Die Fans in Düsseldorf stürmen vor Abpfiff das Spielfeld und sorgen für einen Skandal © getty

Ex-FIFA-Referee Heynemann bestätigt SPORT1, dass er die Partie abgebrochen hätte. Ansonsten herrscht Schockzustand. Reaktionen.

Düsseldorf - Der Schock nach dem Skandal im Relegations-Rückspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC sitzt immer noch tief ( 559883 Bilder ).

Nach der Ereignissen hat der DFB viel Arbeit vorsicht und hat bereits Ermittlungen eingeleitet (Bericht).

Nicht nur direkt Beteiligte, auch DFB-Funktionäre, Politiker und Bundestrainer Joachim Löw verurteilen die Vorkommnisse aufs schärfste und fordern Konsequenzen für die Zukunft. (EINWURF: Nicht erstligareif)

Ex-FIFA-Schiedsrichter Bernd Heynemann hätte die Partie gar abgebrochen, wie er SPORT1 erklärte.

SPORT1 hat die Reaktionen zur Skandal-Partie zusammengestellt:

Bernd Heynemann (Ex-FIFA-Schiedsrichter):

"Für mich wäre ein Spielabbruch angemessen gewesen: Die Sicherheit war für keinen mehr gewährleistet. Wann soll man ein Spiel abbrechen, wenn nicht in dieser Situation - will man warten, bis einer stirbt?"

Wolfgang Niersbach (DFB-Präsident) und Reinhard Rauball (Präsident des Ligaverbandes):

"Mit Bestürzung und Sorge haben wir die Vorkommnisse zur Kenntnis genommen. DFB und Ligaverband sind sich darüber einig, dass solche unverantwortlichen und die Gesundheit der vielen friedlichen Fans gefährdenden Szenen in einem Fußballstadion nicht tolerierbar sind und konsequent geahndet werden müssen. Die jüngsten Ausschreitungen zum Saisonende machen einmal mehr auf traurige Weise deutlich, dass die bisherigen Konzepte und Maßnahmen allein nicht mehr ausreichen."

Helmut Sandrock (DFB-Generalsekretär):

"Bei der Bekämpfung von Gewalttätern müssen wir neue Wege gehen. Da sind wir mit den Maßnahmen, wie wir sie heute kennen, an unsere Grenzen gestoßen. Wir können dies nur im engen Schulterschluss zwischen DFB und DFL erreichen. Wir brauchen auch die Unterstützung von Polizei und Justiz, vor allen Dingen aber der großen Mehrheit der friedlichen Fans. Klar ist, dass wir uns von einer Minderheit von Chaoten nicht den Fußball kaputtmachen lassen."

Joachim Löw (Bundestrainer):

"Ich finde es ungeheuerlich, dass eine Minderheit von Fans vor dem Schlusspfiff auf den Platz rennt. Ungeheuerlich gegenüber der Mannschaft und dem Verein, in einer Situation, in der es um so viel geht. Nach dem Abpfiff kann ich meiner Freude freien Lauf lassen. Nun sind der DFB und die DFL gefragt."

Hans-Peter Friedrich (Bundesinnenminister):

"Ich erwarte, dass die 54 Fußballvereine in den drei Profiligen vor Beginn der nächsten Saison ein gemeinsames, konkretes Handlungskonzept vorlegen, in dem es unter anderem um bundesweite Stadionverbote für gewaltbereite Ultras geht sowie um ein Verbot von Pyrotechnik. Wir sind uns mit dem DFB einig, dass Ausschreitungen wie bei den Relegationsspielen in Düsseldorf und Karlsruhe nicht hinnehmbar sind. Wir setzen unsere Fußballkultur aufs Spiel, wenn wir dieser Gewalt kein Ende bereiten."

Dagmar Freitag (Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag):

"Das, was in Düsseldorf geschehen ist, besitzt eine neue Qualität. Man muss jedes Detail unter die Lupe nehmen, damit solche Auswüchse in Zukunft verhindert werden können. Da sind DFL, DFB, Politik und Polizei gefordert."

Christoph Schickhardt (Anwalt von Hertha BSC):

"Die Spieler saßen mit Todesangst leichenblass in der Kabine. Im Gesetz steht: Wenn Einflüsse von außen auf ein Spiel treffen, die nichts mit dem Spiel zu tun haben, muss wiederholt werden. Der Schiedsrichter Wolfgang Stark hat die Mannschaft nicht wegen des Fußballs auf den Platz zurückgeführt, sondern wohl nur auf Bitten der Polizei, um eine Eskalation - man hat von einem Blutbad gesprochen - zu verhindern. Es war ein irreguläres Spiel. Hier müssen der Deutsche Fußball-Bund und die Deutsche Fußball Liga deutliche Worte sprechen."

Otto Rehhagel (Trainer Hertha BSC):

"Die Begleitumstände waren eine Katastrophe. Das habe ich noch nie erlebt und hätte es auch gerade in Düsseldorf nie für möglich gehalten. Es hält immer mehr Einzug, dass sich die Zuschauer herausnehmen, in das Spiel einzugreifen. Wir sind alle Sportler und wollen, dass Spiele fair zu Ende gehen."

Wolf Werner (Manager Fortuna Düsseldorf):

"Der Schiedsrichter hat das Spiel, wie er sich geäußert hat, wieder angepfiffen und dann korrekt abgepfiffen. Der Spielablauf kann nicht infrage gestellt werden. Die Worte von Herrn Schickhardt halte ich für völlig überzogen. Es waren nicht zu wenige Ordner im Stadion. Es ging beim Platzsturm nicht um Gewalt, sondern um Freude. Das ist natürlich keine Entschuldigung. Das Wort Gewalt will ich aber in diesem Zusammenhang nicht angewendet haben."

Gunter A. Pilz (Fanforscher):

"Dass euphorisierte Düsseldorfer Fans den Platz stürmen, dafür kann man sogar Verständnis aufbringen. Wenn einer rennt, rennen sie alle. Das ist eine Unsitte, aber doch noch nachvollziehbar. Das Zünden von Pyrotechnik stellte das größere Ärgernis dar. Damit soll provoziert werden, vor allem die gegnerischen Fans, es geht um eine symbolische territoriale Eroberung des Stadions. Man kann nur hoffen, dass sich das Verständnis durchsetzt, dass Pyrotechnik nicht nur verboten, sondern auch gefährlich ist."

Bernhard Witthaut (Bundesvorsitzender Gewerkschaft der Polizei):

"Offensichtlich bringen Appelle an Vernunft und Verstand nichts. Der DFB ist jetzt vor dem angekündigten Anti-Gewalt-Gipfel von Fußball und Justiz in der Pflicht, zu prüfen, ob über Punktestrafen die Fans diszipliniert werden können."

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