidern zu bekommen. Was hilft, ist der Zuspruch unserer Fans. In den fünf Tagen nach dem Finale sind über 1000 Menschen bei uns Mitglied geworden. Das habe ich noch nie erlebt", erklärt der Präsident des FC Bayern der "Welt".

Zugleich richtet der 60-Jährige den Blick aber schon wieder nach vorne und kündigt nach der Verpflichtung des Bremers Claudio Pizarro weitere Aktivitäten des Rekordmeisters auf dem Transfermarkt an:

"Warten Sie mal ab, was noch kommt. Es wird etwas passieren, die Einkaufspolitik des FC Bayern lässt sich erst beurteilen, wenn sie fertig ist."

Raum für Spekulationen

Auch Hoeneß' Antwort auf die Frage, ob den Münchnern im Endspiel der Königsklasse der nötige Biss gefehlt habe, lässt reichlich Raum für Spekulationen.

"Denken Sie an die Minuten nach unserem 1:0. Wenn da mal einer richtig draufgegangen wäre und den Ball auf die Tribüne geschossen hätte", betont Hoeneß.

Und weiter: "Du musst auch mal mit der Axt dazwischen hauen. Das war und bleibt meine Meinung. Allerdings ist das ein allgemeines Problem im Fußball. Es gibt diese Typen kaum mehr."

Durchaus denkbar also, dass der FCB auch in Sachen "Wadenbeißer" noch einmal personell nachrüstet. (BERICHT: Wer wird Bayerns Abräumer?)

Vertrauen in Heynckes

Nachrüsten auf der Trainerposition will Hoeneß dagegen nicht. Wie er in dem Interview verrät, wird der FC Bayern seinen Trainer Jupp Heynckes aller Voraussicht nach zum Vertragsende 2013 in den Ruhestand schicken. Nicht vorher.

"Erst einmal tun wir alles dafür, dass Jupp Heynckes mit der Mannschaft erfolgreich ist. Und danach schauen wir: Holen wir einen Neuen oder nicht? Höchstwahrscheinlich holen wir einen", so Hoeneß.

Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hatte kürzlich nicht ausschließen wollen, dass die Bayern mit Heynckes noch einmal verlängern.

[kaltura id="0_bos252ke" class="full_size" title="Bayern mit Dzeko einig"]

Hoeneß wünscht sich mehr Respekt

Diese Option scheint jetzt vom Tisch - allerdings nicht aus Altersgründen. "Die Diskussionen um das Alter unseres Trainers halte ich für eine Sauerei", sagt Hoeneß. Er zieht den vergleich mit VW-Chef Martin Winterkorn.

Bei ihm käme "kein Mensch auf die Idee zu sagen: 'Der ist schon 65, wie können die den noch machen lassen?' Ich wünsche mir mehr Respekt."

Heynckes sei ein "sehr angesehener, fleißiger Trainer, der 100 Prozent gibt" und keine "lame duck", also ein Mann, der nichts mehr zu sagen habe, weil sein Abschied unmittelbar bevorsteht.

Schlagkräftige Mannschaft für Heynckes

Hoeneß will seinem Kumpel Heynckes in dessen voraussichtlich letzter Saison beim Rekordmeister erneut eine schlagkräftige Mannschaft zur Verfügung stellen. "Wir werden uns punktuell verstärken, aber nicht Massen von Spielern kaufen", sagte Hoeneß dazu.

In Tom Starke, Dante, Xherdan Shaqiri und Pizarro hat der Rekordmeister bereits vier neue Spieler verpflichtet. Als weiterer Zugang wird der frühere Wolfsburger Edin Dzeko (Manchester City) gehandelt.

Nach SPORT1-Informationen sind sich Dzeko und die Bayern über einen Wechsel einig, mit seinem Klub Manchester City müssen die Münchner noch verhandeln. Der englische Meister fordert laut "Bild" 30 Millionen Euro Ablöse.

Zudem wird auch immer wieder der holländische Stürmer Luuk de Jong genannt, an dem auch Borussia Mönchengladbach, Borussia Dortmund und Schalke 04 Interesse haben.

Hoeneß fordert Leistungssteigerung

Neuzugänge schön und gut. Hoeneß nimmt sich aber erstmal das aktuelle Personal zur Brust, für ihn müssten auch die Spieler, "die wir haben, noch etwas stärker spielen. Unser oberstes Ziel für die neue Saison ist, uns die Vormachtstellung in der Bundesliga zurückzuholen. Die Dortmunder haben eine sehr gute Saison gespielt, aber ich ärgere mich, wenn Leute sagen, dass nur der BVB schönen Fußball spielt."

Hoeneß verteidigt die abgelaufene Spielzeit mit drei zweiten Plätzen als "gute Saison. Wir müssen aufpassen, dass wir uns mit Druck nicht überfrachten. Wir dürfen nicht immer nur in Superlativen denken."

"Mia san mia" wieder zeigen

Dennoch müsse der FC Bayern "aufpassen, dass wir 'Mia san mia' nicht nur überall hinschreiben, sondern es auch auf dem Spielfeld zeigen. Wenn es nach mir geht, halten wir uns mit 'Mia san mia' etwas zurück, bis wir es wieder demonstrieren."

Schließlich bedeute der Klub-Wahlspruch auch, erfolgreich zu sein. Dafür müssten die Spieler auf dem Platz "auch mal mit der Axt dazwischen hauen", sagte Hoeneß, und wiederholte damit seine Forderung nach mehr Typen in der Mannschaft, wie es einst ein Jens Jermies war.

Schmusekurs mit dem BVB?

Hoeneß bekräftigt indes seine Bereitschaft, sich mit BVB-Boss Hans-Joachim Watzke auszutauschen, um künftige verbale Scharmützel in der Öffentlichkeit zu verhindern.

Eines werde der FC Bayern im Duell mit der Borussia laut Hoeneß keinesfalls tun: Sich wirtschaftlich übernehmen.

"Wir sind mehr als ein Klub, wir sind eine Philosophie. Und vielen in der Wirtschaft ein Vorbild", sagte er: "Bevor wir uns verschulden, würden wir eher an die Gehälter der Spieler ran."

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