Zwei harte Hunde. Stade Rennes' M'Vila (l.) und Milans Boateng © getty

Der FC Bayern sucht einen neuen "Aggresive-Leader". Ex-DFB-Trainer Bernd Stöber sieht diese Typen bei SPORT1 wieder im Kommen.

Von Björn Seitner und Jakob Gajdzik

München - "Siehst Du die Mittellinie? Kommst du drüber, macht es aua! Hier drüben aua, da drüben gut!"

Mit diesem Satz soll einst Jens Jeremies Arsenals Patrick Vieira klar gemacht haben, dass es im Duell mit dem FC Bayern nichts zu holen gibt.

Nach der titellosen Saison ist in München eine alte Diskussion neu entbrannt: Die Diskussion über den Grätscher, den Zerstörer, den Wadenbeißer.

Einen ebensolchen Typen vermisst Präsident Uli Hoeneß im Bayern-Team: "Vielleicht haben wir nicht genug Spieler, die so etwas erzwingen wollen. Ich habe keinen Jens Jeremies gesehen, der dem Gegner schon beim Einlaufen in die Waden beißt", sagte er nach dem verlorenen Champions-League-Finale gegen Chelsea.

"Jeder braucht so einen Typ"

Die Experten pflichten Hoeneß bei: "Grundsätzlich braucht jede Mannschaft so einen Typ, der in den entscheidenden Situationen mit seiner Willensstärke etwas Entscheidendes bewegen kann", sagte Bernd Stöber zu SPORT1.

Der frühere U-16-Juniorentrainer ist beim DFB nun für die Fußballlehrer-Ausbildung zuständig.

Stöber charakterisiert die geforderten Typen als Spieler, die "auch mal die Ärmel hochkrempeln, wenn es eng wird".

Matthäus kritisiert Einkaufspolitik

Auch der frühere Bayern-Spieler Lothar Matthäus wünscht sich solche "Ärmelhochkrempler".

Der Rekordnationalspieler bemängelte gegenüber "Eurosport" die Einkaufspolitik des Vizemeisters: "Meiner Meinung nach hat man in den letzten Jahren den einen oder anderen Transfer versäumt."

Seit der Brasilianer Lucio (2009) und der Argentinier Martin Demichelis (2010) den Klub verlassen haben, wisse man, "dass in der defensiven Zentrale die Qualität nicht so vorhanden ist, um die Champions League zu gewinnen".

Stöber sieht Kursänderung

Auch Hasan Salihamidzic erklärte im SPORT1-Interview nach der Final-Pleite, dass den Bayern ein Spieler fehle, der das letzte aus der Mannschaft herauskitzle (INTERVIEW: "Einige Bayern geben nicht das Letzte").

Doch gibt es diese Spielertypen wie Jeremies oder Stefan Effenberg überhaupt noch?

Stöber sieht diese im deutschen Fußball wieder im Kommen - dank einer Kursänderung in Nachwuchsbereich.

"Vor zehn Jahren wurde der Fokus auf technisch-taktische Eigenschaften gelegt, aber das Leistungsvermögen eines Spielers setzt sich eben auch stark aus den psychischen Eigenschaften wie einer aggressiven Mentalität zusammen. In den letzten Jahren sind wir da auf einem guten Weg, das sieht man auch am Erfolg unserer Nachwuchsmannschaften", sagte der 59-Jährige zu SPORT1.

[kaltura id="0_bos252ke" class="full_size" title="Bayern mit Dzeko einig"]

Das gleiche glaubt Matthäus: "Der FC Bayern hat es ja in der Hand, solche Drecksäcke, die es im internationalen Fußball gibt, zu verpflichten."

Und auch Stöber sieht bereits zwei solcher Typen in der Bundesliga: "Ich halte die Brüder Lars und Sven Bender für Typen, die in nahe Zukunft eine ganz bedeutende Rolle spielen können."

SPORT1 zeigt mögliche Kandidaten für den FC Bayern ( 563193 DIASHOW: Bayerns Planspiele ):

Yann M'Vila (Stade Rennes)

"Er verfügt über das Spielverständnis eines Claude Makelele und die Durchschlagskraft eines Patrick Viera."

Das zumindest glaubt Frederic Antonetti, Coach von Stade Rennes, von seinem defensiven Mittelfeldspieler Yann M'Vila.

Beim deutschen Rekordmeister steht der Franzose schon seit längerem auf der Liste, bereits vergangene Saison kursierten Wechselgerüchte um M'Vila.

"Du musst dein Territorium verteidigen"

Und die Einstellung des 21-Jährigen könnte genau die richtige für die Münchner sein.

"Du musst aggressiv sein, du musst dein Territorium verteidigen. Erlaube niemandem, deine Zone zu betreten", so das Motto M'Vilas, der ein ähnlich gnadenloses Zweikampfverhalten wie der frühere "Pitbull" Edgar Davids an den Tag legt.

Allerdings müssen sich die Bayern ins Zeug legen, würden sie M'Vila wirklich an die Isar losten wollen. Angeblich steht der Nationalspieler kurz bei Arsenal London kurz vor der Unterschrift.

Kevin-Prince Boateng (AC Mailand)

Dass Kevin-Prince Boateng ein erbarmungsloser Spieler ist, wissen nicht nur die Fans von Michael Ballack seit dem FA-Cup-Finale 2010.

Der gebürtige Berliner besitzt mittlerweile aber auch eine ausgeprägte Technik, mit der er sich nicht zuletzt beim AC Mailand zu einem unverzichtbaren Teil der Mannschaft machte.

Dortmunds Meistercoach Jürgen Klopp sagte einst in der "Süddeutschen Zeitung" über den 25-Jährigen, er könne den Ball auf hundert Arten annehmen und habe ein dutzend Optionen, an einem Gegenspieler vorbeizuziehen.

Gepaart mit dem unbedingten Einsatzwillen, der ihn ebenso auszeichent, wäre er möglicherweise der richtige Mann für die Bayern.

Pepe (Real Madrid)

Real Madrids Pepe ist nicht erst seit den Duellen mit dem FC Barcelona ein berüchtigter Verteidiger.

Platzverweise und Sperren gehörten für den portugiesischen Nationalspieler lange dazu. Mittlerweile scheint Pepe aber auch mit dem regelgerechten Abräumen in der Defensive gut zurecht zu kommen.

In der Saison 2011/12 flog der 29-Jährige in 49 Pflichtspielen nur einmal vom Platz.

Bereits in der Winterpause war Pepe gerüchteweise bei Bayern im Gespräch.

Nigel de Jong (Manchester City)

Nigel de Jong ist nicht gerade für seine zimperliche Spielweise bekannt: Vor allem sein Karate-Tritt gegen Xabi Alonso im WM-Finale 2010 machte den Niederländer umstritten.

Zwei Mal brach er einem Gegenspieler während einer Partie ungeahndet ein Bein.

Das ist natürlich kein Kriterium für den von Hoeneß geforderten Wadenbeißer. Doch kennt der 28-Jährige die Bundesliga seit seiner Zeit beim Hamburger SV (2006 bis 2009) gut.

Bei Manchester City steht er auf dem Abstellgleis, sein Vertrag läuft noch bis 2013.

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