Großer Erfolg: Jos Luhukay schaffte 2012 mit dem FC Augsburg den Klassenerhalt © getty

Berlins neuer Trainer Jos Luhukay spricht bei SPORT1 über seine Entscheidung für die "Alte Dame" und das Ziel Wiederaufstieg.

Von Reinhard Franke

München - Jos Luhukay kann so schnell nichts aus dem Konzept bringen.

Als der Holländer am Dienstag offiziell bei Hertha BSC als neuer Trainer vorgestellt wurde, strahlte er. Er wirkte rundum zufrieden.

Die Turbulenzen um ein mögliches Wiederholungsspiel gegen Fortuna Düsseldorf, wo die Berliner schon zwei Mal vor der Gerichtsbarkeit abgeschmiert sind, scheinen ihn gar nicht zu beschäftigen. (DATENCENTER: Die Relegation)

Warum auch? Für Luhukay scheint es klar zu sein, dass er in der nächsten Saison mit dem Verein in der 2. Liga spielen wird (News: Rehhagel schließt Kapitel Hertha ab). Er formulierte bei seiner Präsentation das Ziel "Wiederaufstieg" - klar und deutlich. Das sei seine "Motivation".

Im SPORT1-Interview spricht der 48-Jährige über seine Entscheidung für die "Alte Dame", Herthas Manager Michael Preetz, Großstadt-Rummel - und blickt zurück auf seine Augsburger Zeit.

SPORT1: Herr Luhukay, Hertha BSC ist nach zwei Versuchen vor Gericht gescheitert doch noch ein Wiederholungsspiel zu bekommen (Bericht: Tag der Entscheidung). Über das weitere Vorgehen in Sachen Relegation soll in den kommenden Tagen entschieden werden. Sie planen schon für die 2. Liga. Warum?

Jos Luhukay: Man muss nach den zwei Gerichtsterminen davon ausgehen, dass es für uns die Zweite Liga wird. Ich hatte eh für beide Ligen zugesagt. Die Situation war 50:50. Ich musste die Herausforderung annehmen. Sicher bleibt noch das letzte Quäntchen Hoffnung, aber wir werden in den nächsten Tagen anfangen müssen, die Kaderplanungen voranzutreiben. Wir haben schon zwei Wochen verloren.

SPORT1: Der Ruf von Hertha hat in den letzten zwei Wochen sehr gelitten. Auch die eigenen Fans finden es offenbar falsch, dass man nicht aufgibt.

Luhukay: Das Urteil ist gefallen. Die sportliche Depression bringt viel Druck mit sich. Hertha gehört nicht in die Zweite Liga. Wir müssen versuchen, uns mit guten Leistungen wieder ein Stück Euphorie zurückzuholen. Ich war sehr weit weg von den ganzen Dingen zuletzt und war auch bei den zwei Relegationsspielen nicht dabei.

SPORT1: Können Sie die Turbulenzen bei der Hertha zuletzt völlig ausblenden?

Luhukay: Ich fange am 24. Juni an und schaue dann nur nach vorne, werde alles tun, was in meinen Möglichkeiten liegt. Was war, kann ich nicht mehr ändern. Hertha ist sportlich abgestiegen, jetzt müssen wir versuchen auch sportlich wieder zurückzukommen. Wir müssen den Wiederaufstieg sofort schaffen und den Betriebsunfall korrigieren, das ist meine Motivation.

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SPORT1: Sie haben bei der Hertha einen Zweijahresvertrag unterschrieben. Warum haben Sie sich für die "Alte Dame" entschieden?

Luhukay: Es ist eine herausragende Situation für mich hier bei Hertha anzufangen. Das letzte halbe Jahr ist nicht so erfolgreich gewesen, wie man sich das bei der Hertha erhofft hat. Ich bin keiner, der Problemen aus dem Weg geht. Wenn die entstehen, dann versuche ich sie zu lösen. Ich denke, dass man nicht zu sehr zurückschauen sollte. Was falsch lief, ist nicht mehr wichtig. Ich will bei einem Verein mit einer großen Tradition wieder etwas Neues bewegen und hoffe, dass es mit mir bei der Hertha wieder in eine positive Richtung geht.

SPORT1: In der "taz" war zu lesen, dass Sie bis Weihnachten wieder weg sind. Was entgegnen Sie solchen Prognosen?

Luhukay: Jeder kann seine Meinung frei sagen. Im Prinzip muss ich keinem mehr etwas beweisen. Ich will erfolgreich arbeiten und bei Hertha etwas bewegen. Vor einem Jahr gab es einige Experten, die den FC Augsburg zum Abstiegskandidat Nummer 1 machten. Das Ende ist bekannt. Mich beunruhigt gar nichts mehr.

SPORT1: Vom kleinen Augsburg in die Weltstadt Berlin. Sie sind ein ruhiger Typ, der den Trubel nicht so braucht. Keine Angst zu scheitern?

Luhukay: Man muss versuchen seine eigene Strategie auf die Mannschaft und das Umfeld zu legen. Ich hoffe, dass ich in Berlin genauso Erfolg haben werde wie bei meinen letzten Stationen. In Augsburg hatte man die Ruhe in der tagtäglichen Arbeit, in Berlin ist das ganz anders. Wenn ich aber Zweifel gehabt hätte, dann hätte ich mich nicht dafür entschieden. Ich lass alles auf mich zukommen. Ich bleibe der gleiche Mensch und der gleiche Trainer wie in Augsburg und muss mich nicht profilieren.

SPORT1: Wann kam der erste Kontakt mit Berlin zustande?

Luhukay: Michael Preetz (Hertha-Manager, Anm. d. Red.) rief mich gleich nach der Saison an und fragte, ob ich mir vorstellen kann bei der Hertha zu arbeiten. Ich musste gar nicht lange überlegen, habe ihm 24 Stunden später zugesagt.

SPORT1: Michael Preetz geriet zuletzt heftig in die Schusslinie. Unter ihm gab es in der alten Saison drei Trainer. Er bleibt wohl auch nach dem Abstieg. Wie sehen Sie ihn?

Luhukay: Wir alle sind im Fußball vom Erfolg abhängig. Ein Manager und ein Trainer geraten sehr schnell in die Kritik, wenn es nicht so erfolgreich läuft. Ich habe in den Gesprächen von Michael einen guten Eindruck gehabt und kann es aber auch nicht so gut einschätzen, weil ich ihn immer nur von außen gesehen habe. Ich habe nie einen persönlichen Kontakt gehabt. Er hat immer versucht das bestmögliche für Hertha zu entscheiden. Das wird immer sehr kritisch gesehen, wenn der Erfolg ausbleibt.

SPORT1: Wollten Sie nach dem unschönen Ende in Augsburg keine Pause einlegen?

Luhukay: Ich habe in Augsburg eine schöne Zeit erlebt und bin mental und körperlich nicht am Ende, dass ich eine Pause brauche. Ich hatte beim FCA vom ersten bis zum letzten Tag ein unglaublich gutes Gefühl für meine Arbeit. Das war eine Zeit, die ich niemals vergessen werde. Ich hatte auch das Gefühl, dass die drei Jahre beim FCA mich weitergebracht haben. Ich habe persönlich und als Trainer das Maximum aus der Mannschaft herausgeholt.

SPORT1: Nach Ihrem großen Erfolg beim FCA gab es doch sicher mehrere Angebote, oder?

Luhukay: Ich hatte noch zwei konkrete Anfragen aus dem Ausland, aber das habe ich sofort abgesagt. Ich wollte in Deutschland bleiben. Ich gehe jetzt in mein 20. Jahr hier und weiß nicht, ob ich in der Zukunft mal nach Holland zurückgehe. Nach den drei tollen Jahren in Augsburg möchte ich weiter erfolgreich in Deutschland arbeiten.

SPORT1: Wie sehr werden Sie Andreas Rettig vermissen. Ihr Erfolg beim FCA war sehr eng mit ihm verknüpft.

Luhukay: (lacht) Wir sind noch nicht miteinander verheiratet. Ich kenne Andreas schon länger. Ich schätze ihn sehr. Die Zusammenarbeit in Augsburg war schon extrem gut, auf einer Basis von Respekt. Das Ganze hat gepasst, vom ersten bis zum letzten Tag.

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