Nach nur 57 Tagen ist Schluss: Krassimir Balakov gewann nur ein Spiel als FCK-Coach © getty

Der 1. FC Kaiserslautern hat nach dem Abstieg die Reißleine gezogen und Krassimir Balakov entlassen. Foda gilt als Topkandidat.

Von Reinhard Franke

München - Zuletzt verdichteten sich die Gerüchte rund um den Betzenberg immer mehr.

Seit Freitag ist es Gewissheit. Auch der 1. FC Kaiserslautern ist wieder auf Trainersuche. Nach nur 57 Tagen hat sich der Pfälzer Traditionsverein von Trainer Krassimir Balakov getrennt.

Der FCK will den kompletten und unbelasteten Neuanfang.

"Wir haben die abgelaufene Spielzeit in den zurückliegenden Wochen intensiv analysiert und sind zu dem Schluss gekommen, dass wir für die neue Saison einen kompletten Neustart benötigen", sagte der Vorstandsvorsitzende Stefan Kuntz.

Balakov habe "die Mannschaft in einer sehr schweren und festgefahrenen Phase übernommen. Nach der verpassten Kehrtwende in der Schlussphase der Vorsaison war es wichtig, die Gründe auch hierfür aufzuarbeiten und daraus die entsprechenden Konsequenzen abzuleiten."

"Zentrale Personalie für die sportliche Strategie"

"Der Cheftrainer ist die zentrale Personalie für die sportliche Strategie und der Schlüssel für den sportlichen Erfolg des Vereins. Von Vereinsseite haben wir ein klares Anforderungsprofil formuliert", so Kuntz.

Die Hypothek für Balakov ist durch den Abstieg zu groß. Es war nur ein kurzes Intermezzo des früheren Stuttgarter Mittelfeldstrategen in der Pfalz. 556562 (DIASHOW: Flops der Saison )

Balakov, der im März als Nachfolger des entlassenen Marco Kurz verpflichtet wurde, hatte den Abstieg der Pfälzer aus der Bundesliga nicht verhindern können: Von acht Spielen unter Balakovs Regie verlor Lautern sieben. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

[kaltura id="0_o3kruzc8" class="full_size" title="Kaiserslautern setzt weiter auf Kuntz"]

Keinen Plan von Balakov

Nach Saisonschluss sickerte aus dem Umfeld des FCK durch, wenn Balakov keine Ideen habe, mit denen er die Verantwortlichen überzeugen könne, dann wäre seine Zeit am Betzenberg vorbei.

Kuntz hat sich nun nach intensiver Analyse und negativem Feedback aus der Mannschaft und dem Umfeld zur Trennung von Balakov und dessen Assistenten Ilia Gruev entschlossen haben.

Geständnis von Kuntz

"Hinterher ist man immer klüger - nichts wurde besser. Wir haben noch schlechter gespielt als vorher. Da hätte man auch mit Marco (Kurz, Anm. d. Red.) weitermachen können", gestand Kuntz am Mittwoch bei einer Diskussion mit Schülern in einer Schule in Zweibrücken.

Billig wird die Entlassung Balakovs für die Pfälzer nicht. Er hatte beim FCK einen Vertrag bis 2013 abgeschlossen.

Foda der Topkandidat

Wer kann jetzt helfen? Am 18. Juni startet die Saisonvorbereitung, bis dahin muss ein neuer Cheftrainer auf dem Platz stehen. Als Topkandidat gilt Franco Foda, mit dem Kuntz 1990 den DFB-Pokal mit dem FCK gewann.

Foda ist momentan ohne Job, wurde zuletzt bei Sturm Graz entlassen. Dort war er in 15 Jahren Spieler, Jugendtrainer, Co-Trainer und Chefcoach. Sein Vorteil: er weiß mit kleinem Geld Großes zu bewirken.

Immer wieder hat Foda betont, dass der FCK für ihn eine "interessante Aufgabe" wäre. Sein Ziel ist die Rückkehr in die Bundesliga. (EXKLUSIV: Franco Foda im SPORT1-Gespräch)

Kuntz wollte Foda 2009 schon als Trainer verpflichten, doch damals gab es von Foda eine Absage. Kuntz verpflichtete dann Kurz als neuen Coach.

Sforza und Schmidt weitere Kandidaten

Gibt es jetzt einen erneuten Anlauf? Nachdem Hertha BSC Berlin am Donnerstag Jos Luhukay als neuen Trainer verpflichtet, dürfte Foda in Kaiserslautern ein heißer Kandidat sein auf die Balakov-Nachfolge.

Auch in Berlin galt Foda als Anwärter auf den Trainerposten zur neuen Saison. Fodas Ziel war immer die Bundesliga, doch für seinen 1. FC Kaiserslautern dürfte er auch in die 2. Liga gehen.

Berater signalisiert Gesprächsbereitschaft

Fodas Berater verrät im Gespräch mit SPORT1: "Für Franco ist der FCK nach wie vor eine Herzensangelegenheit und er hat seine familiären Dinge in Österreich geklärt. Sein Sohn hat das Abitur gemacht und sein Ziel ist Deutschland. Franco wäre sicher gesprächsbereit."

Wagner: "Foda hat sicher Interesse"

Martin Wagner, ein weiterer Ex-Lauterer, sagt gegenüber SPORT1: "Ich habe mit Franco gesprochen, noch gibt es keinen Kontakt mit dem FCK, aber er wäre sicher interessiert. Er kennt die Strukturen des Vereins und hat mit Stefan Kuntz den Pokal gewonnen."

Foda soll auch bei Austria Wien ein heißer Kandidat sein, doch Wagner glaubt: "Da wäre er auch nur in Österreich, beim FCK wäre er auf der großen Bühne, ganz egal, ob es die 2. Liga ist."

Für Wagner kann sich Kuntz keinen weiteren Fehlschuss erlauben, von daher "könnte das mit Franco passen."

Als weiterer Trainerkandidat wird der Schweizer Ciriaco Sforza, gehandelt, der 1998 mit den Pfälzern den Meistertitel holte. An ihn glaubt Wagner nicht: "Ciri hat keinen leichten Stand in Lautern, außerdem war er ein großer Spieler wie Balakov - und da ging es ja schief."

Kader bekommt neues Gesicht

Aber nicht nur Balakov ist vom großen personellen Umbruch, den Kuntz als notwendige Voraussetzung für eine erfolgreiche Saison ansieht, betroffen.

Auch die Profis Sandro Wagner, Nicolai Jörgensen, Thanos Petsos, Dorge Kouemaha, Lucas und Kevin Trapp werden den auf zehn Millionen Euro zusammengestrichenen Etat nicht mehr belasten.

Die Zukunft von Kapitän Christian Tiffert, Clemens Walch, Gil Vermouth, Chadli Amri und auch Rodnei ist offen. Olcay Sahan steht vor einem Wechsel in die Türkei.

Als Neuzugänge stehen bisher nur Mimoun Azaouagh (VfL Bochum) und Albert Bunjaku (1. FC Nürnberg) fest.

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