Stale Solbakken war vom 1.Juli 2011 bis 12. April 2012 Trainer beim 1. FC Köln © imago

Köln Ex-Coach holt zum Rundumschlag aus und schießt eine Breitseite gegen die Vereinsführung - und räumt eigene Fehler ein.

Von Thorsten Mesch

München - Der 1. FC Köln liegt nach dem Abstieg am Boden, doch Ex-Trainer Stale Solbakken tritt verbal noch einmal kräftig nach.

Der Norweger, der am 12. April nach nur achteinhalb Monaten als Chefcoach beurlaubt worden war, erhebt schwere Vorwürfe gegen die Vereinsführung des FC. 556562 (DIASHOW: Die Flops der Saison )

Präsident Werner Spinner habe ihm kurz vor seiner Entlassung gesagt: "Sie sind der Trainer in den letzten zehn Jahren, auf den wir stolz sind", berichtete Solbakken im "kicker".

"Toni Schumacher (Vizepräsident, Anm. d. Red.) saß bei mir in der Küche und hat mir einen Tag vor dem Aus gesagt: "Wir werden dich nicht entlassen. Du bist unser Weg!"

Geschäftsführer Claus Horstmann habe ihn am Tag vor der Trennung gefragt, ob er auch mit in die Zweite Liga gehen würde.

"Falsches Spiel gespielt"

"Ich habe ihm am nächsten Tag um 10 Uhr eine SMS geschickt: "Ich bleibe auch in der Zweiten Liga!'", verriet Solbakken: "Seine Antwort war: 'Sehr gut!' Sieben Stunden später war es vorbei."

Köln habe "ein falsches Spiel gespielt", behauptete der 44-Jährige. Sowohl Spinner als auch Schumacher hätten ihn "später nicht mal angerufen."

Auch dem Vorwurf des ehemaligen Torhüters, Solbakken habe FC-Talente nicht genug gefördert, widersprach Solbakken. Der FC sei "ein super Klub", aber das Problem sei: "Man sagt das eine und macht das andere."

Der Verein habe in einer Krisensituation "das Gleiche gemacht wie immer. Ich habe die Rechnung für das bekommen, was hier in einer langen, langen Zeit passiert ist."

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Horstmann nimmt Stellung

Horstmann nahm auf der Kölner Homepage Stellung zu den Vorwürfen. "Trennungen sind immer schmerzhaft, gerade wenn ihnen persönliche Misserfolge vorausgegangen sind. Wir werden das Frust-Interview von Stale Solbakken im Detail nicht weiter kommentieren, um ihm nicht zusätzliches Gewicht zu geben", erklärte Horstmann:

"Das Thema ist Geschichte. Wir schauen nach vorne. Nur so viel: Die Vorwürfe und Angriffe auf den Klub und seine Verantwortlichen sind unangemessen und absurd. Nach einer weitgehend erfolglosen Rückrunden-Serie stand für uns fest, dass Stale Solbakken die Mannschaft nicht mehr erreicht und deswegen haben wir uns von ihm trennen müssen. Es war und ist die richtige Entscheidung gewesen."

Konflikt mit Finke schlecht für den Verein

Solbakken räumte aber auch eigene Fehler ein. Er habe einigen Spielern zu viel durchgehen lassen und "der Konflikt mit Volker Finke war sehr schlecht für den Verein", gab der neue Trainer des englischen Zweitligisten Wolverhampton Wanderers zu.

Der ehemalige Sportdirektor Finke hatte Solbakken zum 1. Juli 2011 nach Köln geholt, sich aber schnell mit dem Coach zerstritten und in der Öffentlichkeit Kritik an seiner Arbeit geübt.

"Wir hatten schon Anfang September den ersten Termin, um unser Verhältnis zu verbessern" erzählte Solbakken und berichtete von mehreren Gesprächen: "Aber wir waren zu unterschiedlich."

Vor allem in Transferfragen waren der Ex-Trainer und der Ex-Sportdirektor, dessen Vertrag am 10. März wegen "unterschiedlicher Auffassungen über die Weichenstellung im Bereich Fußball" im beiderseitigen Einvernehmen aufgelöst worden war, immer wieder aneinander geraten.

"Da wollten Finke und ich sehr unterschiedliche Dinge, was auch etwas mit Geld zu tun hatte", meinte Solbakken.

Riether kein Stratege

Statt einer echten Alternative zum lange verletzten slowenischen Nationalspieler Milivoje Novakovic bekam Solbakken für den Sturm aus der zweiten schwedischen Liga Mikael Ishak und vom Zweitligisten VfL Bochum Chong Tese.

Für Sascha Riether, dessen Verpflichtung Finke schon vor Solbakkens Ankunft eingeleitet hatte, sei die Aufgabe als Führungsspieler und Stratege im Mittelfeld "zu groß" gewesen, so Solbakken.

Und für Pedro Geromel, den er anstellte von Lukas Podolski als Kapitän eingesetzt hatte, sei die Spielführerbinde "eine Belastung" gewesen.

"Das würde ich heute anders machen", gestand der Norweger, der auch überlegt hatte, Stammtorwart Michael Rensing in der Schlussphase der Saison durch Nachwuchsmann Timo Horn zu ersetzen.

Fitness-Diskussion ein "Alibi"

Die in der Schlussphase seiner Arbeit und nach seiner Entlassung aufgekommene Diskussion über mangelnde Fitness der Kölner Spieler bezeichnete Solbakken als "Alibi. Wie die Konzeptfrage."

Er "wäre gerne Trainer in Köln geblieben" und mit ihm wäre der FC nicht abgestiegen, meinte der ehemalige Trainer des FC Kopenhagen, der nun die gerade abgestiegenen Wanderers aus Wolverhampton in die englische Premier League zurückführen will.

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