Karl-Heinz Rummenigge ist seit 2001 Vorstandsvorsitzender bei Bayern München © imago

Bei den Bayern sitzt der Schmerz über das "Drama dahoam" immer noch tief. Bayern-Boss Rummenigge zieht Lehren aus der Saison.

München - Am Elfmeterdrama im verlorenen Finale in der Champions League gegen den FC Chelsea wird der deutsche Rekordmeister Bayern München noch länger zu knabbern haben.

"Der Schmerz in unserem Klub sitzt tief, tiefer als nach dem verlorenen Finale 1999 gegen Manchester United", sagte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge der "Welt am Sonntag":

"Beim Aufwachen ist mein erster Gedanke derzeit immer noch der an dieses Spiel. Ich befürchte, das wird uns noch einige Zeit verfolgen."

Das sieht auch Thomas Müller so. "Fußball ist manchmal brutal und kann sehr weh tun", sagt der Bayern-Stürmer in der "Bild am Sonntag": "Nicht immer steht am Ende der verdiente Sieger mit dem Pokal da."

"Vieles zu aufgeregt"

Als Konsequenz aus der titellosen Saison mit Platz zwei in der Bundesliga sowie den Final-Niederlagen im DFB-Pokal (2:5 gegen Borussia Dortmund) und der Königsklasse mahnt Rummenigge den Verein zu mehr Ruhe:

"Wir sollten ein Stück gelassener und souveräner mit den Dingen umgehen. Manchmal habe ich den Eindruck, dass bei uns vieles zu aufgeregt abläuft. Unser Ziel ist es, das in der neuen Saison zu verändern." ( 563193 DIASHOW: Bayerns Planspiele )

Trainerfrage wird nicht gestellt

In der wird auf alle Fälle noch einmal Jupp Heynckes für ein Jahr auf der Trainerbank Platz nehmen. "Wir werden doch nicht einen Trainer infrage stellen, weil ein Elfmeter an den Innenpfosten gegangen ist", sagte Rummenigge.

Die Frage nach Heynckes' Nachfolger "wird kommen, aber wenn wir damit souverän umgehen, wird es kein Problem darstellen."

[kaltura id="0_qucwykuh" class="full_size" title="Bayern will vergessen"]

Auch Elfmeter-Pechvogel Arjen Robben hat weiter die volle Unterstützung der Münchner Chefetage. "Im Verein gibt es keine Vorwürfe, an keinen Spieler", sagte Rummenigge.

Rummenigge verärgert über Pfiffe gegen Robben

Die Pfiffe gegen den Niederländer beim Wiedergutmachungsspiel am vergangenen Dienstag ärgern Rummenigge noch immer:

"Das war eine Reaktion von gewissen Fans, die uns überhaupt nicht gefallen hat. Beim FC Bayern gilt, wenn jemand am Boden liegt, reicht man ihm die Hand und hilft. "

Hilfe könnte auch Bastian Schweinsteiger gebrauchen. Er ist laut Rummenigge "der Einzige, der nach wie vor einen angeschlagenen Eindruck macht."

EM-Start ein Glück

Deshalb sei es ein Glück, dass die EM erst in zwei Wochen beginnt. "Ich habe zwei WM-Finals verloren, 1982 und 1986. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass die Zeit die Wunden heilt", sagte der 95-malige Nationalspieler Rummenigge.

Müller fügte an: "Ich habe mit einem großen Turnier nach einem verlorenen Champions League-Finale vor zwei Jahren ja schon mal gute Erfahrungen gemacht. Wir Bayern kommen jetzt wie ein angeschlagener Boxer zur EM."

Trotz der schmerzlichen Niederlage gehe man mit viel Selbstvertrauen zur Nationalmannschaft: "Weil du weißt, dass du europäisch auf dem absoluten Top-Level mithalten kannst, dich vor niemandem zu verstecken brauchst."

Müller wehrt sich gegen Kritik

Die Kritik von Rummenigge, Müller würde für Deutschland mehr Gas geben als für Bayern, kann der 22-Jährige nicht nachvollziehen

"Das ist Quatsch! Seit ich denken kann, schlägt mein herz für den FC Bayern. Ich gebe alles für diesen Verein. Und wer sich meine Spieler anschaut, der seht, dass ich immer motiviert bin, sagte er.

Doch Müller gesteht auch ein, dass "mir meine Rolle beim DFB, wo ich immer rechts eingeplant bin, etwas besser liegt als meine Rolle beim FC Bayern."

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