Markus Weinzierl ist seit 2008 als Trainer vom SSV Jahn Regensburg tätig © getty

Der Wechsel des Regensburger Aufstiegstrainers zum FCA ist endgültig perfekt, die Details bleiben allerdings unklar.

Von Martin Volkmar

München - Beim FC Augsburg gehen die Uhren offenbar anders.

Erst trennt sich der Klub trotz des beinahe sensationellen Klassenerhalts nach dem letzten Saisonspiel von Erfolgscoach Jos Luhukay, der am Mittwoch seinen Wechsel zu Hertha BSC bekanntgab (Bericht).

Dann sickerte beinahe umgehend durch, dass die Schwaben sich praktisch schon auf einen Nachfolger festgelegt hatten: Markus Weinzierl.

Ärger in Regensburg

Das Problem war nur, dass der Trainer von Drittligist Jahn Regensburg zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch mitten im Aufstiegskampf befand. Entsprechend verärgert war Sportchef Franz Gerber.

Dennoch bestätigte Augsburgs neuer sportlicher Leiter Manfred Paula wenig später SPORT1, dass "Weinzierl Priorität eins" genossen hätte: "Jeder weiß, welche Arbeit er in den letzten Jahren in Regensburg geleistet hat. Dass er ein guter junger Trainer ist, steht außer Frage."

Und auch der 37-Jährige selber gab in einem Interview mit SPORT1 kurz vor den Relegationsspielen gegen den Zweitliga-Drittletzten Karlsruher SC offen Auskunft über die Anfrage des FCA und sein persönliches Interesse (INTERVIEW: "Der FCA wäre ein Riesenerlebnis).

"Natürlich würde ich mir das zutrauen"

Auf die Frage, ob er sich bereits für einen Wechsel entschieden habe, sagte Weinzierl: "Das stimmt, aber ich will mich wirklich voll auf die zwei Relegationsspiele konzentrieren."

Vor dem Sprung aus der dritten in die erste Liga hat der Ex-Profi keine Bedenken. "Natürlich würde ich mir das zutrauen, das wäre eine echte Herausforderung?, sagte er.

"Der FCA wäre ein Riesenerlebnis, aber warten wir noch ein paar Tage ab."

Schweigen nach dem Aufstieg

Doch als die Regensburger dann nach dem 1:1 im Hinspiel überraschend mit einem 2:2 beim KSC den Zweitliga-Aufstieg geschafft hatten, hüllte sich Weinzierl in Schweigen.

"Das ist nicht der Zeitpunkt, um über meine Person zu sprechen. Ich genieße den Moment und lasse mich nicht von anderen Themen davon abbringen. Ich werde überlegen und dann wird es irgendwann eine Entscheidung geben", sagte er.

Dagegen war für Gerber schon zu diesem Zeitpunkt klar, dass er sich nach einem neuen Jahn-Coach umschauen muss: "So wie die Signale aus Augsburg stehen, muss man damit rechnen, dass er uns leider verlassen wird."

Kurze Vollzugs-Meldung ohne Details

Es dauerte dann aber nochmal drei Tage, ehe die Augsburger Vollzug meldeten - um an Christi Himmelfahrt gleich wieder auf Tauchstation zu gehen.

Lediglich eine kurze Pressemitteilung ohne jegliche Details wie der Vertragslaufzeit verschickte der Verein und verwies auf eine Pressekonferenz mit der offiziellen Vorstellung - in fünf Tagen.

Auf Nachfrage wollte Sportchef Paula keine weiteren Angaben machen, da er zum einen auf der Taufe seines Sohnes weilte, zum anderen aber auch dem Termin nächsten Dienstag nicht vorgreifen wollte.

"Das ist eine tolle Herausforderung"

Weinzierl brach am Freitag dann doch sein Schweigen: "Das ist eine tolle Herausforderung und eine Riesenchance für mich. So eine Möglichkeit bekommst du nicht so oft im Leben."

Und Weinzierl ist optimistisch: "Ich weiß, dass die Fußstapfen von Jos Luhukay sehr groß sind. Er hat eine tolle Arbeit geleistet. Aber an solchen Aufgaben wächst man. Ich bin zuversichtlich, dass wir Erfolg haben werden", sagte er.

Dass es zuletzt einige Unruhe bei den Augsburgern um Präsident Walther Seinsch und Sportmanager Manfred Paula, Nachfolger von Andreas Rettig, gegeben hat, ficht Weinzierl nicht an. Er sehe "keine Probleme".

Der Abschied aus Regensburg fällt ihm nicht leicht. Der Klub sei für ihn eine `Herzensangelegenheit" gewesen, sagte er, "aber es ist doch wunderbar, wenn man am Höhepunkt geht. Mehr geht nicht."

Dreijahresvertrag beim FCA

Laut "Mittelbayerischer Zeitung" erhält er einen Drei-Jahres-Vertrag und bringt seinen Co-Trainer Wolfgang Beller sowie eventuell auch Fitness-Coach Thomas Barth mit.

"Ich verlasse Regensburg mit einem weinenden Auge. Der Verein war für mich eine "Herzensangelegenheit". Aber der Reiz, erste Bundesliga ist für mich sehr, sehr groß", wird der Coach zitiert.

In Regensburg, wo er seit 2002 als Spieler, dann Co-Trainer und ab 2008 als Trainer tätig war, besaß der zweifache Vater eine Ausstiegsklausel aus seinem bis 2014 laufenden Vertrag.

Mäßiger Erfolg als Spieler

Der Job beim FCA ist die größte Aufgabe in seiner noch jungen Karriere, nachdem er zuvor als Spieler nur mäßigen Erfolg hatte.

Der ehemalige Junioren-Nationalspieler schaffte beim FC Bayern nie den Sprung aus der eigenen Jugend zu den Profis, spielte stattdessen bis 1999 für die Zweite Mannschaft. Danach ging er zu Zweitligist Stuttgarter Kickers, später nach Unterhaching, Passau und schließlich Regensburg.

Die Aufgabe in Augsburg geht er trotz seiner fehlenden Bundesliga-Erfahrung nun ähnlich zuversichtlich an wie sein erstes Trainer-Engagement beim Jahn: "Ich wurde ins kalte Wasser geworfen, ich bin geschwommen und nicht untergegangen."

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