Werner Gegenbauer (l.) ist seit 2008 Präsident von Hertha BSC berlin © getty

Am Freitag entscheidet das DFB-Bundesgericht über Herthas Protest gegen die Wertung des Relegations-Skandalspiels in Düsseldorf.

Berlin - Abpfiff oder Verlängerung: Das DFB-Bundesgericht entscheidet am Freitag (ab 12.30 Uhr) über den Protest von Hertha BSC gegen die Wertung des Skandalspiels in der Relegation bei Fortuna Düsseldorf (2:2) (DATENCENTER: Die Relegation).

Die Berliner sind sportlich aus der Bundesliga abgestiegen, hoffen aber trotz der Niederlage in erster Instanz vor dem Sportgericht weiter auf ein Wiederholungsspiel (BERICHT: Einspruch abgelehnt - Hertha geht in Berufung).

Unklar blieb, wie sich der Klub bei einer erneuten Niederlage am Grünen Tisch verhält.

Hertha uneins über Vorgehen

Hertha gab sich in dieser Frage zuletzt gespalten. Klub-Anwalt Christoph Schickhardt kündigte an, dass man das Urteil des Bundesgerichts akzeptieren werde.

Präsident Werner Gegenbauer jedoch zog einen Einspruch mit anschließendem Gang vor das DFB-Schiedsgericht in Erwägung und präsentierte eine originelle Idee.

"Wir lassen möglicherweise unsere Mitglieder auf der Mitgliederversammlung am kommenden Dienstag entscheiden", sagte der 61-Jährige.

Nebenkriegsschauplatz Mitgliederversammlung

Damit dürfte Herthas Versammlung am Dienstag zusätzlichen Zündstoff erhalten. Der Klub wählt dort ein neues Präsidium. Gegenbauer will nur bleiben, wenn er die breite Unterstützung der Fans erhält und im ersten Wahlgang die Mehrheit bekommt.

Zudem hält er am umstrittenen Manager Michael Preetz fest, der bei mehreren Präsidiumsmitgliedern in Ungnade gefallen ist.

Vielleicht aber will Gegenbauer die Relegations-Problematik nur benutzen, um die Preetz-Debatte in den Hintergrund zu drängen. Es gilt als sicher, dass viele Fans am Dienstag den Rücktritt von Preetz fordern.

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Hertha unter Preetz "hinter Paderborn"

Ehemalige Herthaner wie Michael Sziedat, Wolfgang Sidka oder Karl-Heinz Grantiza hatten zuletzt ebenfalls gegen den Manager gewettert. Sziedat sprach sogar davon, dass der Klub unter Preetz im Ansehen "hinter Paderborn stehen" würde.

Sollte es tatsächlich zu einem erneuten Protest der Berliner kommen, könnte sich der Fall noch viele Wochen hinziehen.

Ein Desaster: Beide Klubs wüssten nicht, in welcher Liga sie im kommenden Jahr spielen und wären in ihren Planungen empfindlich gestört. Zudem laufen noch Ermittlungen gegen einzelne Spieler beider Vereine, die parallel für Unruhe sorgen.

Folgt Prozess-Marathon?

Bei einem erneuten Protest würde der Fall in letzter DFB-Instanz vor dem Ständigen Neutralen Schiedsgericht landen. Auch Düsseldorf könnte diesen Weg bei einer Niederlage am Freitag gehen.

Danach könnte das Verfahren vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS landen. Die Richter in Lausanne lehnten jedoch in der Vergangenheit oftmals eine Zuständigkeit in ähnlichen Fälle ab, da die Verbandsgerichtsbarkeit ausgeschöpft war.

Herthas Anwalt Schickhardt ist davon überzeugt, das derlei Nachspiele nicht nötig seien und es für die "Alte Dame" Freitag keine erneute Niederlage am Grünen Tisch gibt.

Hertha-Spieler von Fortuna-Fans angefasst?

Der 57-Jährige will beim Vorsitzenden Goetz Eilers (70) mit bislang unausgewertetem Beweismaterial punkten. Dabei handelt es sich vor allem um Fotos und TV-Sequenzen, die zeigen, wie Herthas Spieler von Fortuna-Fans angefasst und angeschrien wurden.

Dadurch seien die Berliner "psychisch geschwächt worden" und hätten sich nicht wie gewohnt aufs Spiel konzentrieren können.

Für die Experten ist die Strategie von Schickhardt durchaus sinnig. Der Hamburger Sportrechtsexperte Jan Räker (34) sagte im "kicker", dass es sogar entscheidend sei, ob den Hertha-Spielern diese Schwächung per Bildmaterial nachzuweisen sei. Wenn ja, habe der Klub "alle Chancen".

Schiedsgericht "personell deutlich breiter besetzt"

Sportrechtsexperte Michael Lehner hatte das Urteil des DFB-Sportgericht kritisiert und von einer politischen Entscheidung gesprochen.

Er sieht für die Berliner bessere Chancen, wenn sie im Falle einer Niederlage am Freitag tatsächlich das Schiedsgericht anriefen, weil dieses "personell deutlich breiter besetzt" sei.

Ein Abstieg hätte für die Hertha gravierende Folgen und könnte nicht wie noch vor zwei Jahren als "Betriebsunfall" angesehen werden.

Hertha müsste seinen Etat auf rund 30 Millionen Euro reduzieren, könnte Leistungsträger wie Raffael und Adrian Ramos nicht mehr halten und würde wahrscheinlich nicht so schnell wieder ins Oberhaus zurückkehren.

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