Michael Preetz (r.) ist seit 2009 Manager bei Hertha BSC © getty

Das DFB-Sportgericht schmettert den Protest gegen die Wertung des Relegationsspiels ab - Berlin akzeptiert die Entscheidung nicht.

Frankfurt/Main - Das Skandalspiel von Düsseldorf wird zumindest vorerst nicht wiederholt - doch vom Urteil bis zum Einspruch und einem Rundumschlag von Hertha BSC vergingen nur Minuten.

Trotzig und extrem angriffslustig gingen die Berliner mit der Ablehnung durch das Sportgericht des DFB um: Im Relegations-Chaos sucht die Hertha noch in dieser Woche ihre nächste Chance vor dem DFB-Bundesgericht, die Hängepartie geht also weiter.

Voraussichtlich am Freitag (12.30 Uhr) wird es zur erneuten Fortsetzung am Grünen Tisch kommen.

Mit dem Urteil, dass das Relegationsrückspiel bei Fortuna Düsseldorf (2:2) nicht zu wiederholen sei, hielt sich Christoph Schickhardt nur einige Sätze lang auf (DATENCENTER: Die Relegation).

"Ein lustiger Begriff"

Herthas Anwalt war erneut Wortführer der Attacke.

"In diesem Urteil und in diesem Verfahren hat das Sportgericht nicht den selbstgebildeten Ansprüchen genügt. Es hat von einem positiv besetzten Platzsturm gesprochen. Das ist ein lustiger Begriff für das, was wir gesehen haben", schimpfte Schickhardt: "Alle haben gesehen, dass das ein irreguläres Spiel war. Das war am Ende kein Fußballspiel mehr."

Er werte, sagte Schickhardt, "unsere Chancen nach der Beweisaufnahme besser denn je. Wir werden jetzt die TV-Bilder zeigen dürfen, was wir vor dem Sportgericht nicht durften."

"Kein Einspruchsgrund"

Das Bundesgericht wird nun unter Vorsitz von Goetz Eilers über den letzten vakanten Platz in der Bundesliga entscheiden.

Laut erster Instanz sind die Berliner abgestiegen, während Fortuna Düsseldorf nach 15 Jahren in die Bundesliga zurückkehrt.

Der Vorsitzende des Sportgerichts, Hans E. Lorenz, wies den Berliner Einspruch ab, weil "kein Einspruchsgrund" nachzuweisen war.

"Der Schiedsrichter hat jederzeit regelkonform gehandelt, und die von Hertha BSC behauptete einseitige Schwächung durch die Unterbrechung konnte nicht belegt werden."

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Hertha sauer: "Völlig unverständlich"

Die Entscheidung des Referees Wolfgang Stark, das Spiel insgesamt dreimal zu unterbrechen und jeweils wieder fortzusetzen, sei "eine Tatsachenentscheidung" gewesen, sagte Lorenz, ließ aber zugleich keinen Zweifel daran, dass nicht viel zu einer gegenteiligen Entscheidung fehlte.

"Der Versuch, nachzuweisen, dass die Berliner unter Angst standen, blieb letztlich ohne Erfolg. Es wurde kein Berliner Spieler verletzt oder körperlich angegriffen oder musste ausgewechselt werden. Wäre das der Fall gewesen, hätte der Einspruch Erfolg gehabt", sagte Lorenz, für den es das schwierigste Urteil seiner Amtszeit war.

Die Berliner kritisierten die Begründung scharf.

"Für Hertha BSC ist es völlig unverständlich, dass für die Aufhebung einer Spielwertung die körperliche Verletzung eines Spielers notwendig sein soll. Vielmehr muss es ausreichen, dass ein Spiel unter völlig irregulären Umständen zu Ende gebracht wurde und die Spieler so aufgrund der erlebten Situation nicht mehr in der Lage sein konnten, sich auf das Fußballspiel zu konzentrieren", teilte der Verein mit.

"Sie wollten keine Gewalt"

Das Sportgericht hatte erklärt, eine Spielumwertung wäre ein Muss gewesen, falls der Platz nicht hätte geräumt werden können.

Den Platzsturm der Fortuna-Fans vor dem Ende der Partie bewertete Lorenz als Zeichen verfrühter Freude. "Sie wollten keine Gewalt. Sie wollten ihre Aufstiegsfreude ausleben."

Dagegen schlug das Verhalten einiger Berliner Profis, die Stark nach dem Abpfiff in den Katakomben attackiert hatten, wohl negativ zu Buche.

Hertha-Profis "außerordentlich aggressiv"

Sie seien "außerordentlich aggressiv" gewesen, urteilte Lorenz. Eine psychische Schwächung der Hertha-Spieler durch die Umstände konnte das dreiköpfige Gericht nicht erkennen.

"Wenn in Zukunft ein dunkelhäutiger Spieler von Fans rassistisch beleidigt wird, dann könnte fortan jeder Klub wegen psychischer Beeinträchtigung Einspruch einlegen. So weit kann es nicht gehen", sagte der Vorsitzende des Sportgerichts.

Die Hertha will vor dem Bundesgericht den Video-Beweis beantragen, den Lorenz abgelehnt hatte. Anschließend wäre ein Gang vor das DFB-Schiedsgericht möglich.

Selbst der Internationale Sportgerichtshof CAS könnte theoretisch noch eine Rolle in der Auseinandersetzung spielen.

Erleichterung bei der Fortuna

Fortuna-Präsident Peter Frymuth war zunächst einmal erleichtert: "Das Ergebnis ist deutlich. Unsere Feststellung ist, dass das Spiel ordnungsgemäß zu Ende gebracht wurde. Wir hoffen und gehen davon aus, dass das auch in zweiter Instanz Bestand haben wird."

Lorenz tadelte allerdings den Ordnungsdienst der Düsseldorfer, der "total versagt" habe.

Paul Jäger, Finanzvorstand der Fortuna, gelobte Besserung.

Teams im Stand-by-Modus

Die Profis beider Mannschaften befinden sich weiter im Stand-by-Modus.

Die Düsseldorfer sagten ihre für die nächsten Tage geplante Mannschaftsfahrt nach Mallorca ab, nachdem sie bereits ihre große Aufstiegsparty in der Arena verschoben hatten.

Hertha BSC Berlin hatte am Samstag um Entschuldigung für das Fehlverhalten einiger Profis gebeten, die Stark nach dem Schlusspfiff verbal und im Fall von Lewan Kobiaschwili auch körperlich attackiert hatten.

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