Otto Rieckhoff hat einen Tag nach der Mitgliederversammlung hingeworfen © getty

Nach der turbulenten Mitgliederversammlung hat der Aufsichtsrats-Boss genug. Frank Arnesens Aufgabe wird immer schwieriger.

Hamburg - Sportlich in der Krise, finanziell angeschlagen und in der Führung zerstritten:

Der Hamburger SV kommt auch zwei Wochen nach dem Saisonende nicht zur Ruhe.

Am Montag zog Otto Rieckhoff aus der turbulenten Mitgliederversammlung Konsequenzen und ist als Vorsitzender des Aufsichtsrats des Traditionsklubs mit sofortiger Wirkung zurückgetreten (BERICHT: Kehrtwende beim HSV).

"Ich habe mich in der Mitgliederversammlung am 20. Mai voller Überzeugung für eine Verkleinerung des Aufsichtsrats eingesetzt. Da dieser Antrag zwar eine Mehrheit, nicht aber die erforderliche Dreiviertel-Mehrheit erzielte, habe ich mich dazu entschlossen, im Januar nächsten Jahres nicht mehr für ein Mandat im Aufsichtsrat zu kandidieren", teilte der 60-Jährige mit.

Rieckhoff wird zunächst also weiter mitwirken, jedoch nicht als Oberkontrolleur. "Da aber derzeit die Weichen für das neue Geschäftsjahr gestellt werden, halte ich es für richtig, hieran nicht mehr an vorderster Front mitzuwirken", sagte er.

Aufsichtsrat völlig zerstritten

Am Sonntag hatte sich der Aufsichtsrat der Hanseaten bei der Diskussion um die Verkleinerung des zwölfköpfigen Gremiums als völlig zerstritten präsentiert.

Rieckhoff hatte ohne Absprache mit seinen Kollegen einen Neuanfang mit der Auflösung des Rates im Januar vorgeschlagen und dafür neben Zustimmung auch heftige Kritik einstecken müssen.

Ex-Präsident Jürgen Hunke wertete diesen Vorstoß als politisch motiviert und warf seinem Kollegen Machtgier vor.

Den Vorschlag Rieckhoffs bezeichnete er als "ungeheuerlich. Hier geht es am Ende doch nur um deine Macht."

Führungsdebatte zur Unzeit

Die Führungsdebatte kommt für den HSV zur Unzeit.

Der Bundesliga-Dino hatte in der abgelaufenen Saison nach miserablen Leistungen den ersten Abstieg in der Vereinsgeschichte gerade noch verhindern können und wollte nun alle Grabenkämpfe der Vergangenheit hinter sich lassen, um gestärkt in die neue Saison zu gehen.

Zudem fehlen dem Klub die finanziellen Mittel, um die dringend benötigen Verstärkungen zu realisieren. Der HSV wird das laufende Geschäftsjahr wohl mit einem erneuten Minus von etwa fünf Millionen Euro abschließen.

Um mehr Geld zur Verfügung zu haben, verhandelt der Vorstand über eine Streckung des Stadion-Kredites über 2015 hinaus.

Hoffen auf Kühne-Millionen

Trotz all der Unruhe muss Sportdirektor Frank Arnesen die Mannschaft weiter verstärken.

Der Däne hofft dabei auch weiter auf Millionen-Engagements privater Sponsoren wie dem umstrittenen Unternehmer Klaus-Michael Kühne.

Am Sonntag war der Antrag auf Mitbestimmung der Mitgliedschaft bei solchen Deals zurückgezogen worden.

Noch immer Interesse an Kuyt

"Wir können froh sein, dass er ein großes Herz für den HSV hat", sagte Arnesen, der aber auch zugeben musste, wegen der finanziellen Situation Spieler zunächst verkaufen zu müssen, um Verstärkungen zu holen.

Zudem bekräftigte der 55-Jährige erneut das Interesse am niederländischen Nationalstürmer Dirk Kuyt vom FC Liverpool.

Bisher haben die Norddeutschen für die kommende Saison Torwart Rene Adler (Bayer Leverkusen) und Stürmer Artjoms Rudnevs (Lech Posen) verpflichtet, zudem kehrt der bisher ausgeliehene Maximilian Beister (Fortuna Düsseldorf) an die Elbe zurück (BERICHT: Adler-Neustart als Billigflieger?).

Jansen-Verhandlungen fortgeschritten

Die Verhandlungen mit Marcell Jansen über einen neuen Dreijahresvertrag sind weit fortgeschritten 492198 (DIASHOW: Bundesliga-Transfermarkt) .

Dagegen sollen Jaroslav Drobny, Per Skjelbred und Robert Tesche abgegeben werden.

Und auch Stürmer Paolo Guerrero soll trotz gegenteiliger Beteuerungen bei einem entsprechenden Angebot den Verein verlassen können.

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