Wolf Werner (r., mit Otto Rehhagel) ist seit 2007 Manager von Fortuna Düsseldorf © getty

Düsseldorfs Manager Wolf Werner spricht bei SPORT1 über das Skandalspiel und aüßert sein Unverständnis über Herthas Protest.

Von Reinhard Franke

München - Die letzten Tage sind nicht spurlos an ihm vorübergegangen.

Fortuna Düsseldorfs Manager Wolf Werner wirkt nachdenklich, geradezu müde, wenn er über das Relegations-Rückspiel seiner Fortuna gegen Hertha BSC Berlin spricht.

Die schlimmen Vorfälle mit einem Fast-Spielabbruch haben ihn tief getroffen. 559883 (DIASHOW: Die Bilder des Spiels)

Die Freude über den geglückten Aufstieg währte ohnehin nicht lange.

Bereits einen Tag nach der Partie legte die Hertha Protest gegen die Spielwertung wegen des verfrühten Platzsturms der Fortuna-Fans ein.(Bericht)

Am Freitagmittag um 13.30 Uhr beginnt die juristische Nachspielzeit des Skandalspiels. Dann wird das DFB-Sportgericht in Frankfurt/Main entscheiden, ob die Partie in Düsseldorf wiederholt werden muss. (EINWURF: Nicht erstligareif)

Dann könnte der Düsseldorfer Aufstiegstraum doch noch platzen.

Noch will Werner nicht daran denken, was ein Wiederholungsspiel bedeuten könnte. Dennoch sagte die Fortuna die für Samstag in der Esprit-Arena angesetzte Aufstiegsfeier ab.

Im SPORT1-Interview spricht Werner über das Skandalspiel, äußert sein Unverständnis über Herthas Protest - und erhebt schwere Vorwürfe gegen Berlins Manager Michael Preetz.

SPORT1: Herr Werner, konnten Sie sich nach den Geschehnissen der letzten beiden Tage etwas beruhigen?

Wolf Werner: Das ist eine Belastung, mit der wir alle zu kämpfen haben. So richtig beruhigen kann man sich gar nicht aufgrund der Situation, die Hertha jetzt geschaffen hat.

SPORT1: Sie sprechen es an. Hertha BSC hat Protest gegen die Wertung des Relegationsspiels (2:2) eingelegt. Können Sie das nachvollziehen?

Werner: Von der sportlichen Seite her kann ich das überhaupt nicht nachvollziehen, weil auf dem Platz eine Entscheidung gefallen ist, die man auch von der Gegenseite her akzeptieren sollte. Von der anderen Seite her habe ich auch - was Moral betrifft - gar kein Verständnis dafür.

SPORT1: Von Seiten der Hertha wird nun von "Blutbad" und "Todesangst" gesprochen. Ist das nicht etwas überzogen?

Werner: Solche martialischen Begriffe haben im Fußball gar nichts zu suchen. Ich halte es für absolut despektierlich, dass man sowas bei einem Fußballspiel in den Mund nimmt - zumal in der Situation, in der sich unsere euphorisierten Fans befunden haben. Wir Verantwortliche lehnen natürlich ein vorzeitiges Stürmen auf den Platz total ab. Jedoch war niemand auf dem Rasen, um etwas Gewalttätiges zu veranstalten. Selbst Mütter und Kinder haben sich im Innenraum befunden. Deshalb bin ich entsetzt über die Begriffe, die dort jetzt von der Gegenseite gewählt werden.

SPORT1: Fortuna hat die Aufstiegsfeier abgesagt. Hat man sich zu früh gefreut?

Werner: Das hat weniger mit dem Protest der Berliner zu tun, sondern hängt mit dem Organisatorischen zusammen. Wir sehen uns außer Stande in der Kürze der Zeit ein richtig gutes Fest auf die Beine zu stellen. Es war medial nicht mehr möglich, unsere Fans zufriedenzustellen. Deshalb haben wir uns dazu entschlossen, die Feier zu verschieben und ich hoffe, dass man dafür Verständnis hat.

[kaltura id="0_nm0horho" class="full_size" title="Hertha Letzte Chance durch die Hintert r"]

SPORT1: Herr Werner, so etwas wie jetzt passiert ist, haben Sie auch noch nicht erlebt. Wie groß ist die Angst, dass Ihnen Ihr Traum Aufstieg nach 15 Jahren doch noch entrissen wird?

Werner: Man ist natürlich unheimlich angespannt. Das Verhalten unserer Fans ist natürlich nicht zu billigen und wir verurteilen das aufs Schärfste. Schlimm ist, dass einen die Spannung jetzt auch nicht loslässt, weil auf der Gegenseite jemand ist, der die sportliche Entscheidung nicht akzeptieren will, aus welchen Gründen auch immer.

SPORT1: Haben Sie mit Ihrem alten Freund Otto Rehhagel in aller Ruhe über dieses Skandalspiel und die möglichen Folgen gesprochen?

Werner: Nein. Ich denke, dass Otto Rehhagel am wenigsten mit der ganzen Sache zu tun hat. Ich habe mich mit Otto Arm in Arm auf dem Platz unterhalten, als die unangenehme Angelegenheit passiert ist, ob wir das alles in unserem Alter noch brauchen. Wir waren beide entsetzt über die Art und Weise, wie da etwas passiert ist. Und ich weiß, dass Otto immer noch sehr erschrocken ist über die Folgen, die das jetzt nach sich zieht.

SPORT1: Sie bekommen immerhin Zuspruch vom Polizeipräsident Herbert Schenkelberg. Er sagt im Vorfeld der DFB-Verhandlung, dass alle Aggression nur von Hertha-Fans ausging, nicht von den Anhängern der Fortuna. Macht Ihnen das Hoffnung für das Urteil am Freitag?

Werner: Es ist nicht meine Aufgabe, mich mit diesem Termin zu beschäftigen. Das machen bei uns die Herren Jäger (Fortuna-Finanzchef Paul Jäger, Anm. d. Red.) und Frymuth (Fortuna-Vorstandsvorsitzender Peter Frymuth, Anm. d. Red.). Wir von der sportlichen Seite gehen einfach davon aus, dass die sportliche Entscheidung steht.

SPORT1: Sie klingen sehr verbittert.

Werner: Es kann ja auch nicht sein, dass aus 90 Sekunden Nachspielzeit plötzlich zwei Minuten gemacht werden, wie Michael Preetz das behauptet. Da wird die Wahrheit mit Füßen getreten. Das sieht man ja schon an Begriffen wie "Todesangst" und "Blutbad". Wolfgang Stark (Schiedsrichter, Anm. d. Red.) hat bei Wiederanpfiff nach dem Abbruch ganz klar gesagt, dass eine Minute und 30 Sekunden zu spielen sind. Jeder wusste das. Auch der TV-Kommentator hat das minutiös festgehalten.

SPORT1: Man muss auch den Worst Case durchspielen, Herr Werner. Was passiert, wenn es ein Wiederholungsspiel gibt und wenn die Fortuna dann doch nicht aufsteigen sollte? Die eigenen Fans hätten dem Verein dann den Aufstiegstraum nach 15 Jahren zerstört.

Werner: Damit beschäftige ich mich gar nicht. Es gibt Regeln des DFB und es gibt Fälle aus der Vergangenheit, wo es noch schlimmer war, damit will ich das jetzt nicht entschuldigen, aber da war die 'Gegenseite anständig und hat sich nicht negativ geäußert wie es jetzt der Fall ist. Es ist so, wie es ist.

SPORT1: Ist das Tischtuch zwischen Fortuna und Hertha BSC zerschnitten?

Werner: Ich sehe sowas nie persönlich, sondern sehe das Geschehen als letzten Strohhalm, den Hertha jetzt ergreifen möchte, um sich zu retten.

SPORT1: Glauben Sie an ein positives Ende für Fortuna?

Werner: Ich beschäftige mich weder mit dem einen noch mit dem anderen. Ich habe mal in meinem Leben, als es mir nicht so gut ging, ein Buch von Dale Carnegie gelesen zu der Zeit, als ich bei Borussia Mönchengladbach war, und das habe ich mir vor der Relegation ins Bewusstsein gerufen: Ich hoffe das hilft mir auch jetzt wieder, dass ich die Situation einfach so hinnehme, wie sie sich darstellt. Der Titel des Buches heißt im Übrigen: "Sorge dich nicht - lebe".

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