Die Vertagung des Urteils über Herthas Einspruch ist eine Farce - weil das Sportgericht nicht in die Gänge kommt.

Bei allem Verständnis für eine umfassende wie eben gerade nicht von Zeitdruck getriebene Entscheidung:

Die Verhandlung des Einspruchs von Hertha BSC gegen die Wertung des skandalträchtigen Relegations-Rückspiels bei Fortuna Düsseldorf ist schon jetzt mehr Farce als denn bloß justiziable Hängepartie. (Bericht)

Natürlich dauert es, bis Zeugen vernommen sind und eine Beweisaufnahme abgeschlossen ist.

Und selbstverständlich muss es der DFB-Sportgerichtsbarkeit danach gestattet sein, eine Entscheidung in Ruhe und unter Abwägung jedweden Pros und Contras zu fällen.

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Dennoch hat die Vertagung der Urteilsverkündung auf Montagnachmittag einen höchst schalen Beigeschmack.

Zumal das Verfahren sich dann ja noch immer in die ganze nächste Woche hineinziehen mag, beide Vereine nach einem Urteil in erster Instanz noch vor das DFB-Bundesgericht ziehen können.

Um es noch mal zu betonen: Ein überhasteter Entscheidungs-Schnellschuss hilft niemandem weiter.

Es geht an dieser Stelle auch nicht darum einzuschätzen, ob und inwieweit Schiedsrichter Wolfgang Stark tatsächlich körperliche Gewalt wie verbale Einschüchterung durch einige Hertha-Akteure widerfahren ist.

Das ist als Außenstehender genauso unmöglich zu beurteilen wie die Behauptungen der Berliner, sie hätten nach dem Platzsturm durch aufgeputschte Fortuna-Fans ernsthaft um Leib und Leben gefürchtet.

Wie aber kann es sein, dass es nach dem Relegationsskandal am Dienstagabend

a) geschlagene drei Tage dauert, bis es überhaupt zu einem gerichtlichen Ortstermin mit allen Beteiligten kommt - ungeachtet eines dazwischenliegenden Feiertags?

b) dass am Verhandlungstag auch erst am frühen Nachmittag zusammengefunden wird, schon insofern erneut ein halber Tag verschenkt wurde?

c) dass man sich dann am Freitagabend ins Wochenende verabschiedet und erneut Zeit verplempert?

Nur mal so nebenbei gesagt und auch wenn der Vergleich vielleicht ein bisschen hinkt, aber: Wenn über Tarife verhandelt oder über griechische Finanz-Hilfspakete beschieden wird, stecken die Verantwortlichen zumeist bis tief in die Nacht die Köpfe zusammen.

Sowohl die Berliner als auch die Düsseldorfer hängen nach wie vor in der Luft, stochern im Nebel, wie sie für die nächste Spielzeit planen sollen.

Bei der Hertha steht Tschechiens EM-Fahrer Roman Hubnik gar vor einem doppelten Dilemma, fehlt seiner Nationalelf in der Vorbereitung.

Die Frage muss erlaubt sein: Hätte nach einem Relegationsdrama gleicher Kategorie ebenfalls eine derart zähe Hängepartie stattgefunden, wären der 1. FC Köln mit DFB-Team-Akteur Lukas Podolski beteiligt gewesen?

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