Otto Rehhagel führte Kaiserslautern 1998 als Aufsteiger zur Meisterschaft © getty

Das DFB-Bundesgericht verhandelt den Einspruch der Hertha gegen die Wertung des Relegations-Rückspiels. Der News-Ticker.

München/Frankfurt - Das juristische Nachspiel geht in die zweite Runde.

Seit 12.30 Uhr verhandelt das DFB-Bundesgericht über den Einspruch von Hertha BSC gegen die Wertung des Reklegations-Rückspiels bei Fortuna Düsseldorf (2:2). (DATENCENTER: Die Relegation)

Am Montag hatte das DFB-Sportgericht den Einspruch der Berliner abgeschmettert, die Hertha hatte aber prompt Berufung eingelegt. (BERICHT: Einspruch abgelehnt - Hertha geht in Berufung)

Der sportlich abgestiegene Hauptstadtklub erhofft sich durch Vorlage neuer Beweismittel doch noch ein Wiederholungsspiel zu erwirken, nachdem in Düsseldorf zahlreiche Fortuna-Anhänger vor Abpfiff den Platz gestürmt hatten.

SPORT1 fasst im News-Ticker die Entwicklungen vor dem Bundesgericht zusammen:

+++22.41 Uhr+++: Die Entscheidung ist gefallen! Das DFB-Bundesgericht weist den Einspruch der Berliner gegen die Spielwertung zurück. Die Partie wird nicht wiederholt. Die Hertha ist somit aus der Bundesliga abgestiegen. Allerdings besteht für die Hauptstädter noch die Möglichkeit, das Ständig Neutrale Schiedsgericht des DFB anzurufen. Selbst ein Gang vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS ist danach theoretisch noch möglich.

+++22.22 Uhr+++: Das DFB-Bundesgericht berät sich jetzt seit mehr als einer Stunde. Noch heute Abend soll das Urteil verkündet werden.

+++21.03 Uhr+++: Düsseldorfs Anwalt Kletke attackiert in seinem Plädoyer den Kollegen Schickhardt: "Es ist wieder wie in der ersten Instanz. Sie sagen zum Gericht: Wenn Sie nicht so entscheiden, wie wir das wollen, dreht sich morgen die Welt nicht mehr. Es geht aber nicht nach Pipi Langstrumpf: Ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt." Zu den Vorkommnissen beim Spiel sagt er: "Fakt ist: Niemand wurde verletzt, niemand ist zu Schaden gekommen. Der Stadionsprecher konnte die Leute alleine dazu bewegen, dass sie den Platz verlassen haben. Das ist ein Indiz dafür, dass es keine Gewalt gab. Gewalt gab's höchstens nach dem Spiel - aber das ist ein anderes Verfahren."

+++20.50 Uhr+++: Hertha-Anwalt Schickhardt sagt in seinem Plädoyer, dass die "Spielordnung völlig aufgehoben", die Berliner Mannschaft geschwächt und darüber hinaus die Möglichkeit des Coachings aufgehoben worden sei. "Was verlangen wir von den Spielern? Der Schiedsrichter hatte die meiste Angst und ist wie ein Wiesel in die Kabine geflüchtet", so Schickhardt weiter. Insgesamt bezeichnet er die Vorkommnisse von Düsseldorf als "Totalschaden für den deutschen Fußball".

+++20.01 Uhr+++: Nach über siebenstündiger Verhandlung wird die Beweisaufnahme geschlossen. Zuvor waren elf Zeugen verhört worden, auf fünf weitere Zeugen wurde mit Zustimmung der Parteien verzichtet. Nach den beiden Plädoyers soll am späten Freitagabend noch das Urteil gefällt werden.

+++19.53 Uhr+++: Düsseldorfs Johannes van den Bergh sagt zwar nicht vor Gericht aus, belastet den Berliner Verteidiger Christian Lell gegenüber dem "Express" aber schwer: "Nachdem unsere Fans auf den Platz gelaufen sind und bevor sie wieder auf den Rängen waren, habe ich gesehen, wie er mit ausgestreckten Armen auf unsere Fans zugelaufen ist. Nach dem Motto: "Kommt doch her. Was wollt ihr?" Danach bin ich zu ihm hin und habe gefragt was das soll. Und er hat darauf geantwortet: "Ich will einen Spielabbruch provozieren, ist doch klar.""

+++19.14 Uhr+++: Der Berliner Raffael sagt aus, dass ihn der Platzsturm der Fortuna-Fans "erschrocken" habe. "Ich hatte Angst um meine Familie, die sich im Stadion aufhielt", so der Brasilianer, dessen Frau, beide Kinder und eine Nichte auf der Tribüne saßen. Auf die Frage, ob er in der Kabine wegen der vorangegangenen Vorkommnisse Tränen in den Augen gehabt hatte, antwortet Raffael: "Ja." Über seinen Bruder Ronny, der ebenfalls spielte, sagte der 27-Jährige: "Ich glaube, er hatte geweint. Denn als ich ihn ansah, hatte er gerötete Augen."

+++18.33 Uhr+++: Nach Hertha-Torhüter Thomas Kraft, der von wüsten Beschimpfungen einiger Platzstürmer berichtete, tritt nun der Berliner Verteidiger Andre Mijatovic in den Zeugenstand. "Die Hunde standen direkt an der Linie - ohne Maulkorb. In der Kabine ging es nicht um Fußball. Ich hatte Angst um die Sicherheit", sagt er.

+++17.30 Uhr+++: Herthas Co-Trainer Ante Covic gibt zu Protokoll, dass der Platzsturm der Düsseldorfer Anhänger nicht spurlos an ihm vorbeigegangen sei: "Wenn man so einen Sturm erlebt, da habe ich mich schon ein bisschen bedroht gefühlt."

+++15.54 Uhr+++: Rehhagel wertet die Situation beim Skandal-Spiel als "irregulär" und betont: "Das war ein Ausnahmezustand, wie ich ihn zuvor noch nie erlebt habe in 40 Jahren als Trainer. Selbst in Griechenland nicht", sagt er und beschreibt die Situation während der 21-minütigen Unterbrechung in der Kabine: "Die Spieler waren paralysiert. Das war ein chaotischer Zustand, unsere Südamerikaner hatten Angst."

"König Otto" sagt aus, dass bereits ab der 85. Minute "Ordner, Kinder, Mütter und wildfremde Menschen" um ihn herum in der Coaching Zone gestanden hätten. "Ich hatte deshalb keinen Einfluss mehr auf meine Mannschaft. Und so etwas darf nicht sein"

+++15.41 Uhr+++: Hertha-Coach Otto Rehhagel ist nun im Zeugenstand. Er soll sich vorstellen, lacht dabei. "Es weiß doch jeder was ich in meinem Leben gemacht habe. Wir leben in einer Mediengesellschafft."

+++15.24 Uhr+++: Götz Bender, Vertreter des Ligaverbandes, ist nun im Zeugenstand. Er sagt: "Schiedsrichter Stark hat mich gebeten, die beiden Mannschaften wieder zurück auf den Platz zu holen." Zuvor sei ihnen mitgeteilt worden, dass die Sicherheit wieder gewährleistet sei. Bei den Spielern habe er keine Angst verspürt, eher Unsicherheit im Kampf um den nahenden Auf- und Abstieg. Bender versichert: "Die Hertha-Spieler waren ängstlich. Ängstlich vor einem Bundesliga-Abstieg!" Nach der Vernehmung von Bender gibt es eine Pause.

+++14.52 Uhr+++: Hertha-Anwalt Schickhardt zeigt dem Gericht ein Bild nach dem anderen. Auf Bild sieben ist etwa das Ausgraben des Elfmeterpunktes zu sehen. Bild acht zeigt das Abbrennen von Pyrotechnik auf dem Platz, auch mehrere Vermummte Fans sind zu erkennen. Fortuna-Anwalt Kletkestichelt : "Werden die Bilder als Beweismittel zugelassen? Wenn ja, möchte ich zu jedem einzelnen Bild wissen, wann und von wem sie gemacht wurden."

+++14.35 Uhr+++: Fortuna-Anwalt Kletke fragt bei Ziewernach: "Sind während des Spiels in irgendeiner Weise Spieler an ihrer Tätigkeit behindert worden?" Ziewer antwortet: "Da konnte ich keine Behinderung sehen." Danach darf Ziewer gehen.

+++14.17 Uhr+++: Der DFB-Sicherheits-Beauftragte Ralf Ziewer äußert leichte Kritik an der Polizei. "Waren nach dem 2:2 in der 85. Minute Besonderheiten festzustellen?", fragt ihn DFB-Richter Goetz Eilers. Ziewer: "Ich fand es unglücklich, wie die Polizei auf den Platz marschiert ist. Gleichzeitig kletterten die ersten Düsseldorfer Fans über die Zäune und warteten im Innenraum. Vor und hinter der Werbebande."

+++13.54 Uhr+++: Der Referee wird aus dem Zeugenstand entlassen. Zuvor berichtet er nochmals von der Hetzjagd der Hertha-Spieler auf ihn. "Es gab einen körperlichen Angriff, drei Spieler haben mich beleidigt und es gab auch noch andere Attacken", sagt Stark und erklärt: "Wir wurden im ganzen Kabinengang verfolgt und gehetzt. Bis in die Schiedsrichterkabine. Dort wollten die Spieler gewaltsam rein, inklusive einiger Beleidigungen."

+++13.29 Uhr+++: Stark räumt ein, einen Fehler begangen zu haben, als er vor der Wiederaufnahme des Spiels die fehlenden Eckfahnen und den Strafstoßpunkt nicht bemerkt hat. Stark: "Da fehlte etwas vom Spielaufbau, das Spiel kann aber trotzdem weitergehen. Außerdem ist es mir nicht aufgefallen. Wäre es das, hätte der Platzwart Ersatz besorgen müssen."

+++13 Uhr+++: Auch Hertha-Trainer Otto Rehhagel ist heute als Zeuge zur Verhandlung gekommen. Zudem ist die Hertha auch durch Kapitän Andre Mijatovic und Keeper Thomas Kraft. vertreten. Für die Fortuna ist Vorstandsmitglied Paul Jäger da. Der Düsseldorfer ist sich nicht sicher, ob es heut zu einer Entscheidung kommt. "Ich hoffe, es gibt heute ein Urteil, aber überzeugt bin ich davon nicht", sagte er vor Beginn der Verhandlung.

+++12.55 Uhr+++: Das komplette Schiedsrichter-Gespann um FIFA-Referee Wolfgang Stark ist erneut gekommen. Derzeit muss der Niederbayer nach SPORT1-Informationen dem Gericht Rede und Antwort stehen, während Berlin-Anwalt Christoph Schickhardt Lichtbilder vom Spiel vorzeigt.

+++12.30 Uhr+++: Die Verhandlung vor dem Bundesgericht des DFB beginnt. Die Hertha ist zuversichtlich, in zweiter Instanz Recht zu bekommen. "Sehr, sehr gute Chancen", räume er der Berufung ein, erklärte Hertha-Manager Michael Preetz am Donnerstag bei einer einer Fan-Diskussion.

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