HSV-Sportdirektor Frank Arnesen (r.) hat nur wenig finanzielle Mittel für Transfers © getty

Nach dem Rücktritt Rieckhofsf hat sich der HSV auch aus der Frauenfußball-Bundesliga zurückgezogen - aus finanziellen Gründen.

Hamburg - "Der Fisch", hat Uwe Seeler unlängst gesagt, "stinkt immer vom Kopf her." Die HSV-Legende zitierte damit eine norddeutsche Redensart.

Gleichzeitig gab er einen realistischen Lagebericht aus der Führung ihres Klubs, dem einst so ruhmreichen Hamburger SV. Um im Bild zu bleiben: Spätestens seit Montag liegt ein Geruch von Fäulnis über der Hansestadt.

Der Rücktritt des Aufsichtsrats-Chefs Otto Rieckhoff (Bericht) legt die Zerwürfnisse in dem fast schon traditionell zerstrittenen Gremium wieder offen

Rückzug der Frauen wegen mieser Finanzlage

Zudem scheint die finanzielle Situation nach der schlechtesten Saison der Vereinsgeschichte noch angespannter zu sein als angenommen.

Jedenfalls zogen die Hamburger aus wirtschaftlichen Gründen ihre Mannschaft zur kommenden Saison aus der Frauenfußball-Bundesliga zurück.

Der Vorstand um den Vorsitzenden Carl-Edgar Jarchow war nicht mehr bereit, das Team, das sich nicht eigenständig finanzieren konnte, mit Zuschüssen über Wasser zu halten.

Sehnsucht nach der schwarzen Null

"Wir haben uns fest vorgenommen, das neue Geschäftsjahr mit einer schwarzen Null abzuschließen", sagte Jarchow, der in diesem Jahr erneut mit einem Minus von fünf Millionen Euro rechnet.

Dass die Zahlen nicht noch schlechter ausfallen, ist zwei Sondereinnahmen zu verdanken. Von Real Madrid (eine Million Euro) sowie Juventus Turin (500.000 Euro) werden Meisterschaftsprämien an den HSV gezahlt, die bei den Transfers von Rafael van der Vaart und Eljero Elia ausgehandelt worden waren.

Kleinere Brötchen an allen Ecken

"Wenn wir Geld einsparen und gleichzeitig unsere Mannschaft verstärken möchten, dann bedeutet das für uns, dass wir kreativ sein müssen", sagte Jarchow, "deshalb befassen wir uns mit möglichen Maßnahmen, die unsere Liquidität verbessern können."

Zum einen soll der Gehaltsetat der Bundesliga-Mannschaft (etwa 35 Millionen Euro) erneut reduziert, zum anderen sollen die Kreditzahlungen für das Stadion über 2015 hinaus gestreckt und damit gesenkt werden. "Wir sind mit den Banken in aussichtsreichen Gesprächen", sagte Jarchow.

Bisher müssen die Hanseaten rund zehn Millionen Euro pro Jahr für Zins und Tilgung an ein Konsortium überweisen (BERICHT: Kehrtwende beim HSV).

Chef-Kontrolleur gesucht

Wegen der fehlenden finanziellen Mittel und dem offen ausgetragenen Machtkampf im Aufsichtsrat kommt der HSV auch gut zwei Wochen nach Abschluss einer miserabel verlaufenen Saison nicht zur Ruhe.

Und wieder einmal sind die Probleme hausgemacht - und offenbar geplant. Rieckhoff hatte dem gesamten Aufsichtsrat den Rücktritt empfohlen, um den Weg für einen Neuanfang freizumachen.

Dies stieß bei seinen Kollegen auf massiven Widerstand und machte wieder einmal deutlich, wie gespalten das Gremium ist. Nun wird zunächst Unternehmer Alexander Otto den hohen Herren, die auch über Transfers entscheiden, vorstehen - bevor auf der nächsten Sitzung ein neuer Chef-Kontrolleur gewählt wird.

Arnesen vor Mammutaufgabe

In dieser explosiven Lage kommt auf Sportdirektor Frank Arnesen eine Mammutaufgabe zu. Der Däne muss trotz allem die Mannschaft verstärken 492198 (DIASHOW: Bundesliga-Transfermarkt) .

Nach den Verpflichtungen von Torwart Rene Adler (Bayer Leverkusen) und Stürmer Artjoms Rudnevs (Lech Posen) "müssen wir erst Spieler verkaufen, um weitere Verstärkungen" zu holen, sagte der 55-Jährige (BERICHT: Adler-Neustart als Billigflieger?).

Adler glaubt an Besserung

"Klar ist aber auch, dass die Ausbildung unseres eigenen Nachwuchses das große Ziel bleibt, um uns künftig in allen Bereichen zu verbessern."

Adler glaubt trotz der schwierigen Umstände nicht, dass der HSV nächste Saison wieder gegen den Abstieg spielt. "So eine schlechte Saison wird der HSV nie wieder spielen", sagte er der "Bild". Uwe Seeler ist sich da nicht so sicher.

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