Wolfgang Stark (r.) ist seit 1999 FIFA-Schiedsrichter © SPORT1

Den Vorfällen von Düsseldorf folgt ein beispielloses Nachspiel: Der Unparteiische erstattet Strafanzeige gegen einen Berliner.

München - Den Vorfällen beim Relegationsrückspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC folgt ein in der Bundesliga beispielloses Nachspiel.

Schiedsrichter Wolfgang Stark hat am Mittwochabend Strafanzeige gegen einen Spieler der Berliner erstattet, wie der Düsseldorfer Polizeisprecher Andreas Czogalla bestätigte.

Der Sprecher nannte keinen Namen, Medienberichten zufolge handelt es sich um Levan Kobiashvili, dem vorgeworfen wird, Stark nach Spielschluss in den Nacken geschlagen zu haben.

Stark wollte die Anzeige selbst nicht bestätigen.

Sturz knapp entgangen

Bei der Verhandlung des Berliner Einspruchs gegen die Spielwertung vor dem DFB-Sportgericht in Frankfurt/Main erhob er schwere Vorwürfe gegen mehrere Hertha-Profis..

"Der Spieler Levan Kobiashvili hat mit ausgestreckter Faust in meine Richtung geschlagen. Ich habe mich weggeduckt, bin dann am Hinterkopf getroffen worden. Einzig das Treppengeländer verhinderte einen Sturz, und das wären fünf bis sechs Meter gewesen", sagte der Referee aus Ergolding. 559883 (DIASHOW: Die Bilder des Spiels)

"Du feiges Schwein!"

Von Christian Lell sei er zudem "aufs Schärfste attackiert und am Arm gepackt worden", sagte Stark.

"Die Beleidigung, die dabei gefallen ist, war: Du feiges Schwein!" Auf dem Weg zur Schiedsrichterkabine seien die Unparteiischen dann von weiteren Spielern von Hertha BSC abgefangen worden.

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Andre Mijatovic habe ihn als "Wichser" bezeichnet. (EINWURF: Nicht erstligareif)

Von außen gegen die Tür

Die Berliner hätten "die Kabine stürmen" wollen. "Wir mussten die Türen immer wieder zudrücken. Ich konnte Mijatovic und Kraft (Torhüter Thomas Kraft, d. Red.) erkennen.

Dabei fielen weitere Beleidigungen: 'Stark, Du Arschloch!' Ich hatte Angst und war den Tränen nahe und musste mir auf die Lippen beißen. So etwas habe ich noch nicht erlebt", sagte der 42 Jahre alte FIFA-Schiedsrichter.

90 Sekunden Nachspielzeit mitgeteilt

Er habe, sagte Stark, nach einer 20-minütigen Unterbrechung wegen des verfrühten Platzsturms der Düsseldorfer Fans von der Polizei grünes Licht für die Fortsetzung bekommen.

Daraufhin habe er Hertha-Manager Michael Preetz, dem Fortuna-Trainer Norbert Meier und den beiden Spielführern mitgeteilt, dass "noch eineinhalb Minuten" zu spielen seien. "Ich habe das Spiel nicht abgepfiffen, sondern lediglich unterbrochen", sagte Stark.

Drakonische Strafen drohen

Nach dem Skandalspiel nahm der DFB-Kontrollausschuss Ermittlungen nicht nur gegen die beiden Klubs, sondern auch gegen Kobiashvili sowie Kraft, Lell und Mijatovic auf.

Allen Beteiligten drohen drakonische Strafen, Kobiashvili im schlimmsten Fall eine Sperre von zwei Jahren.

Hertha-Protest im Blickpunkt

Zunächst jedoch steht am Freitag Herthas Protest gegen die Wertung des Spiels im Blickpunkt (BERICHT: Paragraphen auf Hertha-Seite).

Die Berliner plädieren vor dem DFB-Sportgericht auf ein Wiederholungsspiel und damit eine erneute Chance auf den Klassenerhalt.

Was selbst dann schwierig werden dürfte, wenn der Protest Erfolg hat ? in Anbetracht der Sperren, die wohl auf die Hertha zukommen.

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