Jos Luhukay trainierte in der Bundesliga in Köln, Mönchengladbach und Augsburg © getty

Nach dem Protest gegen die Wertung des Relegationsspiels gibt es auch gute Nachrichten für alle Berliner. Jos Luhukay wird neuer Hertha-Coach.

Berlin/München - Ein Protest als letzter Strohhalm, Jos Luhukay als möglicher neuer Hoffnungsträger: Nach dem sportlichen Abstieg hat Hertha BSC den Glauben an eine Rückkehr in die Bundesliga durch die Hintertür noch nicht aufgegeben und kämpft am grünen Tisch gegen den bitteren Gang in die Zweite Liga.

Ob der Protest gegen die Spielwertung des Relagations-Rückspiels bei Fortuna Düsseldorf (Bericht) Erfolg hat, ist noch unklar.

Fest steht aber bereits, mit welchem Trainer die Berliner in die neue Saison gehen werden. Der Ex-Augsburger Jos Luhukay folgt auf Otto Rehhagel.

Zweijahresvertrag

Einen Tag vor der Verhandlung vor dem DFB-Sportgericht am Freitag (13.30 Uhr) in Frankfurt hat der 48 Jahre alte Niederländer am Donnerstag in der Hauptstadt einen Zweijahresvertrag, der sowohl für die Bundesliga als auch für die Zweite Liga Gültigkeit besitzt, unterzeichnet.

Luhukay war nach dem erfolgreichen Klassenerhalt als Trainer des Bundesligisten FC Augsburg erst nach dem letzten Spieltag der abgelaufenen Saison Anfang Mai zurückgetreten.

"Wir sind sehr froh, dass wir Jos Luhukay für die kommenden zwei Jahre unter Vertrag nehmen konnten", sagte Hertha-Geschäftsführer Michael Preetz.

"Ich freue mich auf die extrem reizvolle Aufgabe bei Hertha BSC und in Berlin. Ich habe Michael Preetz meine Zusage deshalb ganz bewusst für beide Ligen gegeben", betonte Luhukay.

Doch auch nach der offenbar früh abgeschlossenen Suche eines Nachfolgers von Altmeister Otto Rehhagel, die vom Verein bislang noch nicht bestätigt wurde, stehen die Diskussionen um das Spiel in Düsseldorf weiter im Mittelpunkt. (EINWURF: Nicht erstligareif)

Herthas Anwalt begründet Protest

"Für uns war das Spiel irregulär. Da ging es nicht mehr um sportlichen Wettkampf. Einziger Zweck der Wiedereröffnung dieses Spiels war, eine weitere Eskalation zu verhindern", begründete Herthas Anwalt Christoph Schickhardt den Protest: "In der DFB-Satzung steht, dass ein Spiel unter diesen Umständen nicht gewertet, sondern wiederholt wird." 559883 (DIASHOW: Die Bilder des Spiels)

"Wir rufen das DFB-Sportgericht an, um in dieser Frage zu ermitteln", erklärte der sichtlich mitgenommene Hertha-Manager Michael Preetz: "Die Spieler hatten Angst. Es ging nicht mehr um das sportliche Geschehen.

Die Frage nach der eigenen Sicherheit stand im Vordergrund, nicht das Bemühen, in den verbleibenden zwei Minuten noch ein Tor zu erzielen."

[kaltura id="0_88izglc0" class="full_size" title="Hertha Die Spieler hatten Angst "]

Hoffnung auf eine Neuansetzung

In der Hoffnung auf eine Neuansetzung werden die Hertha-Profis und Trainer Rehhagel nicht in den Urlaub gehen, sondern nach einem freien Tag am Freitag um 15.00 Uhr wieder gemeinsam trainieren.

"Jetzt zählt nur noch Hertha und der Protest!", sagte Rehhagel, der seinen geplanten Urlaub verschiebt, gegenüber "Bild".

Derweil hatte Schickhardt bereits berichtet: "Die Spieler saßen mit Todesangst leichenblass in der Kabine. Im Gesetz steht: Wenn Einflüsse von außen auf ein Spiel treffen, die nichts mit dem Spiel zu tun haben, muss wiederholt werden."

Lell und Kobiashvili drehen durch

Nachdem Schiedsrichter Wolfgang Stark nach einem verfrühten Platzsturm der Düsseldorfer Fans die Partie wieder angepfiffen, aber rund 30 Sekunden zu früh beendet hatte, gingen mit Herthas Christian Lell und Lewan Kobiashvili die Emotionen durch.

Beide gingen noch in den Katakomben auf Stark los. Der DFB-Kontrollausschuss nahm Ermittlungen gegen die beiden sowie ihre Klubkollegen Thomas Kraft und Andre Mijatovic auf. Kobiaschwili soll Stark in den Nacken geschlagen, die anderen den FIFA-Referee beleidigt haben.

Spuckattacke von Lell

Zuvor hatte sich Lell bereits eine Rangelei mit Düsseldorfs Assani Lukimya geleistet und soll den Abwehrspieler dabei angespuckt haben. Lell war nur schwer zu beruhigen, fing sich dann aber wieder: "Wir sind maßlos enttäuscht. Wir suchen jetzt aber keinen Sündenbock, wir waren in der Saison leider nicht immer erstligareif."

Auch Preetz war entsetzt. "Die Umstände, wie dieses Spiel zu Ende gegangen ist, machen uns betroffen und nachdenklich", sagte der 44-Jährige.

Viele Minuten lang hatte die Mannschaft in der Kabine gewartet. Preetz habe sich bei Stark erkundigt, ob dieser die Sicherheit der Spieler gewährleisten könne.

Stark verneinte. Erst als die Polizei erklärte, es werde zu keiner weiteren Eskalation kommen, gingen die Hertha-Spieler zurück aufs Feld.

Preetz bleibt Manager

Wie das Nachspiel ausgeht, ist unklar. Geklärt scheint dagegen: Preetz wird Herthas Manager bleiben. "Ja, ich bin gewillt, weiterzumachen", sagte er trotz einer verheerenden sportlichen Bilanz.

Der Klub ist wahrscheinlich zum zweiten Mal in zwei Jahren aus dem Oberhaus abgestiegen, Preetz verschliss allein in einer Saison drei Trainer. Dennoch will Präsident Werner Gegenbauer an ihm festhalten: "Für mich ist es unstrittig, dass er in seiner Position bleibt", sagte der Hertha-Boss.

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