Uli Hoeneß (l.) und Jupp Heynckes wurden 1974 mit Deutschland Weltmeister © imago

Uli Hoeneß und Jupp Heynckes beenden die Spekulationen um einen Abschied des Trainers. SPORT1-Experte Strunz stützt den Coach.

Von Jakob Gajdzik

München - Mitten hinein in die Spekulationen um einen Abschied von Bayern-Trainer Jupp Heynckes kam das Machtwort von ganz oben.

"Warum sollte er gehen? Er hat Vertrag. Er bleibt auf jeden Fall", sagte FCB-Präsident Uli Hoeneß der "Bild".

Auch Heynckes selbst will von einem vorzeitigen Abschied nichts wissen. "Ich habe einen Vertrag bis 2013 und weiß überhaupt nicht, wieso man darüber diskutiert", wundert sich der 67-Jährige im "kicker":

"Ich habe gesagt, dass wir die nächste Saison vorbereiten und da mittendrin sind."

Wechsel schien möglich

Doch nach der dramatischen Niederlage im Champions-League-Finale gegen den FC Chelsea und den zweiten Plätzen in der Meisterschaft sowie im DFB-Pokal hinter Borussia Dortmund, schien es durchaus möglich, dass in der kommenden Saison ein neuer Trainer dem Rekordmeister neues Leben einhauchen könnte.

Denn die Frage war erlaubt: Schafft es der Trainer-Routinier, das Vize-Trauma zu verdauen?

SPORT1-Expertenlegende Udo Lattek glaubte in der "ARD" nicht daran: "Mein erster Eindruck am Samstag war: Das war sein letztes Spiel."

Vertrag bis 2013

Auch Heynckes selbst hatte zuletzt alles andere als überzeugt geklungen. "Ich habe bis 2013 Vertrag. Wenn sich daran etwas ändert beim FC Bayern, wird das der Verein bekannt geben."

Das Machtwort von Hoeneß und die Aussage des Trainers haben diese Spekulationen nun beendet.

Volle Unterstützung erhält Heynckes von SPORT1-Experte Thomas Strunz.

Strunz: "Völlig überzogen"

Als "völlig überzogen" sieht der Ex-Bayern-Spieler bei Bundesliga Aktuell die Diskussion um den Trainer.

"Heynckes hat mit den Bayern eine sensationelle Saison gespielt, doch in den entscheidenden Momenten hat eben der letzte Punch gefehlt."

Für Strunz lag das weniger an Heynckes als vielmehr an "der Mentalität der Mannschaft".

Der 44-Jährige glaubt, dass der Hebel in der Kaderplanung für die kommende Saison anzusetzen ist, auch wenn dort bereits mit Dante, Xerdan Shaqiri und Tom Starke ein Trio verpflichtet worden ist.

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"Ein richtiger Kracher fehlt noch"

"Ein richtiger Kracher fehlt aber noch", so Strunz, ergänzte aber, "das Transferfenster ist ja noch länger offen".

So gut wie sicher ist die Rückkehr von Claudio Pizarro. Mit Edin Dzeko (Manchester City), Benedikt Höwedes (Schalke) oder Javi Martinez (Bilbao) sind weitere große Namen im Gespräch.

Auch Holland-Knipser Luuk de Jong, an dem auch Borussia Dortmund und Borussia Mönchengladbach angeblich interessiert sind, sollen die Bayern laut "kicker" schon beobachtet haben. ( 563193 DIASHOW: Bayerns Planspiele )

Bei den Neuzugängen spielt der Trainer eine wichtige Rolle. "Wir müssen einiges verändern, brauchen qualitativ breiteren Kader", gesteht Heynckes ein:

"Du musst Mittelfeldspieler haben, mehr Substanz, mehr Klasse."

Heynckes hat den Respekt

Fakt ist auch: Heynckes hat den Respekt der Spieler und die Stars um Ribery, Robben und Co. im Griff.

Ein neuer, besonders jüngerer Trainer, müsste sich diese Meriten erst verdienen. Ein nicht zu unterschätzendes Risiko.

"Ein neuer Trainer heißt nicht, dass es besser läuft", sagte auch Strunz bei SPORT1 und merkte an: "Der FC Bayern ist ein ganz spezielles Gebilde." Da kommt die besondere Stärke von Heynckes zum tragen: Die Ruhe, mit der er den stargespickten Kader des FC Bayern führt.

Defensive Stabilität und Talentförderung

Auch in der Defensive sorgte "Don Jupp" in München für Stabilität, führte dazu Talente wie Toni Kroos oder David Alaba an internationales Niveau ran.

Auf der anderen Seite wurde Kritik an der Unflexibilität seines Systems, der fehlenden Rotation oder der - im Vergleich zum Powerfußball des BVB - fast schon unmodern scheinenden Spielweise laut.

Und natürlich fehlt das schlagende Argument beim FC Bayern: Titel.

Alternativen sind rar

Doch stellt sich in München auch die Frage nach einer möglichen Alternative.

Wunschkandidat Jürgen Klopp ist vom Schreckgespenst Borussia Dortmund nicht loszueisen, auch bei Gladbach-Trainer Lucien Favre deuten die Zeichen auf eine weitere Saison am Niederrhein.

"Wäre die Sprachbarriere nicht, würde ich sagen, dass Guardiola sicherlich einer für uns wäre", ließ FCB-Präsident Uli Hoeneß zuletzt im "Focus" durchblicken. Derzeit ist also auch dieser Wechsel auf der Trainerbank noch unwahrscheinlich.

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