Das Relegationsspiel zwischen Düsseldorf und Berlin wurde für 20 Minuten unterbrochen © getty

Der Liga-Boss hält trotz des Skandals von Düsseldorf an der Relegation fest. Stoiber spricht sich für Sicherheitszäune aus.

Köln - Ein Ja zur Relegation, ein Ja zu Stehplätzen: Reinhard Rauball, Präsident des Ligaverbandes, lehnt eine Änderung des Spielmodus als Reaktion auf die Vorkommnisse von Düsseldorf ebenso ab wie die Abschaffung der Fankurven in den Stadien in ihrer derzeitigen Form.

"Wir werden die Relegationsspiele nicht entfallen lassen", sagte Rauball in der ARD-Sendung "hart aber fair" und versprach den Fans zugleich:

"Wir werden weiterhin für den Erhalt der Stehplätze kämpfen. Das ist für uns nicht verhandelbar." (DATENCENTER: Die Relegation)

"Wir müssen etwas machen"

Jedoch sieht Rauball die DFL nach den Vorfällen beim Relegationsrückspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC (2:2) zum Handeln gezwungen.

"Wir müssen etwas machen. Der Fast-Abbruch von Düsseldorf war ein Novum in der jüngeren deutschen Bundesligageschichte. Es ist in den vergangenen Wochen eine neue Art der Intensität zu Tage getreten", sagte Rauball. Die Liga werde reagieren.

Rauball kündigt Maßnahmenkatalog an

"Noch vor der nächsten Saison werden wir alle Präsidenten der Teams in 1., 2. und 3. Liga, möglichst auch die Mannschaftsführer zusammenholen und einen Katalog von Maßnahmen beschließen", kündigte Rauball an.

Die Spieler nahm der 65-Jährige, der zudem Borussia Dortmund als Präsident vorsteht, sofort in die Pflicht. "Es wäre gut, wenn die Mannschaft darauf verzichtet, nach einem Spiel mit solchen Vorgängen auch noch auf diese Tribünen zuzugehen, die La Ola zu machen und die Trikots reinzuschmeißen. Dieser Liebesentzug für sogenannte Fans ist ein wirksames Mittel. Da müssen wir die Mannschaftsführer einbeziehen."

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"Selbstreinigungsprozess" auf den Tribünen

Bei der "Lösung für die Stehplatzfrage" sieht Rauball die Fans gefordert. Diese müssten in einem "Selbstreinigungsprozess" auf den Tribünen dafür sorgen, dass die Krawallmacher unter ihnen ausgegrenzt werden.

Außerdem müssten sich gewaltbereite Fans "gefallen lassen, dass wir die Stadionverbotsregeln wieder verschärfen". Rauball kündigte weiter an, die Ordnungsdienste vor und in den Stadien zu professionalisieren.

Rauball steht zu Relegation

Als Begründung für seine Weigerung, die Relegationsspiele infrage zu stellen, führte Rauball die Vorfälle nach dem Spiel zwischen dem 1. FC Köln und Bayern München am 34. Spieltag der vergangenen Saison an.

"Sie haben gesehen, was für Sprengkörper dort losgegangen sind. Das passiert auch in diesen Spielen, wo es um den Abstieg geht. Die Relegationsspiele in der Vergangenheit haben bewiesen, dass es eben nicht immer so ausgeht wie jetzt", sagte er.

Stoiber fordert Sicherheitszäune

Edmund Stoiber, früherer bayerischer Ministerpräsident und Mitglied des Aufsichtsrats von Bayern München, will der Gewalt im deutschen Fußball mit der Wiederaufrichtung von Zäunen Herr werden.

"Die Sicherheitszäune müssen wieder her, vor allem vor den Fanblöcken ist das ganz wichtig. Nur so kann man die sogenannten Fans abhalten, sich auf den Weg in Richtung Spielfeld zu machen und Chaos auszulösen", sagte Stoiber der "Sport Bild".

"Rückfall in alte Zeiten", aber einziges Mittel

Diese Maßnahme sei zwar ein "Rückfall in alte Zeiten", aber das einzige Mittel, betonte Stoiber.

"Es geht nicht anders, weil die Hemmschwelle so sehr zurückgegangen ist. Zudem müssen im Stadion noch mehr Sicherheitskräfte, vor allem Polizisten, präsent sein."

Der 70 Jahre alte Politiker nannte es "unglaublich, dass so viele Menschen das Spielfeld in Düsseldorf beim Relegationsrückspiel fast ungestört stürmen konnten".

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