Otto Rehhagel (r.) übernahm im Februar 2012 den Trainerposten zu Hertha BSC © getty

Auch in zweiter Instanz zieht Hertha BSC den Kürzeren. Der Klub ist abgestiegen. Rehhagel irritiert mit skurrilen Aussagen.

Von Reinhard Franke

München/Frankfurt - Aller guten Dinge sind drei?

Ob das für Hertha BSC gilt, ist doch sehr fraglich.

Auch das DFB-Bundesgericht lehnte am Freitagabend den Einspruch der Berliner gegen die Wertung des Relegations-Rückspiels gegen Fortuna Düsseldorf (2:2) ab.

Die Verantwortlichen der Hertha müssen nach zwei verzweifelten Versuchen ein Wiederholungsspiel zu erwirken, entscheiden, ob sie auch noch das Ständige Neutrale Schiedsgericht des DFB noch anrufen - oder sich den Mund abputzen und mit den Planungen für die Zweite Liga beschäftigen. (DATENCENTER: Die Relegation)

Stand jetzt ist die Hertha abgestiegen, da das Ergebnis des unter skandalösen Umständen zuende gegangenen Rückspiels in Düsseldorf bestehen bleibt.

"Urteil unvergleichbar stärker"

Dieses Urteil sei "unvergleichlich stärker" als jenes des DFB-Sportgerichts vier Tage zuvor, erklärte Herthas Anwalt Christoph Schickhardt am Freitag kurz vor Mitternacht.

Es klang schon ein wenig nach Kapitulation. Schickhardt, der die Vorkommnisse in Düsseldorf als "Totalschaden für den deutschen Fußball" bezeichnete, bemängelte eine "fehlende Einheitlichkeit" bei der Wertung der chaotischen Umstände im Stadion.

"Ich glaube nicht, dass dem DFB und dem Fußball der Spagat gelingt", monierte der 57-Jährige.

Richter sah keine psychische Schwächung

Die Urteilsbergündung des Vorsitzende des Bundesgerichts, Goetz Eilers, folgte klar der Linie des Sportgerichts: "Eine psychische Schwächung konnte nicht erwiesen werden. Es gab kein einheitliches Bild allgemeiner Angst."

Die Verhandlung am Freitag hatte zeitweise skurrile Züge, eine Hauptrolle kam dabei Hertha-Trainer Otto Rehhagel zu. Er war einer von 16 Zeugen, wies immer wieder auf die chaotischen Zustände hin.

Hinterher lobte ihn Schickhardt für seine perfekten Ausführungen. Was Rehhagel sagte, brachte die Richter aber wohl weniger zum Nachdenken, höchstens zum Kopfschütteln.

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"König Otto" sprach von einem "Ausnahmezustand, wie ich ihn noch nie erlebt habe. Als es zum Sturm kam, habe ich gedacht: Otto, jetzt wird es gefährlich."

Rehhagel zieht skurile Vergleiche

Vor allem mit einem fragwürdigen Vergleich, erstaunte der Trainer-Veteran. "Ich hatte so halb Angst. Ich weiß ja, was alles passieren kann. Ich saß 1943 im Ruhrgebiet im Keller, als die Amerikaner uns bombardierten."

Wie er diesen Satz im Zusammenhang mit der Verhandlung meinte, bleibt Rehhagels Geheimnis. Einen Gefallen tat er dem Verein damit aber sicher nicht.

Zumal der 73-Jährige auch noch auf die Geschehnisse bei der Love-Parade-Tragödie 2010 in Duisburg (21 Tote) und das Drama im Brüsseler Heysel-Stadion 1985 (39 Tote). Bezug nahm

Auf die Frage, ob ab der 85. Minute durchgehend Leute in Rehhagels Coaching-Zone waren, antwortete der Hertha-Trainer nur: "Ja, da war auch eine Frau mit ihrem Kind da. Das habe ich noch nie erlebt. Und das in Düsseldorf, kein Paris. Ich dachte da lustwandeln die Leute nur."

Luhukay nimmt es sportlich

Am Urteil änderten seine Aussagen nichts, jetzt wird mit Spannung die Entscheidung darüber erwartet, ob die Berliner sich und dem deutschen Fußball eine weitere Runde im Gerichts-Marathon zumuten.

Neu-Trainer Jos Luhukay beurteilte die Bundesgerichts-Entscheidung diplomatisch.

"Ich war nicht dabei, als die beiden Spiele gespielt wurden. Ich habe aber sowieso für beide Ligen unterschrieben, die Chance auf den Klassenerhalt war 50:50. Ich muss die Herausforderung annehmen", sagte Luhukay im Gespräch mit SPORT1.

"Am 24. Juni fange ich an und schaue nach vorne. Jetzt hat man Klarheit und ich werde ab nächster Woche mit den Verantwortlichen die Kaderplanung vorantreiben."

Hertha schickt Spieler in Urlaub

Die Berliner haben nun zwei Wochen Zeit, um sich Gedanken über einen Gang vor das Schiedsgericht zu machen. "Über Pfingsten wird in der Richtung nichts passieren", sagte Herthas Pressesprecher Peter Bohmbach am Samstag.

Die Spieler hat der Verein in den Urlaub geschickt. Ein erstes Anzeichen, dass der Klub aufgeben- und das Urteil akzeptieren wird?

"Das ist kein Hinweis in die eine oder andere Richtung", betonte Bohmbach. Die Profis sollten "zur Ruhe kommen".

Weiterer Einspruch: sechs Wochen für Entscheidung drohen

Bei einem weiteren Einspruch der Hertha sei wohl "innerhalb der nächsten sechs Wochen" mit einem Urteil des Schiedsgerichtes zu rechnen.

Sollte die Hertha sich also für den Gang vor das dreiköpfige Ständige Neutrale Schiedsgericht entscheiden, könnte die endgültige Beantwortung der Aufstiegsfrage noch um Wochen in die Länge gezogen werden.

Die Auswirkungen auf die Personalplanungen der Klubs und die Spielplanerstellung für die kommende Saison wären unabsehbar.

Preetz tritt gegen Ramos nach

Am Samstag verließ Hertha-Profi Adrian Ramos Berlin, machte sich auf zur kolumbianischen Nationalmannschaft, spielt Anfang Juni WM-Qualifikation.

Aber vorher gibt Hertha-Manager Michael Preetz dem Stürmer noch deutlich eine mit: "Adrian ist mit seinen sechs Toren deutlich unter seinen und unseren Erwartungen geblieben. Er ist ein Grund dafür, dass wir abstürzten. Zwar hatte er Pech im Herbst mit Verletzungen, aber wir dachten, das bessert sich."

"Zeit, sich der Entscheidung zu stellen"

In Düsseldorf sahen sich die Verantwortlichen am Freitagabend in ihrer Rechtsauffassung bestätigt.

"Ich fühle mich endlich wie ein Bundesligist. Wir sind froh und glücklich", sagte Fortuna-Finanzboss Paul Jäger. Rechtsbeistand Horst Kletke bewertete das Urteil als "sehr gutes Zeichen für den Sport" und sagte in Richtung Hertha:

"Es ist an der Zeit, sich der Entscheidung zu stellen."

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