Vieles spricht dafür, dass die Hertha unter Manager Preetz zum zweiten Mal absteigt © getty

Die Hertha kämpft nun vor dem DFB-Bundesgericht um ihre Bundesliga-Zukunft. SPORT1 nennt die Auswirkungen des Prozesses.

Von Tobias Wiltschek

München - Die Chancen auf ein Wiederholungsspiel schwinden, das Image hat bereits schwere Kratzer abbekommen.

Dennoch will sich Hertha BSC immer noch nicht mit dem Abstieg in die Zweite Liga abfinden (DATENCENTER: Die Relegation).

Nach der Ablehnung des Protests gegen die Wertung des skandalösen Relegationsspiels bei Fortuna Düsseldorf durch das DFB-Sportgericht ziehen die Berliner vor die nächste Instanz (BERICHT: Einspruch abgelehnt - Hertha geht in Berufung).

Verhandlung am Freitag

Dieser Einspruch wird am Freitag ab 12.30 Uhr vor dem DFB-Bundesgericht verhandelt.

Doch wie groß sind die Chancen noch auf ein Wiederholungsspiel und welche Auswirkungen hat der Prozess-Marathon der Herthaner auf Außenwirkung, Sponsoren und Transfers?

SPORT1 gibt Antworten auf die drängendsten Fragen.

Wie stehen die Berliner Chancen?

Sollte das Bundesgericht das jetzige Urteil kippen, wäre das nicht nur eine große Überraschung, sondern auch ein Novum in der Bundesliga-Geschichte.

"Mir ist kein Fall bekannt, in dem das Bundesgericht die Entscheidung des Sportgerichts revidiert hat", sagte der Vorsitzende Richter des Sportgerichts, Hans E. Lorenz, der "BZ".

Allerdings sei das Bundesgericht "vollkommen frei und unabhängig".

Hertha setzt auf Videobeweis

Die Berliner setzen nun alles auf den Videobeweis, der im Gegensatz zur Verhandlung vor dem Sportgericht nun zugelassen ist.

"Es gibt Videobeweise, die zeigen, dass die Umstände ganz klar zu einer Schwächung geführt haben", erklärte Hertha-Anwalt Christoph Schickhardt.

Darauf soll zu sehen sein, dass Berliner Spieler angegriffen worden seien und es sich deshalb um ein einseitige Schwächung handle.

Außerdem sei darauf zu erkennen, dass die ersten Fortuna-Fans bereits auf den Platz stürmten, als der Ball noch im Spiel war. Dies könnte beweisen, dass es sich bei dem Platzsturm doch nicht um ein Versehen nach einem vermeintlichen Schlusspfiff gehandelt hat.

Schickhardt glaubt fest an einen Berliner Erfolg: "Es gibt keine Niederlage. Nach der mündlichen Erläuterung des Urteils haben wir viele stichhaltige und handfeste Gründe, gegen die Entscheidung vorzugehen."

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Sportrechtsexperte skeptisch

Dass sich das Bundesgericht unter Vorsitz von Goetz Eilers dieser Argumentation anschließt, erscheint jedoch mehr als fraglich.

"Das Bundesgericht wird den Fall sicher eingehender beleuchten, aber dass es zu einem anderen Urteil kommt, ist eher unwahrscheinlich", sagte der renommierte Sportrechtsexperte Michael Lehner.

Allerdings kritisiert er die Urteilsbegründung des Sportgerichts als "wenig stichhaltig". Das stecke viel Sportpolitik dahinter, meinte Lehner. "Es scheint, dass das Gericht mit Macht die Tatsachen-Entscheidung des Schiedsrichters schützen wollte."

Sollten die Berliner den Gang durch die Instanzen fortsetzen, fürchtet der Experte "chaotische Zustände". Dann sei es fraglich, "die Sache bis zum Saisonbeginn über die Bühne zu bringen."

Wie steht es um das Image der Hertha?

Das Urteil gegen die Berliner ist richtig. Das finden jedenfalls mehr als zwei Drittel der SPORT1-User.

Und nicht nur die. Auch Hertha-Fan Johannes B. Kerner forderte den Klub in der "ARD" auf, sich dem Urteil zu fügen. "Sonst erleidet das Ansehen von Hertha BSC zusätzlichen Schaden", fürchtet der Sportmoderator.

Diesem Rat folgt die Hertha nun: "Es soll am Freitag entschieden werden. Wir akzeptieren die Autorität der Sportsgerichtsbarkeit und fühlen uns dort auch gut aufgehoben. Damit ist der Instanzenzug innerhalb des DFB endgültig abgeschlossen", versprach Schickhardt.

Doch kein Prozess-Marathon?

Die Gefahr eines Prozess-Marathons scheint daduch gebannt. Allerdings relativierte Präsident Werner Gegenbauer die Aussage des Anwalts: "Egal wie das Urteil lautet, wir werden uns die Begründung genau ansehen", sagte der 61-Jährige: "Unser rechtlicher Beauftragter hat das etwas weniger differenziert dargestellt."

Das Image des Berliner Traditionsvereins ist aber nicht erst durch den fragwürdigen Gang durch die Instanzen angekratzt, sondern auch durch das Verhalten ihrer Fans.

Schließlich haben die Hertha-Schlachtenbummler mit ihrem Abbrennen von Feuerwerkskörpern für die ungewöhnlich lange Nachspielzeit gesorgt.

Auch das Verhalten der Hertha-Spieler während der Unterbrechung in der Nachspielzeit hat dem Ansehen des Klubs geschadet. Sie seien "außerordentlich aggressiv" gewesen, urteilte Richter Lorenz.

Schiedsrichter Wolfgang Stark sah sich sogar gezwungen, einen Hertha-Profi anzuzeigen. Levan Kobiashvili soll ihn mit der Faust geschlagen haben.

Was denken die Sponsoren?

"Ich habe vollstes Verständnis dafür, dass Hertha nun vors Bundesgericht zieht", sagte Lorenz.

Genauso sehen das natürlich die Sponsoren des Vereins. Hertha müsse in die Berufung gehen, heißt es aus deren Kreisen. Denn wer in der Bundesliga spielen wolle, müsse darum kämpfen.

Sollte der Kampf aber verloren gehen, werden die Geldgeber ihr Engagement noch einmal überdenken. Die Hertha müsste dann damit rechnen, mit einem deutlich geringeren Etat in die Zweite Liga zu gehen.

Wie sieht die Zukunft der Mannschaft aus?

Die Reduzierung von Sponsorengeldern hätte unmittelbare Auswirkungen auf den Etat der Berliner, der in der vergangenen Saison noch 24,5 Millionen Euro betragen hatte.

Es muss gar mit heftigen Einschnitten in diesem Bereich gerechnet werden.

Als Vergleichsbeispiel könnte der 1. FC Köln herangezogen werden. Die Rheinländer werden ihren Profi-Etat von 33 auf 20 Millionen Euro drücken.

Ausverkauf droht

Und ähnlich wie bei den Kölnern droht auch den Berlinern zumindest der teilweise Ausverkauf ihrer Leistungsträger. Spieler wie Roman Hubnik, Raffael oder Nikita Rukavytsya werden bei einem Abstieg nur schwer zu halten sein. Namhafte Neuzugänge sind derzeit ohnehin nicht in Sicht.

Entsprechende Planungen können aber auch erst forciert werden, wenn der Prozess-Marathon beendet und endgültig klar ist, in welcher Liga die Hertha spielt.

Erst dann weiß auch der neue Trainer Jos Luhukay, der übrigens immer noch nicht offziell vorgestellt wurde, wie viel Geld ihm für neue Spieler zur Verfügung steht.

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